...die Eder-Beagle(s)
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Brief an einen Vermehrer, Version 2017

Die Anredefloskel spare ich mir – es will mir einfach keine, der Situation und der Beziehung, die wir zu Ihnen herstellen mussten, angemessene einfallen.  „Sie blödes Arschloch“ würde mir gefallen, aber sowas schreibt man sicher besser nicht.

Dies ist kein freundlicher Text. Er behandelt kein schönes Thema und hat einen tragischen Hintergrund. Und leider tritt es mit uhrwerkgleicher Genauigkeit alle Jahre wieder auf den Plan, weil so viele Menschen sich um ein Lebewesen, dass sie in ihre Familie holen, oft weitaus weniger Gedanken machen als um Anschaffungen wie Autos, Handys oder Möbel. Obwohl ein Hund einen normalerweise länger begleitet – sofern er kann.

Tierschutzorganisationen arbeiten gelegentlich zusammen, und das ist auch gut so. An uns wurde herangetreten mit der Bitte, mehrere Ihrer Hündinnen zu übernehmen, da Ihnen u.a. durch Auflagen des zuständigen Veterinäramtes die Zucht verleidet wurde und der "Betrieb" rasch aufgelöst werden musste. 11 Welpen und mehrere Hundemütter mussten schnellstens anderweitig untergebracht werden.

 

Die Laborbeaglehilfe erhielt im Januar 2014:

·zwei Beagle-Cocker-Welpen,

·eine frischgebackene Hundemama nebst 3 Welpen

·sowie zwei trächtige Hündinnen.

Alle Hunde waren äußerlich wie innerlich übersät mit allen möglichen Parasiten. Die Hündinnen litten unter Stresssymptomen, sie bluteten.

Die Mix-Welpen sind in freundlichen Pflegestellen untergebracht worden und konnten inzwischen auch in ein Zuhause vermittelt werden. Es ist ein Glück, dass diese beiden Hunde offenbar keine gesundheitlichen Schädigungen aufweisen.  Die Mutterhündin mit ihren drei (noch verbliebenen?) Welpen zog in eine teaminterne Pflegestelle.

Welpen, die man inzwischen übrigens fast in Gold aufwiegen könnte, so hohe Tierarztkosten haben sie bereits produziert – aber das braucht Sie ja nicht zu kümmern. Ebenso wenig wie das Leid der Pflegestelle, die sich in den ersten schwierigen Tagen täglich mit dem Jammer der kleinen Hunde, die sich kaum auf den Beinen halten konnten, konfrontieren musste. Die den Tod des einen und die ständige „24/7“ Sorge um die beiden anderen mit Krämpfen und Futterverweigerung stemmen musste. Damit haben Sie ja nun keine Last mehr, wie schön für Sie. Empathie scheint ohnehin keine Eigenschaft zu sein, mit der man sich in diesem Geschäft behängt.

Wir neigen wahrlich nicht dazu, Feindbilder zu konstruieren, aber so ganz wert- und emotionsfrei lässt sich mit diesem Thema gerade leider nicht umgehen. Wir sind nämlich Betroffene! Ja, durchaus freiwillig, denn wir haben ziemlich schnell „hier!“ geschrien, als es hieß, es müssen Beagle untergebracht werden. Wir waren wütend, hilflos, sprachlos. Wir dachten darüber nach, Anzeige zu erstatten wegen des schlimmen Zustandes, in dem die Hunde vegetieren mussten. Diese – Ihre! – „Zucht“ ist aufgelöst, weil Sie, der Vermehrer,  die Auflagen nicht erfüllen konnten oder wollte. Woanders wird munter weitervermehrt.

 

Unsere gute Erziehung (und das Strafgesetzbuch) verbietet uns, in klaren Worten darzulegen, was wir Leuten, die mit Tieren derart verfahren, wünschen.

