...die Eder-Beagle(s)
...die Eder-Beagle(s)

Rico

......ist ein vierjähriger (wir sind der Ansicht, er ist jünger! Wer weiß, ob die Daten alle so stimmen)  kastrierter Rüde, der in Spanien geboren wurde.

Den ersten Teil seiner Geschichte habe ich unter "Scheidungswaisen" lang und breit erzählt.....und jetzt kommen wir mal zu dem neuen Teil!

 


Leider entschied sich Ricos Familie nach 4
Monaten also, sich scheiden zu lassen. Deshalb
musste Rico wieder ausziehen. Ob sich das
Paar allerdings voneinander scheiden lässt
oder einfach dieFamilie sich von Rico zu
scheiden entschlossen hat (nachdem ich
die ersten Tage mit Rico verbringen konnte,
tendiere ich zu letzterem!), werden wir
wohl nie erfahren.

Ich will mal mit den positiven Dingen anfangen:
- er hört sehr gut auf seinen Namen und kommt, wenn man ihn ruft.
- er ist sehr leicht zu motivieren: für Essen tut er alles.
- er kann 1 A Treppen laufen, hoch und runter.
- er ist völlig stubenrein,meldet sich, wenn er raus muss und markiert nicht im Haus.
- Autofahren: siehe oben!
- er verträgt sich prima mit unseren beiden Hündinnen
- er ist nicht ängstlich oder schreckhaft.

Es gibt aber auch ein paar Dinge, die nicht so positiv sind. Rico wiegt knapp 11 kg bei 39 cm Schulterhöhe. Er hat seit seiner Ankunft bei uns starken Durchfall, den wir nur allmählich in den Griff bekommen.
Er hatte ungeheuer lange Krallen, mit den scharfen Wolfskrallen fügte er sich selbst Kratzer zu. Nach und nach haben wir erstmal die Krallen gekürzt (er wehrt sich aber mit allem, was er hat).
Er spielt nicht (und ist damit sicher nicht der Hit für die Kindergartenkids in der Familie gewesen), Bälle, Stöcke und Spielzeug lassen ihn völlig kalt.
Als wir ihm zum ersten Mal die Leine ans Geschirr klickten, wurschtelte er sich in nullkommanix aus dem Geschirr raus und raste von dannen.
Am nächsten Tag, neuer Versuch mit LBH-Geschirr und Halsband und allem, raste er völlig chaotisch an der Leine herum - Ziel irgendwie nach vorne, aber im Zickzack, schnuppern wollte er gar nicht (was unsere beiden anderen Beagle völlig unverständlich fanden!).
Er klaut alles Essbare, dessen er habhaft werden kann - auch
vom Teller. Und er bettelt sehr. Also mussten bei uns vorübergehend neue
Tischsitten her. Öffnet jemand den Kühlschrank, steht Rico schon davor - den kennt er offensichtlich.
In der Wohnung rennt er ständig hin und her - sobald sich ein Mensch oder Hund rührt, schießt Rico wieder los. Er scheint sehr große Trennungsangst zu haben.
Er ist so hektisch, dass ich ihn, bevor es zum Beispiel ans Krallenschneiden geht, erstmal in die Arme nehme und einfach nur ganz still festhalte. Er wird dadurch für eine Zeitlang ruhiger. Seit gestern gebe ich ihm Bachblüten, ich meine, es wird langsam etwas besser.

Rico, der Hübsche, tut mir leid. Er braucht noch eine Weile, bis er angekommen ist.

 


Ein bisschen weiter gekommen sind wir zum Glück schon, Rico hat schon ein paar wichtige Fortschritte gemacht. 
Zum Beispiel hat er einen enormen Gefallen am Spaziergehen gefunden! Wenn ich jetzt mit dem Geschirr um die Ecke komme, freut er sich richtig  
Tagsüber gehen wir die großen Runden "alle zusammen", und abends machen Rico & ich noch eine kleine Runde zum Üben. Das Zickzack-Leinengewusel hat schon ziemlich nachgelassen, und er zieht auch nicht mehr so schlimm. 
Er orientiert sich gut an mir und guckt sich ansonsten ab, was die beiden anderen machen. Und die geschnittenen Krallen laufen sich schön in Form!
Allerdings macht mir sein Gesundheitszustand ein wenig Sorgen, ich denke, die Aufregung über den Umzug sollte sich langsam mal gelegt haben. Morgen vormittag begeben wir uns deshalb mal (mit Kotprobe ) zum Tierarzt.


