...die Eder-Beagle(s)
...die Eder-Beagle(s)

Unser „Neuzugang“, Pflegehündin Fee, ist wieder ein Hund, der seine Familie verlassen musste. Fee kam 2009 direkt aus dem Labor zu ihrer Familie. Jetzt, nach fast drei Jahren, musste sie gehen.

Wir hatten schon einige Pflegehunde, die das erlebt haben, aus unterschiedlichen
Gründen. Einen dieser Hunde haben ja sogar behalten (und das ist sowohl für
Mikey als auch für uns schön!).
 

Ich mache mir gerade Gedanken darüber, wie es kommt, dass so viele Hunde aus ihren bisherigen Familien ausziehen müssen. Die Beweggründe dafür, sich von seinem Hund / Tier zu trennen, sind unterschiedlicher Natur:

Familienzuwachs, Trennung, Scheidung, Umzug, Überlastung, berufliche Veränderung, Krankheit, Tod, plötzliche Verhaltensänderungen beim Hund. 
Manchmal aber auch: Enttäuschung, unerfüllte Erwartungen an den Hund.

Wenn eine Situation eintritt, die es nötig macht, dass der Familienhund abgegeben
werden muss, ist das schlimm, normalerweise für die Menschen und den
Hund. Niemand von uns weiß, ob immer alles so sein wird, dass wir unsere Hunde
behalten werden können.

Abgesehen von unabänderlichen Schicksalsschlägen kann ich mir aber eigentlich keinen Grund vorstellen, aus dem ich meine(e) Hund(e) abgeben würde.

Änderungen im Verhalten des Hundes, die zu einer Rück-/Abgabe führen? Könnten vielleicht einen gesundheitlichen Anlass haben. Oder es hat sich etwas im direkten Umfeld so verändert, dass es den Hund verstört haben könnte?

Am schlimmsten ist so ein schleichender Prozeß: Hund macht nach anfänglicher Euphorie nicht so richtig, was Mensch von ihm erwartet oder verlangt. Frust stellt sich ein, beim Menschen. Mensch geht anderes mit Hund um. Hund wird (noch) unsicher(er). Die Spirale setzt sich immer weiter fort…… Hund macht vielleicht in die Wohnung, oder wird ängstlich, aggressiv, schnappt, bellt……tut fortwährend etwas, was Mensch überhaupt nicht will. Zunehmend negative Gefühle schleichen sich in die Mensch-Hund-Beziehung ein. Mit noch mehr Pech leiden noch andere Haustieren und Mitmenschen. Und irgendwann steht fest: der Hund muss weg, es geht nicht mehr.
Von Glück kann sagen, wer da rechtzeitig die Notbremse ziehen kann – aber wehe,
wenn nicht; wenn sich die unglückliche Situation so lange fortsetzt, bis der
Karren so richtig in den Dreck gefahren ist.
 

Unser Mikey ist ein Hund, die viel zu lange in der abgebenden Familie ausharren mussten, und das hat ihm mit Sicherheit nicht gut getan. Aus einem anfangs lebhaften, aber anhänglichen Tier mit einigen Macken ist ein völlig unsicheres Wesen mit handfesten Problemen geworden.



Bei Mikey ist die Diskrepanz zwischen „passiv“ (= zuhause, in der Wohnung) und
„aktiv“ (= draußen bzw. unterwegs) so groß, dass man glaubt, es mit einer
Neuauflage von Dr. Jekyll und Mr. Hyde zu tun zu haben. Erlebt man Mikey in
Hochform, also in extremen Frequenzen lautstark und mit aller Kraft, die er
aufbieten kann, einer Spur nachgehend, kann man nicht glauben, dass der gleiche
Hund zum lammfrommen Körbchen-Potatoe wird, sobald keine Spur mehr da ist. Schon hunderte von Metern vor dem Hoftor merkt man ganz deutlich, wie Mikey umschaltet von „Highspeed“ auf „Cooldown“.

