...die Eder-Beagle(s)
...die Eder-Beagle(s)

Hunde - eine ökonomische Betrachtung

Hundebesitzer haben offensichtlich mehr Geld, als zum Überleben notwendig ist. Warum sonst füttern sie ein gefräßiges Wesen durch, was außer Dreck und Scherereien NICHTS macht? Okay, vielleicht bewacht der Hund das eine oder andere, oder beschützt jemanden oder etwas. Aber eigentlich – BRAUCHEN tut man ihn doch nicht??

 

Hundebesitzer haben auch mehr Zeit, als ein normal erwerbstätiger Mensch mit einem oder mehreren Kindern eigentlich haben dürfte. Genügt es nicht, die eigenen Hobbys und Macken zu hätscheln? Die Kinder von A nach B und wieder zurück zu karren? Muss man dann noch einen Hund haben, der wiederum in Schulen, Kurse, Beschäftigungen gefahren werden muss?

 

Handelt es sich bei dem Hundebesitzer um eine Frau, denkt JEDER zuerst: Hat die denn nichts Besseres zu tun? Wie mag es bei denen daheim aussehen?! Alles dreckig und voller Hundehaare, die Kinder bestimmt völlig verwahrlost, und es gibt nur Essen aus der Dose. Zwei Meter Hundeliteratur und alle Snoopy-Comics , nebst einschlägiger Hundemagazine jahrgangsweise, im Regal, aber keinen vernünftigen Ratgeber über Kindererziehung! Wahrscheinlich die Kläffer regelmäßig von A bis Z durchchecken lassen, aber den vernachlässigten Kindern die Zahnspange nicht bezahlen können! 

Besitzer mehrerer Hunde …

 

… geben Anlass zu noch größerer Besorgnis und potenzieren jedes Verdachtsmoment, dem Hundebesitzer könne in mehrfacher Hinsicht der gesunde Menschenverstand umnebelt sein, um ein Vielfaches. 

Nehmen wir, zum Beispiel, die Wohnung meiner Mutter. Wie geleckt! Immer! Trotz Hund und Katze. 

Okay, Mutter ist den ganzen Tag zu Hause und hat auch keine Schmutz-in-der-Wohnung-fördernden Hobbys. So stiefelt sie mitnichten bei Schietwetter durch Wald und Feld, schon gar nicht in Hundebegleitung, und schon gleich überhaupt gar nicht in mehrfacher.

 

Meine Mutter hat zudem, gesellschaftskonform, nur einen Hund, der ohnehin nicht durch Mißverhalten auffällt. Er nennt ein nicht haarendes Fell sein Eigen und würde auf seiner Gassirunde eher irgendwo festwachsen, als freiwillig eine Matschpfütze zu durchqueren. 

Der Hund meiner Mutter ist kein Beagle.

 

Natürlich mag auch das erfolgreiche Absolvieren einer Hauswirtschaftsschule in den 1950er Jahren das Seine dazu beigetragen haben, dass man sich für die behagliche Behausung meiner Mom niemals schämen muss und Besucher zu jeder Tages- und Nachtzeit entspannt willkommen geheißen werden können. 

Begeben wir uns nun eine Etage weiter nach oben. Betreten wir meine Wohnung. 

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Dass hier mehrere Hunde ihr Domizil haben, lässt sich nicht verbergen, auch beim besten Willen nicht. Nicht nur, dass Spielzeuge (in unterschiedlichen Graden der Zerstörung) außerhalb der dafür vorgesehenen Box überall zu finden sind, auch der eine halbe Sintflut fassende Wassernapf nebst ständiger Pfützenlandschaft drumherum spricht Bände.

 

Öffnet man unversehens den Tiefkühlschrank, findet man neben einer marginalen Menge Pizza und Eis (für die Kinder, zur gefälligen Abwechslung von den Dosen-Ravioli ;-)) vor allem: Fleisch. 

