...die Eder-Beagle(s)
...die Eder-Beagle(s)

Die Entscheidung, Micky/Mikey zu behalten, brauchte Zeit. Hier sind unsere Argumente:

…..für den dritten Beagle in unserer Familie:



  • Mikey ist hier merklich aufgeblüht
  • er passt hier absolut hin, in unser Rudel. Ist es nicht ein großes Glück, wenn sich drei Hunde unterschiedlicher Herkunft so gut verstehen?
  • er ist im Haus der ruhigste und pflegeleichteste, ein wirklich angenehmer
    Hund
  • er scheint außer seinem Jagdeifer keine negativen Eigenschaften zu haben
  • will ich den ewig anhaltenden Trennungsschmerz, den ich z.B. bei Pflegi Moni hatte, nochmal mit Mikey erleben? (aber ist das überhaupt ein Argument?)
  • Buddy liebt Mikey, weil er der perfekte Spiel- und Raufkumpel ist
  • alle lieben Mikey, weil er niemals Fressen klaut und all seine Leckerlis sofort
    hergibt!
  • ich kenne seine wenig schöne Vorgeschichte und bin quasi „schuld“ daran, dass er jetzt bei uns wohnt
  • er mag mich (und alle mögen ihn, eigentlich besonders die Oma)
  • er ist sooo sensibel. Wissen das die Interessenten zu würdigen und zu
    handeln?!
  • er ist sooo lieb. Sicher versteht er wieder mal die Welt nicht mehr, wenn er
    wieder woanders hin muss.
  • er ist z.T. noch sooo unsicher und schreckhaft. Wird dem „woanders“ wirklich Rechnung getragen?
  • meine größte Sorge ist, dass er „woanders“ wieder allein gelassen wird und dadurch oder durch Langeweile / Unterforderung in seine alten Verhaltensmuster (das Ausreißen und Streunen) zurückfällt.
  • mir war eigentlich schon immer klar, dass es mal mehr als zwei Hunde
    werden…..
  •  sooft der jeweilige Pflegehund dann wieder weg war, wirkte Buddy obergelangweilt und schien den Hund zu vermissen (Georgia reagierte nicht so)
  • Mikey LACHT jetzt endlich!!!
  • Georgia spielt mit Mikey. Das hat sie bis jetzt noch nie getan, nur einmal kurz bei der Mo. Georgie hat sich auch verändert,seit Mikey da ist: sie ist viel selbstbewusster und auch noch fröhlicher geworden.
  • Georgia & Mikey schmusen miteinander. Unsere Georgia war sonst immer auf Abstand bedacht…..und die beiden lecken sich die Ohren…..!
  • wie Gisela so treffend sagte: je länger der Pflegehund da bleibt, umso größer werden die Ansprüche an die zukünftige Familie.
  • Mikey hat eine ganz spezielle Art, unsere Treppe runter zu gehen. Ich glaube nicht, dass ich auf das Geräusch, den sein 2 x 2 Beine-Hopsen macht, je wieder verzichten kann….
  •  und dann seine Eigenart, die Knabberstangen und ähnliches „freihändig“ zu
    futtern….er hält sie nicht mit den Pfoten fest…..
  • „andere“ haben auch mehr als drei Beagle bzw. Hunde und „sind“ trotzdem noch Pflegestelle
  • die zickige Nachbarshündin von „drei Häuser weiter“ hat die Segel gestrichen und ist weggezogen!
  • wir haben den ernsten, kleinen Hundemann einfach lieb.
  • meine Mutter sagt, den Mikey würde man ja meistens weder hören noch sehen – der macht sich im Haus quasi unsichtbar, schläft viel, bellt nicht, heult nicht, stellt keine Ansprüche….           

 

…..und gegen den dritten Beagle in unserer Familie:

 