Rico musste also gestern zum Tierarzt. In erster Linie wegen der Darmprobleme, aber auch, weil in den paar Tagen, wo er jetzt bei uns ist, einige - wie soll ich sagen, Auffälligkeiten - zeigt. Ich bin nicht gerade überängstlich, aber ich denke, ich muss dann auch erkennen, wann der Zeitpunkt da ist, wo ich mit den üblichen Mitteln nicht mehr weiterkomme.
Es stellte sich dann bei der TÄ'in heraus, dass er eine Mischinfektion mit allen möglichen Würmern hat (aber zum Glück keine Parasiten wie Giardien, Kokzidien o.ä.). Dies werden wir mit einer sog. "langen" Wurmkur vermutlich endgültig in den Griff bekommen können.
Für seine Größe ist er zu leicht (was, logo, an dem Durchfall liegt, denn trotz großem Appetit kriegt er ja in dem Zustand nix auf die Rippen).Herz und Lunge sind top in Ordnung (ich machte mir Sorgen, weil er tagelang ständig, auch ohne große Wärme und Belastung, hechelte und kaum schlief). Augen und Ohren sind gesund. Seine Zähne sind ziemlich schlecht (teilweise abgebrochen, Zahnstein.....aber letzteres kriegen wir noch hin, ersteres kann laut Tierärztin so belassen werden).Sein Fell ist struppig, er hat einige kahle Stellen (das wird sich auch noch bessern, es scheint sich um eine Mangelerscheinung zu handeln - laut Tierärztin).Vielleicht hat er die Darmproblematik ja wirklich erst, seitdem er bei uns ist. Allerdings ging das Malheur gleich nach der Ankunft los, ohne Fressen.Den Kot meiner beiden "eigenen" Hunde hab ich (war Service von der Praxis) mituntersuchen lassen, die sind zum Glück nicht betroffen.
Mit der Wurmkur haben wir gleich angefangen, und seine "leckere" Diät aus Möhrensuppe (nach LBH-Rezept, versteht sich), Reis, Hühnchen, gekochtem Rindfleisch und Hüttenkäse (nein, nicht alles zusammen) darf Rico noch ein paar Tage fortsetzen..... es wird schon!
Rico ist übrigens ein vorbildlicher Patient gewesen, (im Wartezimmer verkroch er sich unter die Stühle, ich befürchtete das Schlimmste...) hat sich alles schön gefallen lassen und hielt bemerkenswert still! Und das, obwohl er am Ende noch zwei megamäßig große Spritzen mit Aufpäppel-Präparat bekam. Auch die Tierärztin meint, er ist vermutlich jünger als vier Jahre. 
Aber ich denke, das Schwierigste ist schon überstanden. Es macht Freude, zuzusehen, wie er sich jeden Tag ein bisschen besser zurechtfindet und dazulernt....und ich auch....ich bin froh, dass die totale Verwirrtheit, die ihm die erste Zeit wirklich ins Gesicht geschrieben war, jetzt allmählich nachlässt. Mittlerweile schmust er auch mit uns, er kommt und stupst uns an, damit er gestreichelt wird. Spielen will er bislang nur mit der Buddy, das ist aber mehr "Raufen" und "Fangen" Spiele. Aber das ist ja immerhin auch eine Art des Spielens.
Doch doch, das wird schon!

 

                                          Sonntag, 10.07.2011

     Es gibt drei Dinge, die Rico offenbar über alles

     mag:

     - spazierengehen

     - durchs hohe Gras springen (wie die Mo!!)

     - Pferde! Rico ist ganz verrückt nach Pferden.

 

      Sobald er eins sieht, geht er vorsichtig hin und begrüßt es mit einem zarten Nasenstupser. Dabei bewegt er sich äußerst geschickt unter den Elektrozäunen hindurch! Anhand der Art, wie er sich den großen Tieren nähert und neben ihnen her geht, vermute ich, dass er schon mit Pferden zu tun hatte und offensichtlich keine schlechten Erfahrungen damit gemacht hat (im Gegensatz zu mir, übrigens!).

 

Wir haben, denke ich, in den letzten Tagen große Fortschritte gemacht. Die Verdauung ist offenbar endlich saniert, es gibt seit heute also keine leckeren selbstgekochten Menüs mehr.....

Rico zeigt sich sehr gelehrig: er hört sehr gut auf unsere Kommandos wie Komm, Hier, Zurück, Stop. Und vor allem akzeptiert und befolgt er das "Nein!".

Vicky bringt ihm gerade "sitz" bei.

Er klaut kein Essen mehr! Er liebt es, das Geschirr angelegt zu bekommen, ganz zu schweigen von der Leine! (was war das am Anfang für ein Trara....).

Er kuschelt und schmust, was das Zeug hält (zu Anfang wollte er nicht mal angefasst werden....!)

Und natürlich sichert er sich den besten Platz im Bett!

