...die Eder-Beagle(s)
...die Eder-Beagle(s)

Ein Hundegedicht

....in 13 Strophen. Quasi ein Fortsetzungsroman :-)

Frau Schmidt teilt mit

- voll Missvergnügen -

Sie müsse ihren Hund stets rügen.

Genervt ist sie: Es ist tagtäglich

mit dem Hunde unerträglich.

Häufen tun sich die Probleme

da er sich nicht gut benehme!

Zu Schmidtsens allergrößtem Graus

Lebt er so manche Unart aus.

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Vier Beine, dick wie kleine Säulen

Rennen könn'n die wie der Wind

Ohren hat er, zwei derselben,

Am breiten Kopf zu finden sind.

Die Lauscher sind meist out of order.

Frau Schmidt seufzt:

Hätt ich einen Border

Collie mir doch angeschafft!

Schmidts ist langsam schon zum Heulen:

"Er verweigert den Appell!"

Dickschädelig, stur und schwer erziehbar

Zum Haaren neigt das bunte Fell.

Der langen Liste kurzer Schluss:

Der Hund, so Schmidt,

Macht mir Verdruss!

Vom Wesen her sehr ungestüm

Entwickelt sich zum Ungetüm.

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Der Hund heißt Max.

Während er - zu Schmidts Entsetzen -

Beginnt, die Möbel zu zerfetzen

Gönnt Herrchen sich ein Tässchen Schnaps.

Nach einer Weile spricht er: Schatz,

Wir brauchen einen Hundetrainer

Ertragen kann das sonst ja keiner.

Die Gattin nickt: Training tut not!

Auslastung, Übung, nicht zu knapp!

Die Nerven machen langsam schlapp.

Doch so schnell geben Schmidts nicht auf:

Hundeschulen

gibt's zuhauf!

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Man möge, so der erste Lehrer,

Mal schildern, was dem Hunde fehlt.

Dem Hunde? Nichts! Es mangelt nur

An Schliff. An Ordnung. An Kontur.

Dies soll sich bessern, möglichst bald

So dass man an dem Hundekinde

Auch einmal ein Vergnügen finde.

Wie war das bisher? fragt der Fachmann

Die Schmidts setzen zur Litanei an:

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Den Rasen gräbt er gründlich um

Frau Schmidt: "das wird mir bald zu dumm!"

Allein zu Haus - das möcht' er nicht

Doch Frauchen muss zur Mittagsschicht....

Der Hund indes, er heult und jault

Sechs Nachbarn hat er schon vergrault.

Und überhaupt: zu viel Gebell!

Abhilfe, bitte, und zwar schnell!

Stubenreinheit? Wieso das?!

Schließlich ist die Wiese nass!

Und außerdem: bei diesem Wetter?

Da ist der Teppich doch viel netter...

Auch zieht er gräßlich an der Leine

Erziehung, scheint es, gibt's hier keine.

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In Forst und Feld

In Flur und Wald

gibt Max sich völlig durchgeknallt

Der Jäger macht Frau Schmidt zur Schne

Kuhfladen, Mist und Mauskadaver

Für "Hund" das schönste auf der Welt

Geruchlich eine Katastrophe

Schmidt's Beifall sich in Grenzen hält.

Und mit recht viel Begeisterung

wälzt Maxe sich im Pferdedung.

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Zu ihrem maximal'n Betrüben

Mag Max sich nicht damit begnügen

Im Hundekörbchen einzuchecken

Er möcht' ins Bett, unter die Decken!

Und gestern hätt' er ganz vermessen

Den Sonntagsbraten aufgefressen

Auch täte er mit viel Behagen

Des Nachbars Hasen ständig jagen

Das gleiche gilt für Omas Katz.

Was tun mit diesem frechen Fratz?

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Man fragt sich: was ist hier passiert?

Warum wird alles ignoriert

Was an bewährtem Regelwerk

Hundebesitzer kennen sollten

Falls sie mit Hund was lernen wollen!