In rauen Mengen! Und das, obwohl der Gemüsegarten vorm Haus auf eine fast vegetarische Provenienz schließen ließ. Das Fleisch (und andere Erzeugnisse, für die vermutlich gleich mehrere Paarhufer ihr Leben lassen mussten) dient nämlich der Ernährung der zahlreichen Hunde.

 

Wieso hält sich eine vielbeschäftigte, berufstätige Frau mit wachsender Begeisterung stundenlang damit auf, die adäquate Ernährung ihrer Vierbeiner durch ausgeklügelte Ernährungspläne, die vor allem rohes Fleisch enthalten, zu gewährleisten? Wäre es nicht sinnvoller, den gefräßigen Vierbeinen eine Dose zu öffnen und die wiedergewonnenen zeitlichen Ressourcen in die angemessene Ernährung des halbwüchsigen Kindes zu investieren? Das bedauernswerte Kind kriegt wahrscheinlich die Pizza! 

Der Garten? Ist das Hobby meiner Mutter.

 

Halten wir in dem Hundedomizil mal die Nase in die Luft. Müffelt es? Nach Hunde-Hinterlassenschaften? Nein? Wahrscheinlich rechtzeitig zum Besuch panisch durchgewischt, mit 70prozentiger Essigessenz-Lösung oder gleich Sagrotan pur. 

Aber die Fenster! Offenbar lagern die hinterlistigen Vielfraße auf den Fensterbänken und erschrecken die Passanten mit ihrem Gekläffe zu Tode, oder wie sonst kann es angehen, dass an den Fenstern zur Straße unzählige Abdrücke von Hundenasen zu finden sind?

 

Und dann das Ambiente! 

Oder eher das nicht vorhandene. Keine Teppiche, aha. Wahrscheinlich haben selbige der Pipi-Flut der unerzogenen Hundetruppe nicht standhalten können.

 Das Verhältnis von Hundeschlafgelegenheiten scheint im umgekehrt proportionalen Verhältnis zu den Sitzmöbeln für Menschen zu stehen. Davon sind die meisten ohnehin durch aufgelegte Decken verunziert. Von denen einige ganz schön abgeliebt aussehen. Kann das Hunderudel nicht auf dem Fußboden wohnen? Oder besser gleich in einem Zwinger (den es nicht gibt – wahrscheinlich auf hartnäckiges Betreiben der bedauernswerten Nachbarn!).

 

Hundehaare findet man nicht im Übermaß…hm. Wahrscheinlich ein halbes Monatsgehalt in einen vernünftigen Staubsauger investiert, na also, es geht doch! 

Kaum Grünpflanzen. Vermutlich den nimmersatten Beagletieren zum Opfer gefallen. Wenig sinnloses Deko-ChiChi. Wahrscheinlich den chronisch unterbeschäftigten Beagletieren zum Opfer gefallen. Essen steht auch nicht herum. Na, wer lässt auch rohes Fleisch rumstehen! 

Überhaupt: unordentlich ist es nicht, im Gegenteil. Ein Indiz für Tatortbereinigung vermutlich – irgendwo in dieser Wohnung gibt es todsicher einen großen Schrank, wo alle zerfetzten Schuhe etc. schnell hineingestopft werden, sobald Besucher auf der Matte stehen.

 

Wenn Sie übrigens neben ihrem suspekten Hang zur Mehrhundehaltung außerdem noch berufstätig sind, machen Sie sich gleich vielfach verdächtig. 

Eine, die den Hals nicht voll kriegen kann, die auf jeder Hochzeit tanzen will, ein menschliches Perpetuum Mobile! Hyperaktiv jeden Trend mitmachen wollend (vor allem den Trend zum Hund/Zweithund/Dritthund!) und karrieregeil. 

Sicher sind die Hunde dann den ganzen Tag sich selbst überlassen und machen stundenlang Unsinn, wenn sie nicht gerade vor Trauer den halben Ort zusammenjaulen – wobei wir auch wieder bei den Fenstern mit den Nasenspuren wären…..

