...die Eder-Beagle(s)
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Über das Retten von Welpen, Hypoglykämie und Spontankäufe

Dunkel. Regnet. Wochenende.

Hätte ich keine Beagle, käme ich vielleicht auf den zu dieser Jahreszeit naheliegenden Plan, es mir auf dem Sofa gemütlich zu machen. Tässchen Kaffee, Stück Torte, ebenso fettes Buch vors Gesicht. Abends etwas Fernsehen.

So einen ressourcenschonenden Tag habe ich seit Jahren nicht verbracht. Jedenfalls nicht ausführlich, also, nicht länger als fünf Minuten. Solange dauert es maximal, bis einer der Hunde mir entweder die Pfote auf den Arm legt oder gleich sich selber auf mich drauf.

Wenn ich nicht sowieso in nebelverhangener Novembertrübnis draußen durch Wald und Felder stolpere, vier Hunde neben mir, die mit wachsender Begeisterung und völlig nieselregenresistent schnüffeln, was die Beaglenase hergibt.

 

Obwohl, wäre ich überdies nicht part of the team bei der LBH, könnte man sich damit vielleicht sogar arrangieren. So aber….

 

….haben wir gerade die neuen Kalender UND eine beachtliche Anzahl neuer Hunde auf der Homepage. Weil dies von uns auch immer brav über die überaus wichtigen social media verbreitet wird, damit es auch ja jeder mitkriegt, kann man sich an ansonsten trüben Wochenenden wie diesem vor Kontaktaufnahmen kaum retten: im Minutentakt sagt das Handy "pling" und kündigt eine neue PN, Mail oder einen Anruf an. Ich habe kraft meines höchst honorigen Amtes als Administrator und Postfachverwalter alle Hände voll damit zu tun, die Anfragen in zeitlich angemessenem Rahmen zu beantworten.

 

Da sich derer viele ähneln, sehe ich mich zwischendurch genötigt, einen kleinen erziehungswirksamen Tipp auf die Seite zu stellen: echte Interessenten bitte gleich an den Vermittler wenden; erst googeln, dann nach der Seite fragen; erst lesen, dann Mail schreiben; nicht gleich heulen, wenn auch noch beim dritten Anrufversuch besetzt ist, und erst recht nicht die Admin anmeckern!!

 

Und das aller-, allerwichtigste: Laborbeagleneulinge bitte erst mal gründlich informieren. Wissen ist wirklich Macht, und um einen alten Spontispruch nochmal zu strapazieren: nichts wissen macht in diesem Fall WOHL was.  Information gibt es zuhauf, man muss sich nur die Mühe machen, auch danach zu schauen. Und sollte fähig sein, gute von schlechter Information zu unterscheiden! Und lesen muss man auch, viel, sehr viel, am besten gleich das Buch. Nein, verleihen tun wir es nicht, wir hoffen ehrlich gesagt, dass ihr es KAUFT.  Gerne bei uns! Und dann bitte rezensieren! Ja, das ist Mühe, aber wieviel Mühe machen wir uns denn?!

Oh Gott, völlig abgeschweift. Eigentlich geht es hier um die WELPEN. Dazu hätte ich nochmal ein paar Anmerkungen, von meiner arroganten Warte des vierfachen Hundebesitzers (davon 3 Beagle, unterschiedlicher Herkunft und Art) und abgeklärter Person, die schon drei Beaglewelpen (nur einen eigenen. Die anderen zwei hielten uns als Pflegehunde auf Trab, einer davon gottseidank nur drei Tage lang, dann holte Axel ihn ab, damit er woanders die Habseligkeiten seiner Menschen zerstört) hatte und demzufolge keine mehr braucht.*

 

Welpen also. Einen Hund als Welpen nehmen, ist wie Kinder großziehen oder ein Haus bauen. Ganz nette Erfahrung, aber ehrlich gesagt machen alle drei Kreuze, wenn es durchgestanden ist.

Und was ist das mit "einmal Beagle, immer Beagle"? So ein Quatsch. Seitdem ich meinen Mischlingshund Hans habe, weiß ich ganz genau, dass nach den dreien hier garantiert KEIN Beagle mehr in mein Haus einzieht. Zumindest nicht dauerhaft. Nur noch als Pflegie! Ehrlich. Doch, Hand drauf.

 

Hallo, Welpen heißt das Thema!!

Als wir erfuhren, dass wir kurz vor Weihnachten 24 vier Monate junge Hunde (= das sind immer noch Welpen) vermitteln dürfen, waren die Gefühle gemischt.

