...die Eder-Beagle(s)
...die Eder-Beagle(s)
 

Als ich kürzlich mit drei eigenen und einem Pflegehund unterwegs war, sprach mich
eine Nachbarin mit den Worten: „warum tust du dir das eigentlich an?“ an. So
spontan….fiel mir gar keine plausible Antwort ein.

Ich musste mir meine Gründe erst mal richtig bewusst machen.

Wir leben im Paradies.

Uns geht es gut. Wir leiden keinen Hunger, haben ein Dach über dem Kopf. Wir sind
bestens versorgt mit den Dingen, die wir benötigen (auch mit denen, die wir
nicht wirklich benötigen). Wir erfüllen unsere Wünsche. Niemand tut uns ein Leid
an, verletzt uns, fügt uns Schmerzen zu. 
Wir entscheiden selbst, was wir tun und was wir lassen.* Wir vermuten –
zu Recht – das all dies auch morgen noch so sein wird. Wir sind frei. Und: wir
sind in Sicherheit.

Wenn wir krank werden oder uns verletzen, gibt es viele erprobte Mittel und Wege, die uns hoffentlich helfen mögen, wieder zu heilen.

Wir müssen uns keine Gedanken darüber machen, was der Preis dessen ist.

Aber sollten wir das nicht? Über Sinn oder Unsinn von Tierversuchen muss nicht
diskutiert werden, die Vorschriften des Gesetzgebers sind bindend.

Laborbeagle dienen (neben einer Reihe unsinniger Zwecke) in hoher Anzahl der
humanmedizinischen Forschung. Leukämie-oder Krebsmedikamente werden an Hunden getestet. Medikamente und schulmedizinische Behandlungsmethoden für jedes erdenkliche menschliche Krankheitsbild, ob lebensbedrohlich oder lapidar, werden an Säugetieren getestet. Haushaltsreiniger, Genussgifte, Pflanzenschutzmittel, Nahrungszusätze,
Kosmetik*, sogar Waffen werden an Tieren getestet, und kaum eines überlebt dies.

Aber wer denkt an Laborbeagle, wenn er vor dem Röntgen, CT oder MRT ein
Kontrastmittel gespritzt bekommt? Wer überlegt, wie die richtige Dosis an
Strahlung ermittelt worden ist? Narkosemittel, Hustensaft, Schnupfenspray,
Katheder, Bypässe, Wiederbelebungsmethoden, Wundmaterial, Nahtmaterial – all
dies und vieles mehr muss an lebenden Organismen ausprobiert werden, bevor es
dem menschlichen Körper zugemutet werden darf.

Auch Tierhalter machen sich eher selten Gedanken, wer oder was das Präparat, das
ihrem Hund/ihrer Katze/ihrem Pferd…..verabreicht wird, zuvor ausprobiert hat.
Oder wie die richtige Operationsmethode ermittelt wurde. Hauptsache, es hilft.
Mir, den meinen und meinen Tieren.

Jeder Laborhund (ich meine jedes LaborTIER, beschränke mich aber hier auf die Hunde), das dies ohne lethale Folgen übersteht, hat es verdient, die Zeit nach dem Labor in einer liebevollen, hundegerechten Umgebung zu verbringen.

Jeder von uns gerät irgendwann und in irgendeiner Form mit der medizinischen Forschung in Kontakt – ob man nun selbst den Errungenschaften bedarf, oder es einen Angehörigen betrifft. Was glauben wir denn, wie all diese Resultate zustande
kommen?

Es sind unter anderem die Beagle, die für uns Menschen im Wortsinn den Kopf
hinhalten. Die überwiegende Anzahl dieser Beagle wird im Dienst der Wissenschaft
sterben, und zwar namenlos, und ohne jemals auf irgendjemandes Sofa geschnarcht
zu haben.

Ich bin wegen einer chronischen Erkrankung auf eine Anzahl Medikamente angewiesen. Ohne diese wäre meine Lebensqualität stark eingeschränkt. Die Medikamente wurden auch in den Labors entwickelt und Testreihen unterzogen, aus denen unsere Hunde kommen. Indem ich den Laborhunden helfe, ihr 2. Leben zu beginnen, kann ich eine sehr kleinen Teil zurückgeben.

 

Es geht nicht darum, Versuche an Tieren rundweg zu verdammen und mit einem Schlag abzuschaffen, das wäre völlig realitätsfern und ist eben nicht möglich. Es geht darum, den Tieren, die eine Chance auf ein Leben nach dem Labor haben, dieses auch zu ermöglichen.

Und wenn sich kein Übernehmer und auch keine Pflegestelle findet, bleiben die Hunde im Labor und werden der nächsten Testreihe zugeführt, dann ist die Gelegenheit vertan.

Deshalb mache ich mich mit vier Hunde an drei Leinen auch mal komplett zum Affen, und soll ich was sagen: ich steh dazu.

 

Wahrscheinlich gibt es viele Dinge, die genauso wertvoll oder womöglich noch wichtiger sind, um sich dafür einzusetzen, aber ich habe mir nun mal dieses Feld zum Beackern gewählt, weil man das am besten kann, was man liebt. Aber ich wünsche mir, die Laborbeagle hätten eine größere Lobby.



Diese Begründung…. hätte ich meiner Nachbarin auf die Schnelle sowieso nicht
verklickern können.

 

 

* i.d.R. – Straftatbestände, ärztliche Behandlungen und die üblichen alltäglichen
Zwänge sind nicht berücksichtigt!

**Tierversuche für Kosmetikprodukte sind immerhin in Deutschland verboten.