Unser Verein und das Forum unserer Homepage setzt sich zusammen aus Menschen, die sich um ihre Tiere sorgen, die für sie sorgen, die mit ihnen und auch für sie leiden und sie lieben. Wir haben schon mehrmals über unsere Ansichten zu Vermehrungen geschrieben, und wir setzen voraus, dass allen Lesern die Problematik bekannt ist.

In diesen Tagen erleben wir leider live und in Farbe, wie es ist, mit den Produkten und den Leidtragenden der Massenproduktion. Und offen gesagt: wir kriegen das Brechen, wenn wir sehen, wie es endet.

Am 28.01. wurde uns durch die teaminterne Pflegestelle ein Video zur Verfügung gestellt, das zeigt, dass die kleinen Welpen sich kaum bewegen können. Wir schoben dies zunächst auf die bisherige Mangelentwicklung in Kälte und mit schlechter Ernährung. Eine hinzugezogene Physiotherapeutin versorgte die Pflegestelle mit Übungen und Tipps, um den Hundekindern auf die Beine zu helfen. Es ergab sich dennoch der Verdacht einer neurologischen Schädigung, möglicherweise einer Virus-Erkrankung.

 

Am 30.01. musste die kleine Hope eingeschläfert werden. Mehrere schwere Krampfanfälle hatten zu Hirnschäden geführt und machten ihr ein Weiterleben unmöglich.

Am 01.02. begann der kleine Rico, ähnliche Symptome zu zeigen. Durch umsichtiges Handeln der Pflegestelle und einer guten Zusammenarbeit mit der behandelnden Tierärztin konnte Rico mithilfe von Antibiotika stabilisiert werden, er hat sich mittlerweile erholt und verhält sich größtenteils so, wie man es von einem Hundewelpen erwartet. Hope ist obduziert worden, weil wir Gefahr für das Leben der anderen in der Pflegestelle befindlichen Hunde befürchten mussten.

Hopes Tod ist auf die üblen Zustände ihrer Herkunft zurückzuführen, die ihren Organismus neben einer Reihe Würmer und Infektionen, verbunden mit unzureichender bzw. falscher Ernährung, zu sehr schwächten. Sie starb letztlich an einer Lungenentzündung.

Als wir die Nachricht bekamen, dass wir Welpen und (zunächst nur eine) trächtige Beaglehündin übernehmen können, war die Freude (und die Erleichterung über das Ende des Martyriums zumindest für diese Hundemama) groß. Es juckte uns in den Fingern, euphorische Meldungen zu verfassen à la "WIR WERDEN MUTTER" und/oder „WELPENALARM“.

Das sichtbare Elend der Welpen und dann der Tod der kleinen Hope hat uns schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Wir hoffen, dass Debbie und Dolly, die beiden Beagledamen, die hiermit garantiert zum letzten Mal werfen müssen, alles, was kommt, gut überstehen - und dass nicht noch einer der kleinen Wichte die Geiz-ist-Geil-Mentalität der Menschen mit dem Leben bezahlen muss.

 

Diesen Artikel schreibe ich mit einem grässlichen Kloß in der Kehle. Es rumort in meinem Kopf und in meinem Bauch, vor Wut, vor heiligem Zorn auf geldgeile, gewissenlose, verantwortungslose, arrogante Menschen, die sich anmaßen, in Tieren Ware zu sehen und nichts als eine lukrative Möglichkeit, Geld zu machen.

Das Schicksal der Hunde, insbesondere der Mütter (es sind aber ebenso auch die Deckrüden bei den Vermehrern, denen ein tierwürdiges Leben verwehrt wird) ist nicht von Belang. Bei jeder Läufigkeit belegt, gehalten ohne jegliche Zuwendung und versorgt nur mit dem Allernötigsten (ein warmer Platz gehört nicht unbedingt dazu), sind diese Hündinnen einer Maschine gleich, die selbstverständlich keine Wartungskosten verursachen darf. Mit den Hunden vermehren Sie deren Mankos: Herzkrankheiten, Epilepsie, HD. Wen interessiert die Qualität der inneren Organe und deren tadellose Funktion, wenn man ein paar Welpen mehr auf den Markt werfen kann!  Inzucht lehnen Sie nicht ab, ja warum auch, von den Mendel‘schen Regeln haben Sie noch nie gehört.