 

Klar ist das toll. Vor allem für die jungen Hunde, deren Zeit im Labor vielleicht keine perfekte Hundekindheit darstellt, aber das lässt sich nach- und aufholen, zumindest ist die Zeit kurz. Und ablehnen können wir sie selbstverständlich auf keinen Fall, sie würden sonst mit ihren tapsigen rosa Welpenpfoten schnurstracks in den nächsten Versuch wandern und wären schlichtweg weg.

 

Also freuen wir uns sehr und wappnen uns. Bei der ersten Ankündigung Anfang November auf der Facebook-Seite gab es in den ersten dreißig Minuten ebensoviele Anfragen, dann beruhigte sich die Sachlage wieder, und die Mutigsten unter den Interessenten griffen zum Hörer und nahmen Kontakt mit den Vermittlern auf. So wurden einige Hunde vermittelt, blind, ohne Foto. Tolle Leute, Respekt.

 

DANN erhielten wir am 11. November die ersten Fotos. Manche der Hunde wurden in einem ängstlichen Moment abgelichtet, manche in einem sehr präsenten, einige wirken neugierig, andere eher nicht.

Es handelt sich bei vierundzwanzig Hunden logischerweise um mehrere Würfe. Auch Laborhund-Würfe beinhalten unterschiedliche Charaktere - wie beim Züchter auch: der eine ist ein Draufgänger und durch nichts zu beeindrucken. Der nächste ein Vorsichtiger,  der dritte ist verspielt, der vierte verschmust und zärtlich, Nr. 5 ist ein lautes Raubein, Nr. 6 ist vielleicht sowieso der Zarteste und sitzt scheu und zurückhaltend in der Ecke. Vielleicht erwischt der ungeübte Fotograf, in der Regel ein normaler Tierpfleger, die Nr. 5 aber gerade in einem Moment, wo ihn sein Kumpel (oder die Hundemama, die ist ja auch noch irgendwo) ordentlich angekackt hat. So. Und jetzt machen Sie mal eine verlässliche Aussage über den Charakter!

 

Wir verlassen uns auf das, was uns die Tierpfleger dieser Hunde sagen. Aber auch das sind nur Einschätzungen, wenig mehr als Momentaufnahmen. Es ist nicht so wie beim Züchter, der seine Hunde über Wochen mit Liebe und großem Interesse beobachtet und dann einigermaßen Auskunft geben kann. Es ist aber auch nicht wie beim Vermehrer, den keiner seiner Hunde schert und der wahrscheinlich sonstwas behaupten würde, Hauptsache, die Kasse stimmt.

Was Laborwelpen anders macht, ist, dass sie für einen bestimmten Zweck gezüchtet wurden.

 

Sie haben eine Aufgabe zu erfüllen, die irgendwann beendet ist - bei manchen nach drei Monaten, bei manchen nach einem oder drei Jahren, bei den meisten niemals. Sie sind grundsätzlich nicht dafür vorgesehen, ein Familienhund zu werden. Es widmet sich keiner einer besonderen Sozialisierung, das ist in einem Institutsalltag auch nicht möglich. Die Tierpfleger tun ihr Möglichstes (das tun sie wirklich!), und niemand geht her und fügt knuddeligen, tapsigen Hundebabies unnötige Grausamkeiten zu. Eine sorgfältige Sozialisierung, die der (gute!) Züchter leistet, ist beim Laborhund nicht möglich. Das ist Ihre Aufgabe, sofern Sie willens und in der Lage sind, einen Welpen bei sich aufzunehmen. Man kann fehlende Sozialisierung bis zu einem gewissen Grad nachholen, es bedarf aber sehr viel Geduld und einer immensen Beschäftigung mit dem Hund. Es bedarf Wissen und Flexibiliät, und deshalb können vier Monate alte Hunde nicht an jedermann vermittelt werden.

 

Wir vertrauen Ihnen mit dem Welpen einen vollständigen, gesunden, reinrassigen Beagle zu einem weitaus geringeren als dem marktüblichen Welpenkaufpreis an. Er hat keine besonderen Macken und auch keine Gebrechen, sonst würden wir ihn nicht bekommen. Er hat keine Papiere und keinen Herkunftsnachweis, seine Aufzucht- und Verwendungsort wird Ihnen nicht mitgeteilt, und schon gar nicht sein Verwendungszweck. Und: Sie können mit diesem Hund keinen Nachwuchs haben, niemals. Gehen Sie strikt davon aus, dass ihn niemand misshandelt hat, aber dass er ohne unser Zutun nicht sein restliches Leben in einer liebevollen Umgebung ohne tägliche wissenschaftliche Maßnahmen verbringen könnte.

