...die Eder-Beagle(s)
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Buddy & die Odyssee mit dem Kreuzbandriss

Buddy ist unsere 6jährige Beaglehündin, wir haben sie mit 9 Wochen bekommen, sie ist kein Laborhund, nicht mal ein LBH-Hund.

 

Am 17.12.2015 stolperte Buddy beim Toben in ein Loch, jaulte auf, und lief fortan nur noch seeehr langsam und auf drei Beinen.

Diagnose am 18.12.: Kreuzbandriß. Am 21.12., rechtzeitig zu Weihnachten, wurde Buddy operiert, mit Meniskusausschabung und allem Drum und Dran :-(

Bestens ausgestattet mit massig Rimadyl, Antibiose, Halskragen und einem guten Plan, wie das hintere linke Bein wann wieder zu belasten sei, holte ich sei mittags wieder in der Klinik ab.

Wir hielten uns streng dran, obwohl es grauenhaft ist, wenn man vier Hunde hat, von denen einer plötzlich rund um die Uhr an der zwei-Meter-Leine hängt und permanent unzufrieden ist.

Ich war zwar nicht gerade happy, aber nachdem unsere andere Beagledame Georgia letzten Sommer nach einem Kreuzbandriss (!) sehr gut wieder laufen kann (OP ging nicht wegen einiger anderer Malaisen, sie wurde mit einer Orthese behandelt, war top), ginger wir erstmal nicht vom schwärzesten Diorama aus.....Kreuzbänder beim Hund gehen nicht wie Kreuzbänder beim Menschen "ad hoc" kaputt, bei Hunden ist es meist ein schleichender Prozess, wie ein dickes Seil, dass sich nach zig kleinen Defekten langsam auffasert, bis es dann eben irgendwann reißt.

Denkste - es ging schief, was nur schiefgehen konnte.

 

Mitte Januar machte die Tierärztin erstmals ein besorgtes Gesicht, als Buddy immer noch nicht mit dem operierten Bein auftreten wollte. Buddy hatte sich bestens mit den drei Beinen arrangiert und dachte nicht daran, das Knie zu beugen. Es bilden sich nacheinander zwei Serome am Hinterlauf, Buddy sieht aus, als wachse ihm ein Ei aus dem Bein. Wundwasser sammelt sich und bildet Taschen. Dagegen gibt es Antibiotika.

Ende Januar war die Naht über der Wunde endlich verheilt und die Beulen unter der Haut weg, und wir begannen mit dem Training auf dem Unterwasserlaufband. Hund bekommt da von der Hundephysiofrau drei Chancen: will er sich dann in dem Becken immer noch nicht bewegen, hat es keinen Sinn, sagt man.

Buddy setzte in der letzten Trainingsminute der 3. Sitzung zum ersten Mal die Pfote selber auf. Zweimal wöchentlich also ab ins Wasser, alles gut, Hund läuft - wackelig und langsam, aber "von selber".

Guter Dinge dehnen wir die Gassirunden vorsichtig aus.

 

An einem Sonntag Mitte Februar erscheint in der Naht ein kleiner Knubbel, offenbar ein Unterhautfaden, der sich nach oben schob. Bei der nächsten Tierarztkontrolle besteht keine Besorgnis, das Fädchen wird abgezuppelt, und gut ist.

Dachten wir so. Das kleine Löchlein nimmt Buddy am folgenden Tag zum Anlass, sich die OP-Stelle mal genauer anzusehen. Als ich meinen Hund nach einem Arztbesuch mit einem der Menschen wieder sehe, hat er sich einen fünf Zentimeter langen, einen Zentimeter tiefen Krater geleckt, ganz sauber, aber sehr gruselig.

 

Ab diesem Zeitpunkt sind wir alle drei Tage beim Tierarzt. Schmerzmittel werden wieder hochgefahren, der Halskragen wird zum dauerhaften Accessoire :-(

Wir nehmen alles an Ratschlägen und Hausmitteln und Tipps an, was das Internet und die Erfahrung und die Freunde hergeben. Das Laufen auf dem Bein stellt Buddy natürlich unverzüglich ein.

Die Wunde heilt nicht, suppt, nässt. Dann heilt es ein bisschen. Und geht wieder auf.

Das Labor stellt schließlich einen Keim fest, Staphylokokken, ein MRSA. Auf die Antibiose folgt  - eine Antibiose. Antibiotika (Amoxicillin) stehen wieder auf dem Medi-Plan.

 

Am 15. März geht Buddy im Schritt über eine Wiese, knickt plötzlich weg, jault kurz - und hebt den rechten hinteren Lauf an....Ich beruhige mich nur mühsam. Wir eiern irgendwie nachhause. Tierarzt. Anderes Kreuzband angerissen, hängt aber noch an drei, vier Fasern. Reißt wohl beim nächsten Fehltritt dann ganz.

In 80 % aller Fälle reißt irgendwann auch das andere Kreuzband.

 

Der Plan: erst muss das linke Bein geheilt sein, dann machen wir uns Gedanken um das rechte. Das oberste Ziel ist momentan, den Keim aus dem Körper zu kriegen.

Buddy geht es nicht gut.

Sie hat zwar faktisch zwei Kilo abgenommen seit der OP (Ziel sind 16/17 kg zur Erhaltung der Gelenke), lagert jetzt aber massiv Wasser ein. Die Tierarztwaage zeigt als Spitzenwert am 17.03. 19,9 kg, mehr denn je.