Ab und zu werden Rassen gemischt, die zu Hunden führen, die kein Mensch mit Verstand will, die unführbar sind und  die sich nicht mal selber wohlfühlen, weil sie kaum wissen, wohin mit ihren Verhaltensauffälligkeiten und den konträren Charakterzügen, die man besser nicht verpaart hätte. Sollen sich die neuen Besitzer drum kümmern, die Tierärzte wollen ja schließlich auch leben! Oder machen Sie sich um die Zukunft Ihrer Hunde erst gar keine Gedanken? Was für ein geniales Geschäftsmodell.

 

Inseriert werden die Hunde dann im Internet auf allen möglichen passenden Plattformen. Es sind Beagle-Cocker-Mischlinge, Beagle-Jack-Russel-Mixe,  reinrassige Beagle….bestimmt gibt es irgendwo auch noch Cocker/Jack-Russel-Mixe oder weiß der Himmel was noch alles für irrsinnige Kombinationen. Bei dieser immensen Bandbreite auch noch auf genetisch unproblematische, gesunde Elterntiere oder die realistische Möglichkeit rezessiver Vererbung in Betracht zu ziehen, wäre vermutlich etwas viel verlangt. Aber etwas Wärme und ordentliches Futter hätten doch drin sein können?

Dass Debbie am Valentinstag sechs (offenbar gesunde) Welpen zur Welt gebracht hat, stimmt uns etwas versöhnlicher. Auch eine dritte trächtig „entlassene“ Hündin ist im Schutze einer anderen Organisation inzwischen Mama von sieben Welpen. Dolly  hat am 23.02. sechs Welpen das Leben geschenkt. Alle erholen sich bei guter Pflege zusehends, auch die sehr geschwächte Dolly.

Diese rund zwanzig neu geborenen Hunde hätten den Start ins Leben eigentlich auch in einem kalten, dreckstarrenden Verhau erleben sollen – wenn das Veterinäramt nicht gerade noch rechtzeitig eingegriffen hätte.  Wir möchten nicht spekulieren – aber wie viele dieser Hundebabys hätten die ersten Wochen überlebt? Wieviel „Schwund“ rechnet man denn ein, wenn man Hunde aller Art vermehrt,  wie andere Leute Salatköpfe?

 

Debbies Welpen und auch Dollys Wurf, der in Kürze zu erwarten sein dürfte, haben Glück gehabt und die Chance, bestens sozialisierte und wunderbar gesunde Hunde zu werden. Die Hundemütter haben ihren letzten Wurf hinter sich bringen können.

Zwei Teammitglieder betreuen die Welpen. Bitte drücken Sie mit uns die Daumen, dass diese kleinen Hundejungs – und die, die bald noch erwartet werden – es schaffen, bei uns groß zu werden. Und für die Hundemütter hoffen wir, dass sie die unglaublichen Strapazen ihres bisherigen jungen Lebens hinter sich lassen können und irgendwo ein glückliches Beagleleben führen dürfen.

So, wie es sein soll.

 

Es gab dann immer mal wieder einzelne Hündinnen aus Belgien, Frankreich, auch aus Deutschland. Auch Welpen in komischer Verfassung tauchten zwischendurch immer mal wieder auf. Alle diese Hunde haben wir übernommen, bezahlt (Hunde aus dem Ausland kosten Geld, es müssen anteilige Fahrkosten übernommen werden) und fast immer stante pede zum Tierarzt geschafft, was jedes Mal eine gesalzene Rechnung nach sich zog, aber was will man machen, wer A sagt, muss auch B sagen.

