...die Eder-Beagle(s)
...die Eder-Beagle(s)

Ein sehr schöner, sehr heißer Sommertag neigt sich seinem Ende zu. Allmählich versinkt die Sonne, und drei Beagle & ich drehen, nach des Tages Hitze, eine ausgiebige Runde am Ufer der Eder entlang. 

 

Es ist ein Fest für die Sinne: sonnendurchwärmte Steine und kühles, grünes Gras: es duftet nach Heu und dem gerade abgeernteten Weizenfeld, dessen warmes Korn die Bauern nebenan auf einem niedrigen Wagen lagern.

Am Wegesrand wachsen süße Himbeeren, und die Kirschen fallem einem von den Bäumen fast in den Mund.

Die Eder plätschert als Hintergrundmusik vor sich hin. Eine leise Abendbrise frischt auf. Drei Beagle schnuffeln und schnuppen, was das Zeug hält. Ab und an verschwindet einer im hohen Ufergras, taucht aber baldigst wieder auf, um den Anschluss an die beiden anderen nicht zu verlieren.

Es ist ein TRAUM von einem Spaziergang!

Abwechselnd futtere ich Kirschen und Himbeeren, und Buddy bringt mir einen Fisch.


----------------------------------------FISCH ?------------------------------------------------


(Wäre dies ein Film, würde die Musik jetzt mit so einem kreischenden Missklang abreißen).

"Buddy, woher hast du denn die Forelle?" (ich weiß eigentlich schon, dass man nicht in ganzen Sätzen mit seinem Hund reden muss.)

Buddy rückt das Flossentier erstmal nicht raus. Es ist von recht ordentlicher Statur, finde ich, und - ausgenommen.

Gibt es bei uns in der Eder küchenfertigen Fisch? überlege ich.

Rico erscheint, mit einem breiten Hundegrinsen im Gesicht, und versucht Buddy den Fisch abzuluchsen.

(Georgia tut indes so, als hätte sie mit der Sache nichts zu tun, und schnuppert an einem Mauseloch).

Mein Blick wandert dahin, wo Buddy herkam: aus dem Schildstreifen. Außerd dem Schilf ist da bei genauerem Hinsehen noch ein Hut zu erkennen, der sitzt auf einem Kopf, und der Hut ist so eine Anglermütze, und der Kopf gehört zu einem Angler.

Mir schwant Böses.

Ich erwäge kurz, in Georgias Mauseloch zu verschwinden, besinne mich aber letztlich meiner hundehalterlichen Obliegenheiten.

 

Mit dem toten Forellentier, welches ich Buddy nach kurzer Überzeugungsarbeit abnehmen kann, in der Hand begebe ich mich zu dem friedlich am Gewässerrand auf einem Klappstühlchen vor sich hin angelnden älteren Herrn, den ich höflich begrüße.

"Verzeihen Sie bitte, fehlt Ihnen vielleicht ein Fisch?" Der Angler wirkt verwirrt, sein Blick wandert zum Boden, wo auf einem Geschirrtuch noch drei ähnliche Fischlein, allerdings mickriger als "meiner", zu sehen sind.

"ähhhh...." sagt er, "gut möglich, warum denn?"

Ich deute etwas verschämt auf das Beutegut und dann auf den Hund, den diebischen.

Buddy freut sich offenbar sehr, die anderen Fische wiederzusehen und läuft schwanzwedelnd auf die Attraktion zu.

Des Anglers Gesicht scheint sich zu verfinstern.

Dann aber legt er seelenruhig sein Sportgerät hin, beugt sich herab und fährt Buddy über den Kopf, was der sich - noch schneller wedelnd - gerne gefallen lässt. Spontan schließt sich Rico an und will auch gestreichelt werden.

Dann, unfassbar, lobt der Petrijünger Buddys guten Geschmack, und grinst.

Ich biete dem Mann an, die gestohlene Forelle zu ersetzen, aber er lehnt lachend ab und sagt, er könne ja froh sein, dass die lautlos sich anschleichende Hunde-Diebesband nicht sein Pausenbrot hat mitgehen lassen. Und: nun hätte er beim Stammtisch aber was zu erzählen!

Hmmm.

Und ich erst.

Wir behalten also die Fischleiche also erst mal.

Ich verabschiede mich unter gefühlten sieben Millionen Entschuldigungen, der Mann setzt sich kopfschüttelnd (und grinsend) wieder auf seinen Klappstuhl. Das Tuch mit dem restlichen Fang zieht er ein Stückchen näher zu sich heran, sehe ich noch.

Wir entfernen uns zügig. Rico hebt noch das Bein an des Anglers Pkw, der ein Stückchen weiter am Feldweg parkt; ich bin sehr nahe an einem unheilbaren Lachflash.

Bei der nächsten Gelegenheit entsorge ich die Forelle, die ja übrigens völlig umsonst, sprich sinnlos, gestorben ist (da sie ja nun ihrer weiteren Bestimmung als a là "Forelle blau" oder gar "Müllerin Art" nicht mehr zugeführt wird....), da ich sie ungern die 2 Kilometer nach Hause tragen möchte. Die Hunde haben längst andere Interessen.

Wir entledigen uns des Fisches also während einer den Umständen und der Situation angemessenen Eder-Seebestattung und gelangen OHNE WEITERE ZWISCHENFÄLLE, aber wieder verspätet, nach Hause.

 

Diverse Erklärungsansätze gehen mir durch den Sinn: ist Buddy womoglich ein verkappter Polizeihund? Will er wildes Angeln unterbinden, gar den Angelschein kontrolliert sehen?

War der Vorfall letzthin, als die Kinder wild mit den Armen fuchtelnd und quietschig plärrend getanzt haben und Rico, einem tiefsitzenden Beschützerinstinkt folgend, regulierend einschritt, ebenfalls unter einem präventiven Aspekt zu beurteilen?

Fürchtete das intelligente, weltgewandte und offenbar äußerst friedliebende Tier gar ein Körperverletzungsdelikt? Sicherte Buddy nur Beweise, um den Mord an einem Fisch aufzuklären? Oder fühlten sich Buddy und Rico zu unmittelbarer Sanktionierung der vermuteten Untaten berufen??

(kann noch jemand meinen Gedankengängen folgen?)

Der oben geschilderte Vorfall ist WAHR! Ich kann im Bedarfsfall Zeugen, Geschädigte(n) und Autokennzeichen nennen!

Ich verspreche, ich geh jedem Angler auf Monate aus dem Weg!

Und ich SCHWÖRE, dass ich nie, nie, nie wieder ohne Kamera das Haus verlasse.

(11.07.2011)