...die Eder-Beagle(s)
...die Eder-Beagle(s)

Vorweg möchte ich sagen, dass ich wirklich alle Hunde mag. Ich mag sogar besonders gern richtig große Hunde!

Ich habe definitiv nichts gegen Schäferhunde und kenne ganz tolle Schäferhunde mit ganz tollen Besitzern! Aber mein Herz gehört eben doch den Beagles. Auch, wenn ich mir manchmal wünsche, meine Hunde würden so gut hören wie eben die Schäferhunde. Aber ich hab’s ja so gewolltJ

 

Unsere Spaziergänge teilen wir uns gern ein bisschen auf verschiedene Runden auf. Dies hat den Sinn, dass wir nicht allzu häufig die gleichen Wege gehen, auf dass es mir und der Hundemeute nicht langweilig werde.

Vormittags gehen wir zumeist innerhalb Holzhausens, auf unterschiedlichen Strecken, Gassi. Nachmittags indes packe ich die Hunde ins Auto, und wir begeben uns mal nach Reddighausen, mal nach Dodenau, mal nach Battenberg, mal nach Allendorf.....und in einige andere, umliegende Ortschaften auch.

Gestern beispielsweise haben wir einen Weg durch Wald und Feld bei B. als Wanderweg auserkoren.

Dieser hat zum besonderen Highlight, dass sich an der Gassirunde ein Hundeplatz befindet, auf welchem u.a. an den Samstagnachmittagen trainiert wird.

Schon mehrmals hatten wir Gelegenheit, das Training zu beobachten.

So auch gestern.

Bereits bei der Anfahrt zum Parkplatz, an dem Hundeplatzgelände vorbei, beeindruckt mich einmal mehr die Geräuschkulisse. Die Hunde, die in den Anhängern auf ihren Einsatz warten, sind mucksmäuschenstill. Auf dem Platz jedoch herrscht ein Gedöns, das jedem Kasernenhof zur Ehre gereichen würde.

Aber dazu komme ich noch. Mehrmals.

Wir fahren vor. Also, ein Stück weiter Richtung Waldrand, dort ist ein Parkplatz. Dieser hat den Vorteil, dass er oberhalb des Hundesportgeländes gelegen ist, so dass man beim Hantieren am Auto einen vorzüglichen Blick auf das Trainingsgelände der Hundesportfreunde hat.

Was wiederum weniger mich betrifft, da meine Neugier sich bezüglich der Schäferhunde einigermaßen in Grenzen hält, als viel mehr meine Hunde.

Die verfolgen nämlich jede Bewegung der Schäferhund-Kollegen mit Argusaugen (und manchmal auch etwas Murren. Manchmal auch mit Gebell. Aber dazu später mehr).

Wir sind also vorgefahren. Kofferraum auf, drei Beagle hechten (natürlich nach vorheriger Erlaubnis, klaro!) raus.

Orientieren sich kurz: aha! Hundeplatz (= KINO). Stellen sich auf, Blick zum Platz. Wedeln.

Ein Schäferhund mit Herrchen (in typischer 1000-Taschen-Hundeführer-Weste - was da wohl alles drin ist.....?) nähert sich, schnellen Schrittes, wirkt entschlossen.

Sie gehen über den Platz. Schnell und oft, hin und her. Der Hund heißt offenbar "Fuß". In ständigem Stakkato hört man nur "Fuß". Dabei hat der Mann die Leine so kurz, dass der Hund sowieso nicht anders kann, als zwanzig Zentimeter neben den Stiefeln seines Hundeführers entlang zu schleichen.....den Blick immer nach rechts oben gerichtet. Leckerlie scheint die Weste jedenfalls nicht zu enthalten, da kommt nämlich nix. Mir scheint, Futter- oder Spielzeugbelohnungen sind beim Schäferhund-Club verpönt. So etwas brauchen die nicht. Die Hunde werden mit purer Autorität und vor allem sehr stimmgewaltig pädagogisch betreut.

Dem Hund-Mann-Gespann hinterdrein erscheint ein Trainer, unschwer zu erkennen an der Trillerpfeife und der klaren, bestimmten Körpersprache, gekleidet in zünftigen Drillich mit Tarnmuster (die Hose) sowie einen nato-oliv-farbenen Bundeswehrparka nebst Hut.

Der Hund wird nach etlichen Runden donnernd ins Platz befohlen.