Wir haben auch schon Welpen zurücknehmen müssen. Weil uns der Interessent nicht ganz die Wahrheit über sich, seine Umwelt und das Maß seiner eigenen Leidensfähigkeit und Geduld erzählt hat. Weil der Welpe plötzlich und unerwartet größer und älter wurde. Weil man sich das alles doch irgendwie nicht so zeitintensiv vorgestellt hatte. Gestehen Sie uns bitte zu, dass wir es bei Welpen-Interessenten sehr genau nehmen.

 

Gönnerhafte Anfragen à la "ich würde euch ja einen abnehmen, aber kommt auf den Preis an" können und wollen wir nicht berücksichtigen, mehr noch, wir wollen solche "Bewerbungen" nicht mal haben.

 

Man muss sie uns nicht heldenhaft "abnehmen". Das Problem ist eher, aus der Masse der Begeisterten diejenigen herauszufiltern, die es ernst meinen, ernst im Sinne von "für immer". Denen man einen der kostbaren, reinrassigen, wunderschönen kleinen Beagle, die um ein Haar ihr Leben in einem Tierversuchslabor hätten verbringen und am Ende leider auch lassen müssen, auch wirklich anvertrauen kann. Sehen Sie uns als einen seriösen, sorgfältig arbeitenden Verein (das tun die Institute auch, oder haben Sie sonst schon mal irgendwo 24 Laborwelpen auftauchen sehen?). Sehen Sie uns wie einen guten Züchter, der großen Wert auf die Sicherheit und das Wohlergehen seiner Hunde legt. Sehen Sie uns meinetwegen als pedantische Helikopter-Glucken. Aber verwechseln Sie die Laborbeaglehilfe, einen Verein, für den ich die Hand ins Feuer legen würde, bitte nicht mit den Leuten aus den Kleinanzeigen, die mit der Hauptsache-weg-Mentalität.

 

Einen Beaglewelpen zu sehen, weckt umgehend einen starken Haben-Wollen-Effekt. Das Kindchenschema, ein raffinierter psychologischer Kunstgriff der Evolution, funktioniert hundert Pro: der Beschützerinstinkt erwacht. Deswegen klappt das bei den Vermehrern und Hundemärkten auch so gut – auf den Trick nicht reinzufallen, ist schwer. Übrigens sind es überwiegend Frauen, die auf diese Weise einen Hund kaufen.

 

Spontankäufe sind seit jeher ein Problem. Ganz fatale Sache! Aber mal ehrlich: wieso ist das so? "Es muss doch jeder Hund integriert werden, erst recht einer aus dem Tierschutz", tut eine Bewerberin das locker ab. Schon. Aber einen Welpen zu "integrieren" (hallo? Geht es hier um die Wiedereingliederung im Job? Um schwer erziehbare Jugendliche?), ist eine 24/7-Angelegenheit. Da tun Sie sich mit einem älteren Hund schon leichter!

 

Zwischendurch kommt eine Rückgabe, ein Hund, der SOFORT ausziehen muss, nach anderthalb Jahren, andernfalls  wird er HEUTE NOCH im Wald angebunden, oder noch besser, gleich eingeschläfert.

Was stimmt denn mit den Leuten nicht? Und wieso sind es fast immer die Männer, die keinen Draht zum Hund finden? Macht ihnen die Angst angst? Wo sind sie denn, die Menschen mit der Einstellung: der Hund kann so verstört sein wie er will, es ist jetzt meiner, und ich liebe ihn?

 

Ich hatte bisher dreimal einen Beagle-Welpen. Der erste war mein eigener Beagle, Buddy. Buddy kam an einem Gewittertag im September 2009 zu uns, nachdem wir ihn genau einmal vorher gesehen hatten und -natürlich, what else - völlig geflasht waren von dem Schnuckel. Wir waren eher mäßig vorbereitet auf das, was in den nächsten Wochen und Monaten über uns hereinbrach. Innerhalb dieser Zeit wurde das komplette Grundstück nicht nur eingezäunt, sondern beaglesicher gemacht. Tapeten und Türrahmen wurden sukzessive erneuert. Schuhe wanderten haufenweise auf hohe Regalbretter, meist aber in den Müll. Ganze Bettwäsche-, Handtücher- und Teppichkollektionen wurden erneuert. Hundeschulen in den Wahnsinn getrieben, aber auch Beindruckendes geleistet. Das Geld, was all dies gekostet hat, hätte man genauso gut verbrennen können, obwohl - wenn es drauf ankommt, macht Buddy das, was sie soll.

 

Den Rest der Zeit ist sie eben sie selbst.

 

Wie einfach wurde unser Leben, als ein Jahr später die bereits zweijährige Laborhündin Georgia bei uns einzog! Georgia wusste nichts von jugendlichem oder gar pubertärem Fehlverhalten. Sie benahm sich untadelig und gab uns allen den Glauben an den Beagle zurück, bis…..ja, bis zu dem Tag, als Buddy ihr zeigte, wozu ein Jagdinstinkt im Beagle steckt und wie man ihn auslebt.