Mitte Januar 2017 haben wir vier Hündinnen von einem anderen Vertreter Ihrer Zunft übernommen.  Camilla  (*2009) und  Leila (*2011) sind Töchter von Fee, deren Geburtsdatum mit 2007 angegeben wurde. Außerdem ist da noch Mia, *2009.

Im späten Frühling kam der Deckrüde Ebbo, *2009,  zu uns. Über Ebbo kann ich noch nicht schreiben, das ist noch zu frisch und tut noch zu weh. Ebbo ist am 4. Juni gestorben.

 

Die Hunde stammen nicht von irgendeinem osteuropäischen Markt oder aus einer der Massenbeschlagnahmen mitten in Deutschland, von denen man ab und an hört. Es sind Tiere eines Züchters aus dem benachbarten, hochentwickelten Industrieland Frankreich, der Grande Nation. In Frankreich haben die Hunde noch weniger Lobby als anderswo, aber der Zwinger des Züchters hat erstaunlicherweise einen guten Ruf, es sind Hunde aus namhaftem Hause, mit guten Papieren und  sogar einer langen Ahnenreihe. Die Welpen finden Käufer im In- und Ausland.  Die Welpenkäufer waren bestimmt begeistert und haben eine Stange Geld für ihren supertollen Hund hingelegt.  Da ist man schon geneigt, zu glauben, dass die selbstverständlich gesunden Mutterhündinnen in ordentlichen, wenn nicht gar gepflegten Verhältnissen empfangen, gebären und ihre Welpen aufziehen, bis diese dann in einem vernünftigen Alter (>10 Wochen) ihre Welpenkisten verlassen dürfen. Um die Welpen muss man sich hier keine Sorgen machen, außer, dass sie vielleicht zu früh abgegeben werden. Es sind die Mütter, um die es geht.

Nun weiß man, dass Zuchthündinnen allgemein kein besonders freudvolles Leben haben. Sie haben einen Job zu erledigen und eine Quote zu erfüllen. Man nimmt aber an, dass sie zumindest gesund erhalten und einigermaßen ernährt werden, schließlich sollen sie noch recht viele fitte Welpen in die Welt setzen. Man ahnt auch, dass Mutterhündinnen aus Großzuchten und Vermehrungen ein noch etwas bescheideneres Schicksal haben.

 

Aber vermuten Sie hinter der von-und-zu-Zucht mit dem tollen Namen einen Vermehrer? Na also. Dabei gibt es sogar in Deutschland Personen, die hinter dem klangvollen Titel ihrer erstaunlich zahlreich vorhandenen Würfe mieseste Ausbeutung betreiben. Nun meint man, Zucht in gutem Namen ist eine Art Manufaktur, in der man handverlesene, handaufgezogene, in jeder Hinsicht perfekte Hunde aus optimalen Verhältnissen bekommt. Falsch!  Zucht ist manchmal Massenproduktion, und die Akkordarbeiterinnen sind die Hundemütter.

 

Mittlerweile ist es schwieriger geworden,  Ihresgleichen voneinander zu unterscheiden. Die Billigwelpen sind längst  keine Billigwelpen  mehr. Aber auch die Welpen für 1200 €  stehen bis zum Bauch im Mist, vor der Vorstellung werden sie aufgehübscht, und Ihre übers Ohr gehauenen Käufer  merken erst viel später, was los ist. Vermehrer sind Geschäftsleute. Wenn sich der billig produzierte Nachwuchs für 1200 €  besser verkaufen lässt  als für 500, und den Welpenkäufern damit auch noch das schlechte Gefühl bei der Sache genommen wird – ja, dann gern, super Idee! Nicht, dass irgendetwas von der Kohle Ihren verbliebenen Zuchttieren zu Gute kommen würde. Gewinn ist schließlich Umsatz minus Investition,  rechnen können Sie ja. Sparmaßnahmen gibt es viele: Hunde von irgendwelchen Privatleuten billig abgeschwätzt, extrem günstiges Futter, davon aber zu wenig, kein Tierarzt, ungeheizte Ställe auf Beton, Komfort sowieso nicht. Wenn die Hündin nach fünf Jahren und zehn Würfen an dem nächsten Welpen zugrunde geht, ist Ihre Rechnung längst mehrfach aufgegangen.