Der Trainer nimmt sich das Herrchen von "Fuß" zur Brust. Dies geschieht ohne Geschrei, Menschen verstehen offenbar auch einen in Zimmerlautstärke vorgebrachten Rapport. Die Unterhaltung wirkt dennoch wie nicht wie eine solche, sondern eher wie ein Anschiss. Der Trainer wippt auf den Fußspitzen.  Fußes Herrchen nickt an einer Tour.

Dann sind beide, Herr und Hund, entlassen. Fuß wird sofort in die Box des Hundeanhängers verfrachtet. Wahrscheinlich hat er das Ausbildungsziel des heutigen Nachmittages erreicht. Oder auch nicht. So ganz klar ist das nicht zu sagen......

Wir brechen zu unserer Runde auf und lassen den Hundeplatz hinter uns. Buddy schaut sich ab und an noch mal um, vermutlich ist er unsicher, ob nicht doch das eine oder andere Kommando ihm gilt.....

Nach einer guten Stunde finden wir uns, zu meiner Freude ohne größere Zwischenfälle (wie etwa zufällig auf dem Weg parkende Rehe, hatten wir auch schon, weithin war das Beaglegeläut zu hören, und der ganze Hundeplatz ist völlig durchgedreht - das ist mir sehr unangenehm!) wieder am Parkplatz ein. Am Hundeplatz wird noch immer fleissig gearbeitet. Die Beagle lassen sich für weitere zehn Minuten Fernunterricht nieder.

 

Eine Dame erscheint, adäquat gekleidet, auch mit Schäferhund. Ihr Trainingsbereich ist ein anderer, es geht anscheinend um den Grundgehorsam in Form von Absitzen und -legen. Auch sie BRÜLLT was das Zeug hält. SIIIIITZ und PLAAAATZ brüllt sie, und dann auch BLEEIIIIIB.

Bei Frauen hat das Brüllen häufig die unangenehme Begleiterscheinung, dass sich die Stimme gern mal überschlägt. Der Hund, der sich an die Grasnarbe ins Platz presst und eigentlich den Eindruck macht, am liebsten unsichtbar sein zu wollen, scheint irritiert, er erhebt sich wieder. Das hat ein sofortiges, unangenehm schrilles "BLEIIIIIIBSTDUWOHLLIEGENPLAAAATZ" zur Folge. Langsam, offensichtlich tief beeindruckt von soviel Phon und dem fast ganzen Satz, sinkt das schwarze Tier wieder zu Boden. Georgia fängt, sie hat ja von ihrem Beobachtungsposten aus den Überblick, leise an zu motzen. Irritierte Blicke in unsere Richtung sind die Folge. Man sollte den ganzen Hundeplatz kilometerweit gegen ungebetene Zuschauer absperren! entnehme ich den genervten Mienen.

Der Trainer naht. Er übergibt der Frau eine Dummytasche, die soll der Hund apportieren. Die Frau wirft (bei den Bundesjugendspielen hätte sie nicht besonders viele Punkte damit erzielt.....ich schweife ab).

Der Hund zuckt kurz: "BLEIIIIIB!!!!", nach einer Kunstpause wird er dann mit einer Handbewegung geschickt. Freudig springt der Schäferhund auf und holt das Apportel, dann läuft er zu Frauchen.

Je näher er kommt (besonders weit laufen muss er ja nicht......sorry, s.o.), desto geduckter wird seine Körperhaltung. Vor den Füßen der Frau kippt der Hund ins Gras.

Und gibt – entgegen der Absprache! - das Futtersäckchen NICHT her......! Sie entwindet es seinem Fang. Trainer kommt. Maßregelung. Kopfschütteln. Die Vereinskollegen, die auf den gepflegten Sitzgelegenheiten nahe des Vereinsheimes auf ihren Einsatz warten, wirken plötzlich unruhig.

Ich wünsche mir auch eine Bank. Oder einen gemütlichen Gartensessel, vielleicht. Darauf könnte ich mich setzen und in Ruhe der Dinge harren, die nun kommen mögen. Trainer und Hundehalterin gehen drei Schritte zur Seite und kommunizieren minutenlang. Leise. Konspirativ.

Danach schleicht die Hundebesitzerin gebrochen vom Platz und vergisst, vermutlich tränenblind, sogar ihren Hund aus dem immer-noch-bleib wieder abzurufen.