 

Der zweite Welpe war Cooper, ein frisch entlassener Laborracker, der auf dem Weg in sein neues Heim 48 Stunden bei uns Station machten. Während dieser Zeit haben weder er noch ich ein Auge zugemacht, und danach war eine neue Generation Schuhe und Socken fällig. Ein fehlendes Stück Türrahmen und Abdrücke von Welpenzähnen an der Fußleiste erinnern mich noch heute an Cooper. Aber niedlich war er!

Emil war drei Monate alt, als ihn seine Besitzer entnervt und geschlagen zurückgaben. Wir nahmen ihn zur Pflege, und es machte überwiegend Spaß mit Emil. Nach drei Wochen war er wieder vermittelt, und ich war schon traurig, aber irgendwie doch auch froh, dass nun andere Menschen ihre Zeit damit verbringen, ihr Hab und Gut vor den nadelspitzen Zähnen zu beschützen. Aber ich hatte viele hundert tolle Fotos!

 

Apropos Fotos.  Es ist also der 11.11., helau, und ich stelle die Fotos bei FB ein. Da geht es los. 16000 mal wird der Beitrag angeklickt, bis Sonntagnachmittag. Der Hype bricht los. Die Nachrichten überschlagen sich, und viele haben einen ZUCKERSCHOCK und wollen jetzt, nachdem sie die BILDER gesehen haben und die ja so ZUCKER und SUGAR und MEGA sind, nur eins:

 

EINEN WELPEN RETTEN.

 

Und das trotz der akuten Hyperglykämie! Respekt!

 

(Hyperglykämie (="Zuckerschock") ist ein ernstzunehmender pathologischer Zustand, der sofortige Behandlungsmaßnahmen notwendig macht. Die erste Maßnahme, die wir empfehlen können, ist: lesen Sie. Alles über Beagle und vor allem LABORbeagle, was sie finden können. Lassen Sie sich erzählen, wie es sein könnte. Und glauben Sie es. Glauben Sie auch uns. Wir wollen Ihnen den Welpen nicht aus- oder schlechtreden, wir wollen ihn ja vermitteln. Andernfalls müsste das LBH-Team um Weihnachten 2017 jeder zwei bis vier Beaglewelpen zuhause aufnehmen, und das, nein, DAS will wirklich keiner von uns! Okay, einen vielleicht. Zur Pflege. Bis nach Silvester. Höchstens.)

Die Klickzahlen auf unserer Startseite schnellen nach oben. 35000! Die Leute glauben nun plötzlich unserer vormals eher theoretischen Behauptung, dass es tatsächlich "in echt" Beaglewelpen sind, die entsprechend aussehen.

 

Und gerade das versteh ich daran nicht. Habt ihr schon mal im Laufe der Jahre Fotos von euren Hunden verglichen? Mal geschaut, wie sie als Welpe aussahen, und wie enorm sie sich dann in nullkommanix verändert haben? Bestenfalls kann man die Fellfarbe bestimmen, mehr ist nicht drin anhand eines briefmarkengroßen Fotos. Ja, Toffee wird auch später ein eher dunkler Typ sein, vielleicht behält er sogar das lustige braunbefellte Bein, aber sein Gesicht wird sich verändern. Genau wie bei Keks, den jetzt ein breiter weißer Streifen im Gesicht ziert - der wird noch breiter und sich nach hinten verlagern, aber anhand seines Welpenfotos wird man ihn in zwei Jahren kaum mehr erkennen.

 

Dann sagen die Leute: ja, ich will aber doch wissen, wie er aussieht. Wenn ich einen Hund will, der genau SO aussieht, nehme ich aber besser einen, der schon das Gröbste hinter sich hat. Nehmen Sie einen der Einjährigen! Der macht immer noch genug Stress, ist aber optisch wenigstens fertig.

Tipp: adoptieren Sie einen zwei-, drei- oder vierjährigen. Den können Sie auch noch wunderbar erziehen, aber er hat nicht mehr ganz so viele Problemzonen wie einer der jungen Wilden.

Sollten Sie indes der irrigen Annahme sein, man könne nur Welpen erziehen und auf einen selbst prägen, bei „älteren“ Hunde ginge das doch nicht, dann haben Sie einfach keine Ahnung von Hunden und sollten es vielleicht generell bleiben lassen, insbesondere  mit einem Beagle, der auch mit 14 noch infantile Anwandlungen hat.

Wenn Sie ein großes Herz für Tiere haben, die ihr Leben lang für andere, vor allem aber für uns Menschen, den schönen Kopf hingehalten haben - dann kommt für Sie sowieso nur ein älteres, ein altes Tier in Frage.