Hunderte Bücher gibt es, nicht?

Ein paar sind daher leider Pflicht!

Lesen bildet. Fragen auch.

Frauchen/Herrchen muss erkennen,

der Weg ist lang, die Strecke schwer.

Einen Hund sein eigen nennen

Reicht nicht. Ein Pädagogik-Plan muss her!

Das Hündchen ist mitnichten schuld

Auch mangelt's hier nicht an Geduld

Das Zauberwort heißt "konsequent"

Dies haben Schmidts bislang verpennt.

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Wochenends sieht man zuweilen

Schmidts nun zu Probestunden eilen.

Leider traut sich keiner ran

an Max, den wilden Hundemann.

"Der braucht mal tüchtig auf die Glocke!"

sagt Lehrer 1, was Schmidt sehr stört.

Warum nicht froh und friedlich lernen,

wär das nicht die Sache wert?

Lehrer 2 legt wortlos auf, als man anruft, denn:

Mit Hunden von des Maxens Rasse

- das mache einfach keinen Sinn -

Er sich keinesfalls befasse.

Trainer 3 und 4 verzagen

auch schon gleich am Anbeginn.

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Nummer 5 soll's endlich richten.

Sie kommt ins Haus, die gute Frau.

Einzelstunden? Sonderkurse?

Max muss schlimm sein - ja, genau.

Am Anfang tut sich leider gar nichts

Sie schleichen lauernd um sich rum

hat es den Anschein. Doch, allmählich,

stellt sich raus: Die Frau hat Mumm!

Sie hält durch, ist unbeeindruckt

von Hundecharme und Hundeblick

Es gibt auch gar nicht so viel Süßes

Sie weist den Max sogar zurück!

Das nennt man Grenzen setzen, sagt sie.

Grenzen sind das A und O

Ohne Grenzen weiß der Hund nicht,

was er tun soll.

Frau Schmidt erbleicht. Ihr Mann sagt: "So!"

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Viele Wochen gehen dahin. Schmidtsens büffeln,

werden reifer. Auch Maxe lernt noch

Manches Ding. Irgendwann ist es zu Ende.

Verblüffung schlägt uns in den Bann:

Ah! Oh! Fantastisch! Sieh nur, Mann,

Was unser Max jetzt alles kann!

Schluss mit Chaos, Unmut, Streit

An einem Dienstag war's soweit.

Leben mit Hund? Doch nicht beschwerlich,

Ein Musterschüler erster Güte.

Der Hund ist für Schmidts unentbehrlich

Unerzogen? Gott behüte!

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Wochen später, es ist Sommer.

Der Gatte rackert im Büro,

Frau Schmidt kommt um vor Langeweile.

Sie motzt: Schatz, ich bin nicht froh.

Warum muss mit so viel Eile

Der Hund mutier'm zum Musterknaben

Man hat ja kaum noch was zu tun!

Ich denk, wir sollten überlegen

Ob man nicht einmal, - beizeiten! -

Einen Zweithund finden soll

Um dem Maxe - und auch uns -

Eine Freude zu bereiten.

"Schatz", sagt der Gatte,

"das wär toll!"

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Abends schläft der Max. Im Körbchen.

Pfoten zucken, Ohren wackeln,

ein Hundetraum hält ihn auf Trab.

Lächelnd und gerührten Blickes

schaun Schmidtsens auf das Tier hinab.

Steht bald ein zweiter Korb daneben?

Möglich wär's!

Das Happy End von dem Gedichte

kommt jetzt. Das Fazit lautet knapp:

Nicht nur der Hund benötigt Schulung,

der Mensch ist's, der die Macke hat.

Doch, vorgeschoben ist der Riegel!

Ab sofort läuft alles glatt.

Schmidtsens sind jetzt hundetauglich.

Und Max ist übrigens

....ein Beagle.

 

♥♥♥♥♥

©Marion Weigel 10/2014