Die Frau tut mir von Herzen leid.

Jedoch, es wird noch peinlicher: „Susanne!“ ruft der Trainer, und es klingt süffisant. „Hast du nicht etwas vergessen?“ Er deutet mit einer lässigen Geste hinter sich. Susanne dreht sich wortlos um, holt den Hund, der auch die Ohren hängen lässt, ich glaube, sie kann nicht mehr sprechen, geschweige denn schreien.

Wahrscheinlich muss sie später Nachsitzen. Oder eine Therapie beginnen.

 

Liebe Schäferhundfreunde!

Ich habe großen Respekt vor Eurem Know-How und bin äußerst beeindruckt vom Gehorsam und Können Eurer Hunde. Ich finde es toll, wenn Hunde (egal, welcher Rasse) gut zu handeln sind und sich nach ihrem Besitzer richten und auf jede Ansage adäquat reagieren.

Noch schöner finde ich es aber, wenn Hunde nicht nur unter großem Druck das Gewünschte tun. Und am allerschönsten finde ich, wenn sie auch auf dezente Töne hören. Hunde haben, so sagt man,  ein gutes Gehör, man muss nicht schreien, um zu erreichen, was man will. Der Schäferhund an sich will doch ohnehin schon gefallen (das will der Beagle an sich nicht unbedingt. Aber mit lautem Getöse käme ich erst recht nicht zum Ziel). Vielleicht sind die Hunde mit einem gewissen Maß an Gewöhnung gesegnet und finden alles bestens, vielleicht ist der paramilitärische Anstrich Eurer Pädagogik aber Teil des Plans, dann entschuldigt bitte meine mangelnde Sachkenntnis. Oder wir haben zufällig immer gerade die autoritär vermittelten Trainingseinheiten gesehen. Wahrscheinlich gibt es auch Spielstunden, nur sind wir da immer gerade woanders unterwegs; mein Fehler.Disziplin und eine klare Kommunikation sind wichtig!

Respekt aber auch. 

Ja, ich schäme mich in Grund und Boden, wenn ihr interessiert – und schadenfroh - beobachtet, wie ich meinen im Jagdfieber an der Leine zerrenden, kreischenden, mich komplett ignorierenden Mike zur Räson zu bringen versuche. Ich sehe euren Gesichtern an, wie ihr denkt: der Schreihals gehört mal in eine ordentliche Hundeschule! Dennoch….siehe Eingangssatz!

 

Wochen später treffe ich einen der Vereinshunde mit Herrchen in der Tierarztpraxis, und stelle erstaunt fest: die Kommunikation wird auch außerhalb des Trainingsgeländes schreiend erledigt. Mein Patient legt verdutzt die Ohren an…… Da fasst mich der Mann ins Auge.

Streng sieht er mich an, ich ducke mich ein bisschen. Vielleicht will er mich ja auch anschreien. Buddy duckt sich auch, scheint das Gleiche zu denken.

Der Schäferhundfreund sagt: „Sie! Die Beagles?“

Ach du lieber Himmel – Zweieinhalbwortsätze. Äh….ja? Ich blicke bezeichnend zu meiner Buddy. Er sagt: „Also, mit Beagles könnte ich nicht.“ Ach? Wieso denn?

„Die hören ja nicht. Machen, was sie wollen.“

Ach so, ja. Der Schäferhund legt resigniert den Kopf auf die Pfoten. Buddy geht wedelnd zu ihm hin, gleich wird er ihn zum Spielen auffordern. Ich rufe ihn (leise) zurück.

 

Buddy sieht mich an und kommt zu mir.. Ich bedeute ihm, sich hinzusetzen. Das geht bei uns wortlos. Buddy setzt sich. Ich sehe den Mann an. Hat er es bemerkt?

Ich kann nicht widerstehen und gebe Buddy das Zeichen für „Platz“. Buddy legt sich ins Platz. Der Schäferhundemann reagiert nicht. Wahrscheinlich liegen ihm die leisen Töne einfach nicht, das muss man wohl akzeptieren.

Der Schäferhundemann und sein vierbeiniger Kumpel werden aufgerufen.

Übrigens habe ich nicht erfahren, was dem Schäferhund fehlte, warum er zum Tierarzt musste.

Vielleicht eine beginnende Taubheit?J