Um einen Welpen zu übernehmen, bedarf es keines besonderen Tierschutzgedankens. Welpen kann man überall bekommen, und man kann sie auch relativ problemlos vermitteln - problemlos im Sinne von "ausreichend Interessenten da".

 

Und von "Retten" ist eigentlich auch nicht wirklich die Rede - siehe oben. Die kurze Zeit, die der Hund im Labor einiger Tests und Studien unterzogen wurde, ist nicht weiter wild. Versuchslabore in Deutschland sind, auch wenn viele das partout nicht wahrhaben wollen, keine Schreckenskabinette.

"Retten" kann man Welpen übrigens auch nicht, indem man sie den üblichen Vermehrern abkauft. Gerettet werden müssen andere: die Alten, die Kranken, die Eltern.

Wenn Sie jetzt sagen, mir egal, ich will aber den Welpen, dann ist das völlig in Ordnung und wir werden Sie herzlich begrüßen. Aber sagen Sie bloß nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt!

 

Wenn die LBH Welpen in der Vermittlung hat, passieren erstaunliche Dinge.

Am ersten Wochenende der Veröffentlichung bei Facebook gab es 44 PN's. Gut die Hälfte davon hätten die Absender sich und uns auch ersparen können, wenn man sich denn vor der spontanen Idee, jetzt mal einen Beaglewelpen zu wollen,  ein bisschen schlau gemacht hätte.

 

Manche Mails waren erfrischend kurz. Zum Beispiel diese einer jungen Frau aus Halle:

"kosten???"

Am liebsten hätte ich zurückgeschrieben: "Schnäppchen. 6000 Euro." 

 

Mach ich natürlich nicht, sondern verweise höflich, wenn auch mit zusammen gebissenen Zähnen, auf die entsprechende Stelle unserer Homepage. In einem ganzen Satz, soviel Zeit muss ja sein, auch am Handy. Die anderen nicht ernst zu nehmenden "Anfragen" wollen wieder wissen, wo die Hunde herkommen, wo sie jetzt sind, was ihnen dort alles angetan wird, wie man so einen da "raus holt" und ob man sie vor dem Erwerb vielleicht doch bitte erst mal kennenlernen kann.  Und wie wir dazu kommen, Tierversuche an kleinen, armen WELPEN zu unterstützen.

Och, Leute. Seit mehr als 10 Jahren gibt es die LBH. Fast 2000 Hunde haben wir vermittelt. Wir haben über 4300 Facebook-Abonnenten. Und jeden Tag kommen neue hinzu.

Aber nur ein kleiner Teil davon wird auch einen Beagle haben, glauben Sie mir das bitte, denn das ist abhängig von Eignung und Befähigung, und beides wird vorher geprüft.

Wann also wird sich die Erkenntnis durchsetzen, dass wir Tierschutz zugunsten dieser Hunde betreiben? Ehrenamtlich! Als Dienstleistung! Und ganz mies kalkuliert sind die "Preise" ohnehin!  Ich hab die ganze Zeit drauf gewartet, wann einer fragt "Preise sind VB, oder?" Soweit kam es zum Glück dann doch nicht.

Zudem sind wir bei all der Publicity immer wieder erstaunt, wie viele Menschen noch nie von Laborhunden gehört haben.  Und was es für Vorstellungen gibt.  Manch einer glaubt, man marschiert als Interessent in die Institute herein wie in ein beliebiges Tierheim, und sucht sich dann den augenscheinlich am wenigsten verstörten Hund aus. Deshalb wollen auch alle einen Welpen, egal von wo, weil, gerade die Kleinen müssen ja wohl am dringendsten beschützt und folglich gerettet werden, sind aber hoffentlich auch am wenigsten bekloppt.

 

Wenn jemand nach dem Verhalten fragt oder schlichtweg  lapidar "stubenrein?!" wissen will, dann verschlägt es sogar mir erstmal die Sprache. Auch Leute, die wiederholt nach dem Alter der Welpen fragen, kann ich nicht so ganz ernst nehmen. Bitte, was assoziieren Sie denn im Allgemeinen so mit dem Begriff "Welpe?" 

Stubenreinheit, ein gutes Stichwort. Vielleicht schafft es ein Züchter, seine Welpen fast stubenrein abzugeben. In den Forschungsinstituten ist es leider nicht so, dass 24 jungen Hunden jeweils ein personal trainer zur Seite steht, der alle zwei Stunden mit ihnen rausgeht.  

Übrigens auch nicht den älteren Hunden. Grob auf den Punkt gebracht: die Hunde machen dorthin, wo sie wollen, es ist sozusagen egal. Da muss man innerhalb eines normalen Familienverbandes  un in Wohnungen, die nicht durchgängig pflegeleicht gekachelt sind, dann ein wenig dran arbeiten ;-)

Anscheinend müssen wir doch noch sehr viel Aufklärungsarbeit leisten.

