...die Eder-Beagle(s)
...die Eder-Beagle(s)

Ein Leben

Ein Leben  

Warum wir das machen, wurde ich kürzlich gefragt, als ich mit meinem noch immer ängstlichen Pflegehund durchs Dorf ging.

Bitte? Warum wir (= Laborbeaglehilfe e.V.) „das“ machen? Na, weil wir uns dem Tierschutz zugewandt haben.

Nein nein, nicht die Laborbeagle, meint mein Gegenüber, die ja sowieso, das ist ja prima und ohnehin sonnenklar….für einen Laborbeaglehilfe-Verein!

Und – Überraschung - nee, auch die Anderen sind nicht gemeint, die Hunde aus Frankreich, Belgien, Ungarn, die Vermehrerhunde und die aus den Tötungsstationen. Sofern sie gesund und nicht völlig planlos sind (wie mein Pflegehund es offenbar ist, in den Augen meines Gesprächspartners).

 

Es geht um die (schon bei der Übernahme durch uns) erkrankten Hunde. 

Wieso wir denn Hunde ins Land holen, die physisch bereits so geschädigt sind, dass ihre Zeit in der Pflegestelle vermutlich nicht lange währen wird? Die außer einem (erheblichen) Kostenfaktor nichts „bringen“? Und wenn man das schon nicht vorher so genau weiß – warum wird „das“ dann trotzdem durchgezogen, bis an eine einigermaßen natürliche Lebens-Grenze? Sozusagen ein Verlustgeschäft von vorn bis hinten!

(Bei uns im Ort habe ich neuerdings einen Freund weniger.)

 

 Einige von uns arbeiten in Berufen, in denen man lernt, wie schnell es vorbei sein kann, mit dem Leben. Und wie schwierig es manchmal ist, das zu bewahren und zu beschützen, was man hat: nur eines nämlich.

Wenn das wegen der tragischen Umstände, unter denen Hunde wie zuletzt Epona und jetzt Donna leiden mussten, nicht mehr möglich ist (was man vorher nicht unbedingt wissen kann!) – dann ist das mindeste, was man tun kann, ihnen ein Lebensende in Würde zu ermöglichen.

Und in Geborgenheit.

Dann ist es eben so, dass die Kosten entstanden sind, um diesen einzelnen Hund aus dem Lärm und dem Stress und der nicht adäquaten (veterinärmedizinischen) Versorgung in diesem Tierheim eines anderen (hochentwickelten) europäischen Landes herauszuholen, damit er noch eine kurze, angenehme Zeit bei uns verbringen darf. Wer etwas wegnimmt, muss auch zurückgeben. Ich glaube, das reicht als „Grund“.

 

…und dann war da noch Sammy. Der hat bis zum letzten Moment warten müssen, dass er aus dem Labor darf. Sammy wurde schon vor seiner Entlassung als ängstlich und scheu beschrieben. Trotzdem fand er eine Familie, die ihn aufnahm.

Für eine Woche. Nach dieser einen Woche war Sammy immer noch ängstlich und scheu und erfüllte somit nicht die in ihn gesetzten, hochgestochenen Erwartungen. Von heute auf morgen musste Sammy ausziehen.

Nach einem weiteren kurzen Zwischenstopp, bei dem die Bedürfniserfüllung nicht wie erwartet funktionierte, ist Sammy mittlerweile in einer verständnisvollen Pflegefamilie angekommen, und wahrscheinlich fängt er allmählich an, die Welt wieder zu verstehen.

 

Ehrlich: möchte man die Menschen nicht packen und schütteln, bis alles wieder im Lot ist?!

Warum gibt man so schnell auf? Am besten schon, bevor der Hund überhaupt in Sicherheit ist! An anderer Stelle haben wir geschrieben: wir können nicht alle retten. Das stimmt auch, leider, auch wenn es eine wenig romantische Vorstellung ist. 

 

Für uns Menschen geht es sicher um viele wichtige Dinge, für den Hund aber geht es um sein Leben. Und er kann noch nicht mal auf Hundeart darum kämpfen, weil er irgendwo festgehalten wird; das müssen Menschen für ihn tun.

 

Seht euch Donna / Donalde an, wie sie genießt, was ihr gerade Schönes widerfährt. Wie sie sich auf dem Sofa räkelt und hin und weg ist, wenn sie gestreichelt wird. Wer hätte sie in Frankreich denn umsorgt und geliebt? Donna hat eine Tumorerkrankung, die ein Happy End ausschließt. Es kann aber, wie bei Epona, trotzdem ein gutes Ende sein. Wie wäre Donnas Lebensende im französischen Tierheim gewesen? Wie lange hätte Brownie noch bei dem Vermehrer durchgehalten? Oder Bibi in der Tötungsstation? Oder.....?

Wir wissen es natürlich nicht.

Wir wünschen uns von Herzen, dass Donna noch viel Zeit hat. Ihr Leben hat sich sicherlich verbessert, auch wenn es *nur* ein Leben ist. Stellen Sie sich vor, es wäre Ihres! Es lohnt sich. Immer.

 

Donna ist wenige Tage nach Fertigstellung dieses Textes Ende April, umsorgt von ihrer Pflegefamilie, gestorben. Ihre Erkrankung war schon zu weit fortgeschritten.

 

Für Sadie (22.11.2011-23.08.2013).