 

Man sieht es ja schon an der Kleidung: alles Outdoor. Auf jeder zweiten Klamotte irgendein Hunde-Logo, immer gedeckte Farben, pfotenabdruckresistente Materialien, gerne wetterfest und mit tausenden von Taschen. Diese bekennenden Anhänger der Gummistiefel-und Wachsjacken-Fraktion werden wahrscheinlich eh nie zum Essen eingeladen oder zu sozialkontaktfähigen Dingen, die normale Menschen halt gerne so tun. Und wenn, muss der/die Hund(e) mit, womit die erste dann mutmaßlich auch die letzte Einladung sein wird! Die Events des Jahres sind wohl eher Hunde-Treffen mit einem Haufen ähnlich fehlgeleiteter Gleichgesinnter, mitten im Nirgendwo und bei miesem Wetter. Da kann Kultur, einem Erwachsenen angemessene (weil gängigere) Veranstaltungen und womöglich sogar gesellschaftsfähiges Niveau durchaus einmal hintenanstehen! 

Oder besprechen wir doch einmal das Konsumverhalten von Hundebesitzern. Hunde brauchen eine Leine, ein Halsband, eine Steuermarke.Und Kackbeutel.Fertig? Mitnichten! 

Es hat nämlich den Anschein, als brauchten Hunde über das Notwendige hinaus eine Unzahl von Gegenständen, bis der einzelne Hund gut und gern das Equipment eines florierenden Zoos besitzt und das Bruttosozialprodukt eines Kleinstaates für sich veranschlagt.

 

Hund benötigt: 17 verschiedene Leinen, Halsbänder und Geschirre sowie den passenden Hundeleinenhalter (als weiteres Objekt einer hundeorientierten Wohngemeinschaft). Er braucht Kotbeutelverstau-Täschchen, Hundemarken-Täschchen, Leckerlie-Täschchen. Mindestens zwei Mäntelchen, eins für Regen, eins für Kälte. Kühlkisschen und Kirschkernsäckchen. Pfotenschuhe. Näpfe, mindestens zwei, wenn nicht drei (Wasser, Trockenfutter, Nassfutter). Diätfutter. Hundeleckerlies in mannigfaltiger Auswahl und je nach speziellem Gusto. Manch ein Hund benötigt sogar Kleidung. Ein Hundebett, besser mehrere – siehe oben! Spielzeug, Transportboxen, Autosicherung, Autoaufkleber mit meist nur mäßig originellen Hundenamen, Fahrradanhänger, Salben, Nahrungsergänzung, allerlei Mittelchen. Im Falle eines Falles einen guten Tierarzt, einen Ernährungsberater, einen Tierheilkundler, einen Tierphysiotherapeuten, einen Hundesitter, einen Dog Walker, eine Hundepension. Spiel- und Raufgefährten. Spezielle Urlaubsorte. ….Urlaub? Sie werden doch nicht mit ihrem bellenden, gefräßigen Hundetrupp irgendwo anders als bei Ihnen zu Hause aufhalten wollen? Damit dort, an schönen Orten mit unbescholtenen Gastgebern, das ganze Theater auch da seinen Lauf nimmt?

 

„Es gibt Tage, die aus einer bloßen Aneinanderreihung schlichter Alltagsbanalitäten bestehen, zu ereignislos, um sich an sie zu erinnern" – diesen Satz lese ich bei meiner Lieblingsschriftstellerin Nele Neuhaus („Böser Wolf").

 

Also, SOWAS ham wa hier nich. 

WIR haben Hunde, Beagles. UND sind Mitglied (aktiv!) bei der Laborbeaglehilfe.

 

Dies und „Alltag", gar „Banalität" schließen einander aus. 

In diesem Sinne – lassen Sie sich JA nicht den Spaß an Ihren Hunden verderben :-)

 

copyright: Marion Weigel, September 2014