 

Zwei Fakten möchten wir hier beleuchten. 1.: nicht für jeden ist ein Beagle der richtige Hund.  2.: wo ein erwachsener Beagle gut aufgehoben ist, passt noch lange kein Welpe hin.

Da im Moment etliche Vermittlungen leider nicht zum gewünschten Ziel führen, verzeihen Sie uns bitte diese längere Erläuterung.

Vermittlungsarbeit kostet enorm viel Zeit und persönlichen Aufwand. Es ist bedauerlich, wenn man nach acht Mails und drei endlosen Telefonaten am Ende doch nicht zusammenkommt, weil zu große Vorbehalte bestehen. Dem lässt sich nur durch ganz viel Information entgegensteuern. Unsere Bitte daher lautet: informieren Sie sich. Nehmen Sie sich an diesem Novembertag ein, zwei gemütliche Stunden und lesen Sie, was wir Ihnen nahebringen möchten.

 

Wir haben in Moment sehr viele Hunde zu vermitteln. Bei manchen Interessenten erweckt dies den Eindruck, wir müssten die Hunde schnellstmöglich loswerden und seien daher gewillt,  auch große Kompromisse hinsichtlich unserer Vermittlungskriterien in Kauf zu nehmen.

Dem ist nicht so.  Indem wir von einem Institut 24 Welpen übernehmen, gehen wir eine enorm große Verantwortung und ein enorm großes Risiko ein.

Wenn diese Welpen nicht sofort vermittelt werden, ist das zwar logistisch ein bisschen schwieriger und teurer, aber wir schaffen das schon.  Dann werden die jungen Hunde eben den Jahreswechsel in Pflegestellen verbringen.  Wir müssen sie nicht um jeden Preis vor Weihnachten noch loswerden wie vom MHD bedrohtes Weihnachtsgebäck und schlappmachende Christbaume, und ganz sicher werden sie auch nach Weihnachten nicht billiger. Wofür halten Sie uns? Für den Media-Markt?

 

Ganz viele Anfragen bei uns schließen mit dem Satz: "bei uns hätte der Hund das Paradies!"

Tja, das sagen Sie.  Zum einen haben wir das Problem, dass "Hund" und "Beagle" mitunter zwei verschiedene Dinge sind.

Vielleicht wäre eine andere Hunderasse wirklich überglücklich bei Ihnen, nur ein Beagle, also eine Laufhund, ein Jagdhund -nein, der wohl eher nicht.

 

Das Paradies sieht eben für jeden anders aus.  Dem einen käme eine Wohnsitznahme im nächsten Fressnapf-Markt gerade recht. Dem nächsten wäre das viele Publikum dort und das ständige kommen und gehen ein Graus, und nach drei Wochen wäre der Hund ein ängstliches Nervenbündel mit Phobie vor automatischen Türen. Das Paradies des dritten ist ein großes umzäuntes Grundstück, wo man nach Herzenslust buddeln und spielen kann.  Und ein anderer findet sein Glück nur bei stundenlangem Schnuppergassi im Wald.

Keinesfalls ist ein Beagleparadies ein Zuhause, wo der Hund morgens und abends mit einer Stunde Spazierengehen abgespeist wird. Für all diese individuellen Elysien brauchen Sie den passenden Hund - einen kontaktfreudigen ohne Jagdtrieb und Fluchttendenzen für den Job im Einzelhandel, einen nervenstarken für Ihre beiden Kinder, einen sehr genügsamen (man möchte sagen, scheintoten) für zwei kleine Gassigänge am Tag.

Ablehnen würden wir die Hunde niemals, noch nicht mal, wenn es noch mehr wären. Es ist für sie auf lange Zeit die letzte Chance, entlassen zu werden. Vielleicht ist es sogar die einzige Chance in ihrem ganzen Leben. Vielen interessanten scheint daher nicht klar zu sein, um was es uns geht.

Manche scheinen den Eindruck gewonnen zu haben, wir hätten einen Schwung Sonderposten erworben, die es nun möglichst rasch zu verticken gilt.  Wir sind aber keine Gebrauchtwagen- oder Möbelhändler, die schnell wieder Lagerkapazitäten schaffen müssen.

 

Dies ist eine sehr lange Aufzählung.  Aber nach 4 Wochen vieler, vieler Mails und Telefonate ist es nötig, noch einmal etwas zu verdeutlichen. Klartext zu reden, ist uns bereits bei den ersten Telefonaten mit Ihnen ganz wichtig. Es hilft keiner der beiden Parteien, wenn man blumig um den heißen Brei herumkreist - Punkte, die Fragen aufwerfen und zu Problemen führen könnten, müssen angesprochen werden.