Er folgt mir auf Schritt und Tritt. Sitze ich an der Nähmaschine, legt er sich neben mich auf die Bank. Bügle ich, legt er sich unter das Bügelbrett. Sitze ich am PC, liegt er unterm Tisch im Körbchen.

Apropos Körbchen: ich freue mich, dass er im Hundebett schläft und nicht mehr auf dem Fußboden!

Gestern hat er seinen ersten Kalbsknochen bekommen. Ganz auffressen wollte er ihn nicht, aber 2/3 hat er geschafft! Gut für die Zähne. Hunde, die keine Kausachen nehmen, können einem schon leidtun....

Mal schauen, ob sich das Interesse einstellt, wenn der Zahnstein reduziert ist.

 

Womit Rico gar nicht klarkommt, sind laute Töne! Vicky musste den superaufdringlichen Labradorrüden aus der Nachbarschaft "in den Senkel stellen" und hob dazu kräftig die Stimme. Don war davon auch nicht mehr beeindruckt als vorher, aber Rico: versteckte sich hinter der Hausecke und lugte ganz vorsichtig um die Ecke. Danach näherte er sich Vicky eine Weile ganz geduckt.

 

Ricos Verhalten hat sich sehr gebessert.

Regelmäßige körperliche Auslastung (Spaziergänge, Toben mit Buddy im Garten) wirkt schon Wunder! Die ständige Unruhe hat nachgelassen! Abgesehen davon, dass er versucht, immer bei mir zu sein, läuft er nicht mehr planlos umher und macht auch nicht mehr so einen gestreßten Eindruck.

Verlasse ich aber das Haus (z.B. zum Einkaufen, oder - oh Graus - zum Arbeiten), weint er lange hinter mir her. Wobei er ja nicht alleine ist: Entweder ist Vicky oder Oma da, meist sogar beide; ganz abgesehen von Buddy und Georgie.

Er schläft jetzt mehr (wenn die anderen auch schlafen, macht er einfach mit) und bleibt auch eher an seinem Platz.

Zum Glück bellt er nicht mit, wenn Georgia loslegt! Allerdings gibt er deutlich Laut, wenn jemand in die Wohnung kommt. Sein "Laut" ist aber angenehm und ziemlich tief/gedämpft, nicht so plärrig wie Georgia.

 

Ein Problem scheint Rico mit größeren Rüden zu haben. Zu Hundejungs, die von den Körpermaßen her kleiner als er selbst sind, pflegt er hier ein freundlich-neutrales Verhältnis. Bei den ortsansässigen Schäferhund-, Labrador- und Boxerrüden sieht die Sache anders aus: Rico spielt sich auf, knurrt, pöbelt - so, dass ich befürchtete, der Ton wird noch aggressiver. Und das Weite suchte. Das fehlt mir ja noch: eine Beisserei mit nem Schäferhund!

 

Die erste Woche mit Rico war ganz schön anstrengend. Die erfahrenen Pflegemamas mögen bitte nicht allzu laut über mich lachen - aber Rico war bis jetzt meine größte Herausforderung, vor allem natürlich wegen der gesundheitlichen Aspekte.

 

Aber: Rico "dankt" es mir auch am meisten, mit seiner Gelehrigkeit, seiner Anhänglichkeit und seinem Gekuschel.

Bei ihm sieht man sehr schnelle Verbesserungen.

Und seine Clown-Qualitäten treten allmählich zu tage: morgens, nach dem Aufwachen, streckt er sich und robbt dabei gähnend durchs ganze Zimmer.  Mit Vicky fängt er langsam an zu spielen, sie zieht eine Plüschmaus hinter sich her, die Rico zu fangen versucht. Dabei tapst er mit seinen Pfoten nach der Maus, er sieht aus wie ein Welpe!

 

Im Grunde genommen ist Rico genau so, wie die Leute sich einen Beagle vorstellen und wahrscheinlich wünschen: er ist hübsch, flink, schlau, bewegt sich gern, entpuppt sich als Extremschmuser und frißt gern und viel! Er ist wirklich ganz liebenswert, und ich weiß schon jetzt, wie schwer es wieder wird, ihn herzugeben.....! Aber das ist noch ein bisschen hin, er braucht schon noch etwas Zeit.

 

Damit er nicht mehr in sein altes Hektik-Muster zurückfällt, bekommt er aber weiterhin Schüßler-Salze in sein Trinkwasser. Ein bisschen mehr "ankommen" schadet ja nicht!

Zunehmen muß er noch ein bisschen, und den Zahnstein, die brüchigen Krallen und das rauhe Fell werden wir auch noch verbessern!

 

Nachdem wir nun, nach 14 Tagen, aus dem "Gröbsten raus" sind,  erzählt Rico nun "selbst" weiter.....schaut bei "Rico's Story" !