  • sein Jagdtrieb ist noch größer als der von Buddy, draußen ist er sofort „von Null auf Hundert"
  • d.h., er wird in unserem Wald- und Wildparadies wohl nie ohne Schleppi laufen können
  • ganz sicher bin ich mir immer noch nicht, ob er sich nicht doch eines Tages unter dem Zaun durchgräbt
  • die Nachbarn gucken jetzt schon so komisch, wenn 1 Hund bellt (Georgia bellt, wenn jemand am Grundstück vorbeigeht oder wenn sie im angrenzenden Wald ein Tier riecht) - und Mikey hat eine ziemlich unschöne Stimme....
  • die Kosten potenzieren sich, kann ich mir das finanziell leisten?
  • wo soll ich DREI Hunde hinpacken, wenn mal alles zusammenbricht? (W. sagt, das kriegen wir schon hin…..)
  • kann ich wirklich jeden Tag mit drei Hunden an zwei Schleppleinen durch die Felder ziehen (bisher sind wir nur an ganz wenigen Tagen nicht gegangen, auch wenn es nur 2 Hunde waren)
  • meine Unsicherheit, ob ich dauerhaft wirklich drei Hunden gerecht werden kann – wird keiner zu kurz kommen?
  •  noch mehr Hundehaare überall!
  • noch mehr Hundehaufen zum Wegräumen!!
  • noch mehr Nasenspuren an den Fenstern!!
  • der nördliche Nachbar dreht am Rad, wenn die Hunde bellen (s.o.)
  • weniger Spaziergangsmöglichkeiten zu dritt/viert, denn mit drei Hunden im Wald an der Schleppi ist eine Katastrophe für meinen Arthrose-Arm.....
  • um mit SO VIELEN Hunden + Kind + Oma irgendwohin (gar nicht mal in Urlaub) zu fahren, ist mein Auto doch zu klein, oder?
  • man erweckt mit drei Hunden leicht einen etwas seltsamen Eindruck, hab ich manchmal das Gefühl.....oh oh, Animal Horder.....asozial.....so viele Hunde....
  • als Pflegestelle kann ich dann nur noch ganz eingeschränkt bis gar nicht mehr zur Verfügung stehen, oder?
    wenn es doch irgendwo das noch bessere, *perfekte* Zuhause für unser
    Sensibelchen gibt, wo er viel besser aufgehoben wäre (oh Gott, ich will wirklich nicht anmaßend sein) ?
  • mir war eigentlich schon immer klar, dass es mal mehr als zwei Hunde werden….aber doch nicht jetzt schon!!
  • waren wir nicht immer auch ein kleines bisschen erleichtert, wenn die Pflegis dann in ihre endgültige Familie umgezogen waren?
  • die Nachbarshündin (okay, drei Häuser weiter) und Mikey mögen sich definitiv nicht, und Begegnungen an der Leine führen immer zu Streß. 
    Auch mit
    dem anderen Herrchen.
  • drei jagdinteressierte Beagle zur Räson zu bringen ist viel schwieriger, als zwei unter Kontrolle zu halten – wenn erst mal einer ins Rennen kommt, wollen alle mit…..
  • meine Sorge, trotz aller familieninternen Absprachen meine Rest-Familie zu überfordern (wenn z.B. meine Mutter vormittags mit den Hunden allein ist)
  • bei mancher Hundebegegnung an der Leine schleicht er sich an wie ein Tiger, der ganze Mikey inclusive Schwanz ein lang gestreckter Pfeil (nur eben in Zeitlupe). Wenn ich nicht dabei bin, gerät das bestimmt mal außer Kontrolle…..aber vielleicht lehrt mich Mikey endlich etwas, was ich bisher wohl einfach nicht geschnallt hab: zu akzeptieren, dass man nicht mit jedermann (und –frau!) gut Freund sein muss (schönen Gruß auch an die lieben Nachbarn. Und nach B.!)
  • in den Augen von Mikey’s ehem. Familie (und: der Verwandtschaft aus B.) sieht das dann so aus, als hätte ich mir den Hund geschickt unter den Nagel gerissen, oder? (W. sagt, das könnte mir doch egal sein. Hat sie recht!)

    Nein, Moment mal. Eine solche Entscheidung darf sich keinesfalls danach richten, was andere (also, außerhalb unserer beider Haushalte) denken oder sagen.

Mir scheint, als würden die „Contra’s“ hier den „Pro’s“ ganz deutlich den Rang
ablaufen…..aber trotzdem, irgendwie……

Ich setze uns jetzt eine Frist. Wenn sich bis (nee, den Stichtag verrat ich nicht)
nicht jemand ganz Tolles für den ganz tollen Mikey entschieden hat, bleibt er
hier.



Kaum habe ich mich endlich dazu durchgerungen, klingelt das Telefon und Diana ist dran. Es gäbe eine Interessentin für Mikey, sagt sie.

Ich weiß plötzlich nicht, ob ich lachen oder heulen soll.

Aber eigentlich bin ich froh, dass sich jemand gemeldet hat. Denke ich nicht
eigentlich dass die Zeit hier doch noch nicht ganz reif ist für einen
endgültigen „Dritten“……aber denke ich nicht eigentlich auch, jedes Mal, wenn ein
Pflegi wieder weg ist: zwei sind eigentlich zu wenige…..Allerdings springen die Interessenten wieder ab, als sie explizit über Mikeys Jagdtrieb aufgeklärt werden.




Noch zwei Wochen Bedenkzeit. Am Ende der zwei Wochen weiß ich: Mikey bleibt
Pflegehund, und wenn sich „diejenigen“ melden, zieht er wieder aus. Super. So
wird’s gemacht.

