...die Eder-Beagle(s)
...die Eder-Beagle(s)

Liebes Leben....

 

Liebes Leben!

 

Allmählich frage ich mich, womit es mir gelungen sein könnte, mein Karma derart zu verhunzen, dass du mir in dem Gottseidank fast abgelaufenen Jahr so übel mitspieltest.
Dabei bin ich doch wahrlich kein besonders anspruchsvoller Mensch!
Ist es nicht demütig genug, wenn ich mindestens 42 Stunden wöchentlich meinem Arbeitgeber widme, und das sogar meistens nachts oder an den Wochenenden?
Stimmt es dich nicht milde, wenn ich mein Hobby im Nebenerwerb betreibe und nichts mir mehr am Herzen liegt, als meine geschätzten Kunden glücklich zu machen?
Es ist ja nicht so, dass ich voll kapriziösem Eigensinn nur an mich dächte. Das wichtigste in unserer, deiner und meiner, kooperative sind meine Familie und meine Hunde.
 
Und genau da liegt der Hase nämlich im Pfeffer. 
Das Jahr 2015 begann damit, dass wir Bibi, den liebsten und unschuldigsten Hund der Welt, einschläfern lassen mussten, weil er ansonsten einen völlig unwürdigen Tod in einem seiner nächsten epileptischen Anfälle gestorben wäre.
 
Meine liebe Mutter, die sich Zeit ihres Lebens nur um andere kümmert, hat nach mehreren Notarzteinsätzen ihre Herzoperation gut überstanden, das fanden wir alle richtig super und soll auf der haben-Seite nicht unerwähnt bleiben! Auch dass Hund 3, obwohl der Älteste, sich bester Gesundheit erfreut, ist ein dicker Pluspunkt!
 
Nebenbei noch, dass die Versicherung beide Sturmschäden und den Wasserschaden beglichen hat (wenn auch nicht "einfach so", aber das erwartet man ja gar nicht), war spitze!
Aber ehrlich, ich wollte eigentlich gar keinen neuen Fußboden in der halben Wohnung, das attraktive Parkett hat mir immer gut gefallen, so wie es war....
Und auch die beiden großen Bäume im Garten fand ich schön, und die Schieferplatten am Haus eigentlich auch.
Naja. Shit Happens.
Aber wer braucht eine runtergefallene Spiegelreflexkamera, ein durch Kondenswasser vernichtetes Tablet (insbesondere eines, auf dem die gesamten vier Wochen Finnlandaufenthalt der Tochter in Bild und Text verewigt sind!), eine kaputte und dann voller heiligem Zorn entsorgte Spülmaschine und am Ende des Jahres zwei des Nachts im Wald (Umleitung!! Wegen von Juni bis Dezember gesperrter Strasse!) plattgefahrene neue Winterreifen mit anschließendem 6-km-Fußmarsch dank mangelhaftem Handy-Empfang und sowieso alle Freunde zu weit weg oder verhindert?
Nee, wirklich.
 
Ach,  wo ich gerade so schön in Fahrt bin:
16 Jahre lang ist es mir - mit nicht allzu schlechtem Ergebnis! - geglückt, mein einziges Kind allein zu erziehen. Dann zieht das Kind aus, und alles stürzt ins Chaos. Weniger Geld und noch mehr Fahrerei, von Unsicherheit und Sorge nicht zu reden, sind das Resultat. Könnte aber schlimmer kommen, deshalb will ich nicht klagen!
 
Kommen wir langsam mal zum Kern meiner Rede, meiner geharnischten.
Sechs Jahre lang verbringe ich jede freie Minute (und das sind dank einiger Organisation noch immer ganz schön viele!) mit meinen und andererleuts Hunde, letztere gerne zur Pflege zwecks Ausübung eines tierschützerischen Ehrenamtes.
Bei Hund 1, ohnehin schon durch allerlei Zipperlein gebeutelt, hat es dir gefallen, im Sommer einen Kreuzbandriss anzuberaumen. OP ging nicht, fünf Monate Physio und ausgefuchste (aber hilfreiche!) orthopädische  Finessen waren angesagt. Richtig heil wird es sowieso nicht mehr, aber wir sind es zufrieden!
 
Über diverse gesundheitliche,  finanzielle, rechtliche und andere Krisen wollen wir jetzt nicht auch noch lamentieren, das bleibt unter uns ;-)
Mit all dem hätte ich mich ja abgefunden.  
 
Aber Hund 2, meiner  süßen, hochaktiven Buddy, ebenfalls einen Kreuzbandriss aufzudrücken, zu Weihnachten, und diesmal aber volles Programm mit kaputten Meniskus, OP und strenger Schonung bis fast Ostern  - hey, das ist nicht fair.
Und in höchstem Maße unsportlich!
Es ist gemein.
 
Deshalb beschwere ich mich jetzt bei Dir. Das hab ich noch nie getan und werde es bestimmt auch nicht wieder tun.
Durchaus ist mir bewusst, dass es schlimmere Schicksale und Zeiten gibt, und wie du sehr wohl weißt, haben wir schon etliches an Prügel und Verlust, Trauer und Unglück hingenommen, ohne gleich zu jammern und zu motzen. Das ist ja sonst auch nicht meine Art!!
 
 
2016 klappt das besser, okay?. Ich will mich gern weiterhin fleißig bemühen und muss auch gar nicht mit allzuviel Bequemlichkeit gesegnet werden, aber ein bisschen behagliche Sorglosigkeit, wenigstens ab und an ;-), wäre echt klasse! Ich bin's nämlich grade richtig leid, dieses ewige vergebliche Einzelkämpfen. Man kommt sich  ja vor wie eine rundliche hessische weibliche Ausgabe von Don Quichotte!
Also.... Ich möchte nicht unverschämt erscheinen, aber wäre es möglich, im nächsten Jahr etwas Nachsicht mit uns zu üben? 
Komm, mach mal! Versuch's bitte wenigstens.
Schließlich bist du ja alternativlos :-)
 
Für immer die Deine und mit stets optimistischen Grüßen,
Marion
 
 
P.S.: einen Lichtblick gab es, und zwar ohne Einschränkung: Hans. Keine der negativen Erwartungen hat sich bei unserem neuen Familienmitglied erfüllt, aber viele positive Dinge, die ich niemals erhofft hätte, entwickelten sich.
(Okay, außer, dass er sich mit Hingabe in allem, was stinkt und matscht, wälzt).
 
Danke dafür :-)
 
 
P.S.P.S.: Update, Anfang März.
Manno, deine Bemühungen sind aber wirklich noch steigerungsfähig!! Mit Buddy, das ging ja bis jetzt voll daneben - wenn ich im Dezember geahnt hätte, dass das locker dahinorakelte "bis Ostern" traurige Wahrheit wird.....bitte Gas geben!!!
 
 
©Marion Weigel, Dez. 2015