...die Eder-Beagle(s)
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"Von Mäusen und Menschen Fellnasen"

 

 

Wir lieben Hunde.

Nicht nur unsere eigenen, auch die anderer Leute. Besonders, wenn sie irgendwie unser Mitleid, unsere Empathie wecken, sehr niedlich sind oder entzückende Dinge tun. Oder einfach nur ein mittelprächtiges Bild von sich irgendwo posten lassen.

 

Facebook, zum Beispiel, bietet dafür eine angemessene Plattform. Hundeforen auch, aber Facebook ist schon cooler und, vor allem, weltumspannender. Hier können mannigfaltige Tierschicksale, Todesfälle aller Art, Erkrankungen, Verhaltensauffälligkeiten und alles andere bis zum Abwinken kommentiert werden.

Sprache und Begrifflichkeiten sind für manch eine/n User/in, scheint’s, schwierig zu umschiffende Klippen.

Deshalb erscheint beispielsweise in jeder Trauerbotschaft gefühlte 24 Mal die lapidare Abkürzung R.I.P.

 

Das ist - sofern nicht das ursprüngliche feine Latein zugrunde liegt, was ich ehrlich gesagt den meisten Anwendern nicht unterstellen möchte – gedankenlos-sinnfrei übernommen aus dem amerikanischen Sprachgebrauch alter Western und neuerer Fernsehunterhaltung, und ungefähr das kaltherzigste und platitüdenhafteste an Beileidsbezeugung, was man so eben mal schnell in die Touchscreens des Smartphone wischen kann. Dann würde ich doch lieber gar nix schreiben, als solch unreflektierten Wischiwaschi-Ersatztext.

 

Und zwangsläufig mutiert dann der Hund (ob tot oder lebendig).

Nämlich zur MAUS.

Der kollektive Aufschrei „omG, die arme Maus" (oder, in weniger dramatischen Fällen, wahlweise mit anderen Attributen versehen: „sü(üü)ß", „klein", „frech" werden gerne genommen) durchläuft das Internet wie eine Schallwelle.

Bei einem Chihuahua oder Prager Rattler ist die Assoziation mit dem Nager vielleicht noch statthaft, bei einem mittelgroßen Jagdhund bereits zweifelhaft – aber einen gestandenen Neufundländer (oder unlängst eine majestätische Deutsche Dogge, so groß wie ein Shetlandpony) als Maus zu bezeichnen, ist schlichtweg paranoid, Leute!

Obwohl, bei der Dogge ist es irgendwie schon wieder augenzwinkernd-witzig – oder? Oder doch nicht?

Wenn es ganz dicke kommt, wird aus der Maus sogar ein Mäuschen, ein Mäusekind oder ein Mäuselchen.

Boah….!

 

Ein weiterer immens verbreiteter Fehlgriff deutschen Sprachgebrauches ist die Umschreibung Fellnase.

Ist das ein neuer Begriff? Ein Körperteil, dass es bei meinen Hunden so irgendwie nicht gibt? Wo, bitte, ist denn an der Hundenase Fell? Einen Ausflug in die Anatomie des komplexen Hochleistungs-Riechorganes erspar ich uns allen, aber Hundenasen sind gemeinhin glatt, oft schwarz, meist feucht. Und vorzugsweise kalt :-)

Fellschnauze, was ja noch politisch korrekt wäre, sagt komischerweise kein Mensch! Über Fellgesicht stolpert man auch gerne, aber das ist ja noch hinreichend akzeptabel.

Okay, es gibt schlimmere Bezeichnungen für den Hund an sich. Es mag ja auch jeder seine ganz persönlichen Kosenamen und Verniedlichungsformen nach eigenem Gusto gebrauchen.

Aber 42 mal „MAUS", „FELLNASE" und dann irgendwo als Tüpfelchen auf dem i noch „RIP"….nee, echt nicht. Auch Hunde – gerade Hunde – haben Respekt verdient!

 

 

„Von Mäusen und Menschen" (Original: „Of Mice and Men") ist eine Erzählung von John Steinbeck, in klarer und präziser Sprache geschrieben.

 

c: Marion Weigel, 01/2015