 

Richtig erstaunlich wird es, wenn man nach der Inobhutnahme,  innerhalb von  Minuten,  allmählich das Ausmaß der Verwahrlosung erkennt.  Dass die vier Hündinnen nicht mehr wirklich versorgt werden, sobald ihre Ausreise beschlossen war, kann man fast noch nachvollziehen.  Futter ist, wie jedermann weiß,  fast UNBEZAHLBAR, und wozu vier unnütze Mäuler stopfen?

Aber dass die Hunde bis zum Himmel stinkend, gebadet in ihrem eigenen Urin und das Fell verklebt von Kotplatten, wie man sie sonst nur bei Kühen in schlechter Stallhaltung sieht, mit verklebten, tränenden Augen und Ohren voller Milben, Hefepilze und sonstwas, über Stunden und Tage hier her gekarrt werden, ist schon schwer zu ertragen. Die Zähne sind unisono in grauenhaftem Zustand, von vereiterten Backenzähnen, komplett entzündetem Zahnfleisch  bis Lücken im Gebiss ist alles dabei. Einige haben wunde Pfoten und Bissverletzungen.  Die ärztlichen Untersuchungen, die zeitnah – nach einigen Bädern - folgen, zeigen Gesundheitsschäden, die man sich kaum vorstellen mag. Die eine hat beidseitig eingerollte Augenlider, die zu ständiger Augenentzündung führten, so, als ob ein Fremdkörper im Auge ist – jeder kennt das Gefühl. Eine andere scheint schwerhörig zu sein – eine Folge von Ohrenentzündungen, die über einen langen Zeitraum bestehen.

Hündin Nr. 3 blutet permanent und ist in Hitze, gleichzeitig aber schlapp. Das Blut ist klumpig, was das schlimmste befürchten lässt. Ihre Gebärmutterschleimhaut weist Reste von Heu oder Stroh auf, was zu ständigen Entzündungen und Endometriosen führt. Bei der Untersuchung stellt sich heraus, dass der Uterus Reste früherer Geburten enthält. Sie hat durch das dauerhafte Bluten eine Anämie entwickelt, ihr Blut ist zum Operieren noch zu dick, sie bekommt Infusionen. Am Ende wird ihre total verwachsene, brüchige Gebärmutter entfernt. Sie ist noch nicht mal sechs Jahre alt. Wie viele Welpen und Würfe unter mittelalterlichen Umständen braucht es, um einen Hundekörper so zu verwerfen?

 

Hündin 4 hat ein ähnliches Schicksal. Auch sie wird operiert, der Uterus zeigt Verwachsungen mit Niere und Blase. Die Ärztin sagt, dass für so etwas entweder ein schlecht ausgeführter Kaiserschnitt (Vermehrer machen so was schon mal selbst, diese Tausendsassas) oder aber eine Übertragung verantwortlich sein kann.  Fee und Leila haben  in beiden Milchleisten Tumore, die zum Teil schon eingeblutet waren.  Niemand kann sich vorstellen, was die Hunde erlitten haben, ohne Hilfe, ohne Ansprache, ohne Wärme und vernünftige Nahrung, ohne Schmerzlinderung, aber mit jeder Menge Gitterstäbe, an denen man sich die verbliebenen Zähne auch noch ruinieren konnte und immer dem nächsten Deckrüden in den Startlöchern.