Jeden Tag überdenke ich die Sache neu.

Aber nein: wenn sich jemand meldet, wird Mikey uns verlassen.

 

Am 02.10. schicke ich Wencke eine Mail und erkläre im Brustton der Überzeugung,
dass es uns leider nicht möglich ist, den Mikey dauerhaft zu behalten. So,
endlich Klartext, prima!

Der 2. Oktober ist ein wunderschöner, sonniger Altweibersommertag, wie man ihn sich
schöner nicht denken kann.

Jedenfalls war er das. Bis ungefähr 10 Minuten nach Abschicken der vermaledeiten Mail an Wencke. Dann fahre ich los, Vicky abholen, und auf einmal, allein im Auto, kommt es mir vor, als wäre die Farbe aus dem Tag verschwunden, er trübt sich sozusagen für mich ein. Außerdem habe ich plötzlich Magenschmerzen und Kopfweh, es geht mir richtig schlecht. Ich denke: wie konntest du das tun! Noch nie hat sich eine Entscheidung so falsch angefühlt.

Es meldet sich am nächsten Tag prompt ein Interessent, mit dem ich das Erstgespräch führe. Ich halte mit Mikey’s Schwächen nicht hinter dem Berg! Krittele aber auch ein bisschen am nicht ganz kompletten Zaun und der Vorstellung herum, Mikey beim täglichen beruflichen Außentermin an der Leine mitzuführen. Außerdem muss ich zu bedenken geben, dass Mikey ohne einen souveränen Hund an seiner Seite vermutlich Probleme haben wird – er benötigt meiner Ansicht nach die Sicherheit eines Hundekumpels. Zum zweiten Gespräch meldet sich der Mann schon nicht mehr, ich schätze, ich hab’s gründlich vergeigt.

Beim Spazierengehen denke ich: ach, der Mikey, wird sich schon woanders anpassen, klar. Beagles machen das so.

Mikey hüpft in die Eder und schwimmt voller Inbrunst eine Runde. Ich denke: hm, ob er das woanders auch kann? Dann erschrickt er sich vor irgendetwas und flüchtet zu mir. Ich denke: Mist!!!



Am 04. Oktober krabbelt Mikey abends ins Bett. Georgia liegt im Körbchen, kommt
aber hinterher. Nicht zu mir. Sondern zu Mikey, leckt ihm ausgiebig über den
Kopf und quer durch die Ohren, und dann kuschelt sie sich an ihn, und beide
schlafen Bauch an Bauch ein.

Ich denke: och neeeeeee……!

Am 05. Oktober komm ich vom Frühdienst nach Hause, und drei Hunde fliegen mir
entgegen, einer begeisterter als der andere. Mikey lacht über das ganze schmale
Hundegesicht.

Ich sage zu Mutter und Kind: Leute, so geht das nicht, ich mach dem Hin und Her
jetzt ein Ende. Und schreibe ins Forum, das Mikey bei uns bleibt.



Und danach fühl ich mich wieder richtig gut!!!

(Das ist auch so geblieben. Ich bin sehr froh, mich „so“ entschieden zu haben, und es gibt ein paar Leute, die sagen, das hätten sie ja gleich gewusst…….)

Mikey hat die Eigenart, seinen Kopf zu beugen und dann seine Stirn ganz fest an mich zu drücken, als ob er sich an einen anlehnt oder umarmt. Das macht er ein paar Sekunden, ganz intensiv, dann rollt er sich zusammen und brummt. Und schläft
dann ein.

Was soll man da noch machen…..

Mike ist in sehr vielen Situationen noch immer sehr vorsichtig, nimmt sich zurück,
wirkt unsicher. Erst zweimal in den ganzen 8 Wochen habe ich gesehen, dass er
sich auf den Rücken dreht und seinen Bauch zeigt.
Es tut einem manchmal das Herz weh, wenn man den kleinen, schmalen Hundemann anschaut, wie schüchtern und richtig unterwürfig er ist, ängstlich, wie er zusammenfährt und sich wegduckt, wenn irgendwo etwas auf den Boden fällt; wie er sich steif macht wie ein Brett, wenn man ihn hochnehmen muss. Aber dann kommt er mit hoher Rute angelaufen, wenn man ihn ruft (oft mit so einem fragenden Gesichtsausdruck: „jaaaa….?“), spielt er, gähnt einen morgens an, drückt sich an einen, brummt vor sich hin, …..Und irgendwann wird er ganz da sein, nicht mehr ängstlich, sondern so richtig beaglelig.

Georgia war das erste halbe Jahr auch so wie Mikey jetzt noch ist, und sieh sie dir heute an!