Als es in der vierten Märzwoche so aussieht, als ob sich auf der Wunde neue Haut bildet (von Fell träume ich dann nächstes Jahr mal, ist morgens auf einmal eine neue Wunde da, oben am Knie, genau über dem Implantat, so groß wie ein 10-Cent-Stück, einfach über Nacht, trotz permanent getragenem Trichter auf dem Buddykopf. Der Hund fällt auseinander, er platzt einfach auf :-(

Darauf folgt kurz vor Ostern noch eine Antibiose, noch etwas anderes (Lincomycin-hcl)dazu,  und noch ein Antibiogramm.

Nach dessen Ergebnis, das mir die Tierärztin am Samstagmorgen mitteilt (noch alles das selbe, nichts hat sich verringert) rase ich letzten Samstag im Spätdienst zur Tierarztpraxis, um das für Buddy Weigel bereitliegende neue Antibiotikum (Chloramphenicolpalmitat) abzuholen - ein Medikament, das normalerweise bei Dingen wie Malaria eingesetzt wird, wenn nix sonst mehr geht, ein Mittel der "zweiten Wahl", wie man sagt. Für uns ist es leider auch das Mittel der letzten Wahl, denn wenn das nicht funzt, dann gibt es nichts mehr, außer der neuen OP.

 

Die Tierärztin sagt, nach an die hundert OP's sei es ihr erst einmal vorgekommen, dass das Implantat wieder entnommen werden musste. Normalerweise sei das Verfahren (Tight Rope) minimalinvasiv und auch das verträglichste, Abstoßungen bzw. Unverträglichkeiten sind quasi verschwindend selten.  Die Reaktion des Hundes sei so ähnlich gewesen wie bei Buddy, der andere Hund hatte das Ersatzband ein Jahr. Nach dem Rausnehmen sei das Bein dann zügig geheilt.

Wenn die beiden offenen Stellen sich bis Freitag nicht deutlich zum Besseren verändert haben, das Antiobiotikum also nicht endlich seinen Job macht,  wird der Bandersatz nächste Woche wieder rausgefummelt. Dann soll das mittlerweile nachgebildete Gewebe das Knie zusammenhalten. Arthrosen sind ohnehin vorprogrammiert.

 

Das ist mir aber gerade egal, ich habe ein anderes Problem:  Wenn das Bein aufgemacht wird, wird sich entscheiden, ob Buddy in der Narkose bleibt. Ich habe nicht Angst vor entzündeten Gelenken (die hab ich übrigens selber ;-)), sondern davor, dass mein Hund, den ich als Welpe an einem Septembergewitterabend in mein Obhut genommen habe und den ich vor jedem Unheil schützen wollte, an dieser Drecks-MRSA-Infektion stirbt, und zwar, nachdem er mehr als drei Monate Schmerzen und Leid und Langeweile hatte.

Seit Wochen kreise ich nur um Buddys Knie.

Ich habe den Hund permanent im Auge. Wenn ich je wieder einen Hund mit Halskragen sehe, kriege ich garantiert einen Schreikrampf. Viel Zeit verbringen wir beim Tierarzt oder mit den Fahrten dorthin, wir wohnen halt etwas weitab vom Schuss.

Im Word Wide Web habe ich nur im Polar Chat und im Molosserforum zwei ähnliche Horror-Odysseen gefunden, beide zogen sich auch über Monate hin.

Wie kann aus einer Routine-OP nur so ein Schlamassel entstehen.....

 

Wisst ihr, was hier das Allerschlimmste ist?

Jedesmal, wenn ich meine knuddelige Buddy anschaue und das, was sie gerade durchmacht, denke ich an die vielen, vielen Hunde, die dafür herhalten mussten, dass es meinem Hund irgendwie wieder besser geht.

Wie vielen Hunden sind die Knie auseinandergenommen worden, um das zu testen? Haben Fieber haben müssen und Ödeme und Wundinfektionen und Übelkeit und Magenweh, um blöde Einzeller zu besiegen?

Und das am Ende noch ohne Erfolg, und wohl auch ohne Menschen, die ihre weichen Ohren streicheln und ihr um jeden Preis helfen wollen, Mut zusprechen, trösten, wärmen und das Elend wenigstens ein bisschen lindern könnten.

 

09.04.2016: Das Antibiotikum scheint anzuschlagen, die Wunden schließen sich, Haut wächst drüber, bis auf eine stecknadelkopfgroße Stelle ist alles dicht. Allerdings ist Buddy ohne seinen Trichter nicht davon abzuhalten, am Knie rumzunagen.

 

11.04.2016: nur eben mit Tochter beim Arzt. Beim Wegfahren war Buddys Bein in Ordnung. Als ich nachhause komme, ist alles naß und sumpfig. Trotz Trichter. Was passiert ist, weiß ich auch nicht, jedenfalls sitzt auf dem Knie eine fette, rote, eitrige Stelle. Auftreten geht auch nicht mehr, außerdem ist Buddy fiebrig.

 

12.04.2016: sobald jemand in der Praxis war, Tierärztin angerufen. Sie entscheidet sofort, Implantat kommt raus, morgen früh halb neun ist die OP.

Aus der Wunde, die direkt über dem implantierten Button, der das Band fixiert, sitzt, läuft es wie aus einem aufgedrehten Hahn. Buddy ist elend, frisst nicht, trinkt nicht, jammert leise. Mir geht es eigentlich nur noch darum, dass mein Hund überlebt.

 

 

 

 

 

 

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Buddy hatte mit 9 Monaten eine Vergiftung, sie hat bei einem unerlaubten Ausflug im Wald offenbar Rattengift aufgenommen. Das war auch im April, vor 5 Jahren. Niemals werde ich vergessen, wie mein kleiner Beagle beim Tierarzt am Vitamin-K-Tropf hing, das Hundeköpfchen auf die Hundebrust fiel und Buddy völlig erschöpft einschlief. Die Tierärztin berichtete von Medikamentenstudien, und so kamen wir zur LBH.

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