Deshalb sind manche Gespräche unerwartet kurz. Manche Interessenten rufen dann einfach die nächste Vermittlerin an und wandeln, nun geschult, ihre Aussagen zu Haus, Hof, Lebensumständen und Motivation ein wenig ab. Leider ist es im Endeffekt nicht sehr nützlich. Bitte verstehen Sie uns: wir haben gegenüber diesen Hunden, die nichts von der Welt wissen, und gegenüber den Instituten und nicht zuletzt unseren Förderern eine Garantenstellung. Es hilft nicht, wenn die Hälfte der Vermittlungen am Ende scheitert oder aus einem grundsätzlich offenen Hund und seinen neuen Menschen nach drei Wochen eine Reihe Nervenbündel geworden sind.

 

Sie brauchen für einen Welpen Empathie, die nichts mit dem hehren Anspruch, ein armes Laborhündchen zu retten, zu tun hat.  Sie brauchen ihre Empathie insbesondere dann, wenn Ihr süßer Welpe Ihnen die Nacht zum Tag macht (weil er raus will/muss oder weil er zahnt) und ihre Schuhkollektion zu einem Fall für die Müllkippe. Junge Hunde sind eben nicht nur süß, sondern vor allem anspruchsvoll. Und nerven können sie auch! Die Welpenzeit überstehen die meisten Hundehalter dennoch irgendwie. Problematisch wird es oft, wenn der süße Kleine pubertär wird. Das ist die kritischste Zeit im Beagleleben, auch beim Laborhund - die meisten Rückgaben finden entweder mit 12 bis 18 Monate jungen Hunden statt (und dann wieder, wenn sie alt und krank werden).

 

Besonders bitter ist es, wenn die Vermittlung am Tag der Übergabe in letzter Minute platzt. Da fährt die Vermittlerin im Rahmen ihrer Tour in einen ziemlich entlegenen Winkel des Landes, um nach 600 Extrakilometern, die sie für diese Fahrt auf sich genommen hat, dann am Wohnort der vermeintlich neuen Halter eine von der telefonischen Beschreibung im Bewerbungsgespräch stark abweichende Situation vorzufinden. Der Garten entpuppt sich als Mülltonnen-Abstellplatz,  die Wohnung liegt im sechsten statt im zweiten Stock, die Haustür, die angeblich nach hinten zur verkehrsberuhigten Wohngegend führt, geht doch direkt auf vielbefahrene Verkehrsader mit bimmelnder Straßenbahn, die Leute sind gar nicht zu Hause oder haben plötzlich doch keine Erlaubnis vom Vermieter.

Dann hat die von den verblüffenden neuen Umständen überraschte Vermittlerin plötzlich die unangenehme Aufgabe, den Menschen zu verklickern, dass der ersehnte Welpe hier nicht aussteigt, sondern wieder mitgenommen wird.  Das führt natürlich immer zu Diskussionen,  Ärger, Unzufriedenheit.

 

Gleich zweimal ist das innerhalb der Welpen-Tour passiert. Von diesen Fahrtkosten sieht die LBH auch niemals einen einzigen Cent wieder, abgesehen von dem Ärger und der Belastung, die man hat. Natürlich ärgern sich die auf den letzten Metern abgewiesenen Bewerber auch – aber hey, das ist gerade wirklich unser geringstes Problem, vielleicht hätten Sie ja einfach von Anfang an mit offenen Karten spielen können! Sie telefonieren sich die Finger wund, um Ihrem Unmut Luft zu machen. Währenddessen haben wir die Kleinigkeit von Problem, den überzähligen Welpen noch ein paar hundert Kilometer weiter zu transportieren und natürlich auch irgendwo unterzubringen. Für wie dämlich halten uns die Leute denn?

 

Zum Glück merkt man meistens schon viel früher, dass einem hier wieder jemand was vom Pferd erzählen will. Ein paar Blüten aus dem bunten Vermittlungsgarten: „Ich möchte einen Welpen für meine Eltern.  Sie sind zwar schon 75, aber so ein junger Hüpfer würde ihnen bestimmt ganz gut tun.  Dann kämen sie auch mal raus.“ Also, die Eltern. Hmhm.

 

 „Ich hätte gern einen kleinen Hund, weil wir immer mit dem Wohnmobil in Urlaub fahren, der Hund soll dann im Vorzelt in die Box.“ Bitte: Ziehen Sie einen Mops oder anderen Gesellschaftshund in Erwägung! Oder eine Brieftaube.