In unserem bzw. Mikey’s Fall war die lange Zeitspanne einer gewissen Ignoranz der ehem. Familie geschuldet, die zwar immer mal wieder versucht hat, ihn der Herkunfts-Organisation (nicht die Laborbeaglehilfe!) zurückzugeben, sich aber letztlich mit dem Zustand abgefunden hat und ihre eigene, unmögliche „Lösung“ 
für den Problemhund (Hausverbot bis auf einen einzigen Raum, ansonsten
angebunden im Garten) gefunden hatte. Wenn sich nicht Nachbarn eingemischt
hätten, wäre Mikey wohl noch immer dort und vermutlich vollends verkorkst.
Mikeys ehem. Frauchen hatte alle meine Tipps (Trainer, Hundeschule…..) abgetan
mit den Worten „in den Hund investieren wir nichts mehr“. (Als ob je zuvor etwas
investiert worden wäre…..)

Wenn ich doch merke, das ich das nicht kann – dann muss ich doch zumindest so viel Herz in der Brust und A…. in der Hose haben, die bestmögliche Lösung für meinen Hund zu suchen, auch wenn es mit Mühen und evtl. auch ein paar harten Worten (und ein paar Kosten) verbunden ist.  Natürlich sind solche Hunde schwierig, ich frage mich allerdings, ob dies nicht durch Haltungsfehler womöglich erheblich verschlimmert wurde. Bei Mikey ist das jedenfalls so. Ja, ich schreibe dies mit einer gewissen Bitterkeit.

Es kommt mir so vor, als ob es recht viele Hunde wären, die in letzter Zeit ihre
Familie verloren haben, oder die nur kurz vermittelt waren und dann zurück kamen.

Die Gründe mögen unterschiedlich und manchmal wohl auch berechtigt sein. Ich finde die Art und Weise, wie die Laborbeaglehilfe die evtl. Rücknahme eines Hundes handhabt, vorbildlich, und die Familien, die ihren Hund abgeben wollen / müssen, werden sich die Sache in den meisten Fällen nicht leichtgemacht haben.

Von vornherein verhindern kann man solche „Retouren“ wahrscheinlich nicht. Da kann man noch so viel vorbereiten, lesen, schreiben, appellieren…..

was mich aber wirklich stört: die Gegebenheiten, in die der neue Hund einzieht, sind doch schon vor dem Hund da! In Mikeys Fall waren dies: die Wohnlage am Ortsrand, die Straße in der Nähe, die beiden noch jungen Kinder, das neue Haus, + neue Einrichtung, mangelhafte Umzäunung des Grundstückes, Berufstätigkeit beider Erwachsener und geringer finanzieller Spielraum.

Über all diese Dinge wird sich doch ein Übernehmer VOR der Übernahme Gedanken gemacht haben. Und dass der Hund z.B. noch nicht alleine bleiben kann, erfährt doch jeder auch früh genug (bei der Beschreibung steht es meist schon dabei, oder auch im Pflegestellentagebuch, so eines existiert, und spätestens bei der Beratung). Oder das ein Hund Zeit kostet, die man wahrscheinlich an anderer Stelle einsparen muss (und sei es am eigenen Schlaf), ist ja auch keine echte Überraschung.

 

Ich weiß, dass der folgende Vergleich hinkt und einigen nicht gefallen wird, aber
sei’s drum:

Meine Tochter ist grade heftig am pubertieren und benötigt zudem wg. einiger gesundheitlicher und schulischer Widrigkeiten derzeit alles Mögliche an Zuspruch und Förderung. Nebenbei ist sie gerade nicht immer die freundlichste, ist wahnsinnig egoistisch und verweigert mitunter jede Mitarbeit, weshalb ich an vier von fünf Tagen allein mit drei Hunden bin, was ich doof finde. Zeiten ändern sich.

Ich werde meine Tochter sicherlich trotzdem behalten, auch, wenn ich sie manchmal am liebsten auf den Mond schießen würde. Ich bin sicher, es wird irgendwann wieder eine weniger anstrengende Zeit kommen.

…..und an alle, die jetzt aufschreien, dass man Kinder und Tiere nicht miteinander
vergleichen oder gleichstellen kann: wieso denn nicht? Die Verantwortung und die
Gefühle sind doch ähnlich.

 

Zurück zu Fee….Leider ließ sich nicht herausfinden, was sich in den drei Jahren in
ihrer Familie getan hat; die Familie antwortete leider nicht auf unsere Mail.
Wenn aber jemand, nachdem er einen frisch entlassenen Laborhund durch die ersten Monate und Jahre hindurchgeholfen hat, sich von ihm trennt…. dann wird dieser Schritt sicherlich wohl durchdacht gewesen sein. Wollen wir hoffen, dass Fee bald ihr endgültiges Zuhause findet, denn verdient hat sie es allemal!