 

„Ich will unbedingt einen Beagle retten, aber er müsste bei uns im Büro schon den Tag über brav sein.“

 

„Wir hatten noch nie Hunde und wollen deshalb lieber einen Welpen.“ Uh. Ganz falscher Ansatz, wirklich ganz falsch.

 

„Dreimal die Woche bin ich auch mal länger außer Haus, also, schon so acht Stunden. Wie schnell gewöhnt sich der Hund denn daran?“ Ja, Mensch, überhaupt nicht!!

 

Bei vielen Kindern nehmen Sie lieber gleich einen gemütlichen Neufundländer als einen Beagle mit Kulturschock. Oder Stofftiere. Und eine Reisetätigkeit ist mit einem Beagle auch nicht vereinbar, es sei denn, Sie sind wortwörtlich auf Wanderschaft.

 

Vielleicht möchten Sie sich generell erst noch einmal mit Hunden und ihren rassespezifischen Merkmalen an sich beschäftigen. Die FCI hat eine ausgesprochen sinnvolle Rasseeinteilung vorgenommen, mit deren Hilfe man direkt 95% aller Hunderassen aus dem eigenen Beuteschema aussortieren kann, und glauben Sie mir, die meisten zukünftigen Hundehalter können gar keinen Lauf- oder Jagdhund gebrauchen. Genauso wenig übrigens wie einen Hüte- oder sogar Herdenschutzhund, aber das ist ein anderes Thema. Für die weitaus meisten Hundehalter kommen einfachere Rassen in Frage, es sei denn, Sie sind überaus aktiv, masochistisch oder sonstwie auffällig, wenn es um Hunde geht.

Nachdem wir auf diese Weise wahrscheinlich 50 Interessenten verprellt haben, trennt sich die Spreu vom Weizen. Es scheiden sich bald die Geister – diejenigen, die einen aus der GOTT SIND DIE SHUGAR-Truppe schließlich ihr eigen nennen können, sind hellauf begeistert von uns und lassen sich davon auf Wolke Sieben durch das Tal der weniger schönen Begleitumstände der Welpenerziehung tragen.

Diejenigen, bei  denen wir  aus den unterschiedlichsten Gründen leider von einer Vermittlung abgesehen haben, spammen uns mit Mails zu, machen bei Facebook Selbsthilfegruppen (contra Laborbeaglevermittlerinnen) auf und schreiben uns böse Nachrichten, wie unverschämt hoch das Ross ist, auf dem wir angeblich sitzen. Als hämischer Nachsatz steht da: „….und die Spende habe ich gleich wieder storniert!“ Tja, dann….

 

Da müssen wir wohl durch. Sie haben in solchen Fällen zwar nichts von der Bedeutung der Begriffe „Tierschutz“ und „gemeinnützig“ verstanden, aber das gehört dazu. Ist zwar ein Zeugnis schlechter Kinderstube und über Enttäuschung habe ich schon andernorts genug referiert, aber sei es drum – außer den fünf Prozent SO gibt es ja zum Glück noch die 95 % ANDERS.

 

Die weitaus meisten Abgelehnten nehmen sich die guten Worte nicht zu Herzen, können in ihrer immens gekränkten Gemütsverfassung nicht einsehen, dass es für sie ohne Beagle besser ist, sondern sinken in ihren Ansprüchen, gehen nicht zum Züchter, weil zu teuer, auch nicht ins Tierheim oder zu einer anderen Orga, sondern rennen dann zum nächstbesten Vermehrer. Vielleicht auch einfach aus Trotz, um uns und sich selbst zu beweisen, dass sie eben doch einen Hund kriegen können. Außerdem kann man da das Tier auch gleich mitnehmen, ohne dieses lästige Fragen- und Vorkontrollentheater. Das alles eben zu Lasten eines armen Hundes, der halt doch nicht dort hin passt und nun beim Vollzeitberufstätigten 10 Stunden am Tag allein rumhockt und heult, interessiert ja auch keinen,  bis der Hund dann wieder abgegeben wird.

 

Wir vermitteln im Interesse der Hunde, und im Grunde geht es auch nur um die Hunde. Manch einem Menschen treten wir dabei unschön auf die Füße, und vielleicht sind auch manchmal Fehlentscheidungen dabei. Das tut uns leid. Aber definitiv geht es bei besonderen Hunden nicht um das Ego einer erwachsenen Person.

 

*Brauchen tat dann das kleine Karlchen eine Woche vor Weihnachten eine Pflegestelle. Und zack, kamen wir zu Welpenerfahrung Nr. 4.

 

P.S.: Von diesem Text gibt es zwei Versionen.  Diese hier war die unfreundliche. Um  das Zartgefühl der Übernehmer und Anrufer nicht zu verletzen, wurde auf der LBH-Seite vorab die zahme Version veröffentlicht.