 

Wie machen Sie das eigentlich nach einem Wurf? Schauen Sie Ihre Hunde an? Nehmen Sie wahr, wie es Ihnen geht? Interessiert Sie das? Oder geht das streng nach Plan: Hündin A ist wieder dran, also rein mit dem Rüden, ob Entzündung  oder nicht? Tiere als Gebärmaschinen. Schämen Sie sich manchmal? Vermutlich nicht. Das einzige, was man Ihnen, Sie Geldsack, zu Gute halten kann, ist, dass Sie die vier haben gehen lassen. Dafür werden aber sicherlich andere Töchter von Fee, wahrscheinlich auch von Camilla, von Leila und von Mia, die Produktion übernommen haben. Vielleicht fällt irgendwann mal jemandem auf, dass die Welpen weniger werden, dass die Mütter bluten und nicht mehr damit aufhören. Dann wenden Sie sich bitte einfach wieder vertrauensvoll an uns, wir machen das schon. Vielleicht schreiben wir eine wütende Fortsetzung dieses Briefchens, regen uns intern fürchterlich auf, echauffieren uns maßlos über Tierquälerei der schlimmsten Sorte, heulen wütend und fassungslos ins versiffte Fell Ihrer Hunde und wünschen Ihnen die Pest an den Hals, aber mehr haben Sie nicht zu befürchten.

 

Vielleicht hängen Sie als Franzose ja einer Descartes‘schen Weltsicht an.  Der Denker, ein Landsmann von Ihnen,  vertrat im 17. Jahrhundert die irre Idee, dass Tiere unfähig zum Empfinden von Schmerzen seien und einem Uhrwerk gleich funktionieren würden. Da passt es dann, nichts zu unternehmen, wenn Zähne und Wunden eitern, wenn Blutungen nicht aufhören und Welpen den Geburtskanal nicht vollständig verlassen.  Wir wünschen Ihnen Verzweiflung, Langeweile, Traurigkeit, Verzweiflung, Unfreiheit. Und Bauch- und Zahnweh ohne Ende. Das scheint Ihnen unsachlich? Ihre Hündinnen haben es ertragen, und dass sind nur die, die wir gesehen haben. Es werden etliche auf der Strecke geblieben sein.

 

In einer Welt, die zunehmend aus den Fugen gerät, wo Größenwahn an der Tagesordnung ist, wo Tierelend genauso lasch behandelt wird wie unwürdiger Umgang mit Menschen,  muss man sich vielleicht nicht mehr allzu sehr wundern über solche Auswüchse.

Diese Hunde. Sie sind klein, zart, gequält. Trotzdem sind sie freundlich, zicken nicht, beißen nicht, drehen nicht völlig am Rad. Das erstaunlichste von allem ist, dass die Hündinnen eine so enorme Regenerationsfähigkeit haben, einen unbedingten Willen zum Leben, und dies alles ertragen können, ohne Hoffnung auf Besserung. Das einzige, was ich Ihnen nicht unterstelle, ist ein Gewissen. Die Leute sehen Ihre Welpen und ahnen nicht im Geringsten, was für einen Sauladen Sie führen.

 

In Deutschland wie in Frankreich gibt es den Straftatbestand des Handelns durch Unterlassen. Gesetze sind toll, nur leider sind sie ähnlich zahnlos wie Ihre Hundedamen.  Leider wird niemand Sie anzeigen, erst recht nicht sanktionieren. Wir beißen uns an unserem Zorn die Zähne aus und werden Ihnen nicht beikommen können. Der Trost einer zukünftigen höheren Gerechtigkeit ist schwach, aber sonst gibt es ja nichts. Zudem müssen wir die Klappe halten, weil Sie uns Ihren Überschuss sonst nicht mehr geben würden. Vermutlich müssen Sie, als eine Art modernen Ablasshandel,  irgendeinen Nachweis für tierschutzkonformes Handeln erbringen, sonst wäre Ihnen doch die Idee, die Hunde an eine Tierschutzorga zu geben, im Traum nicht gekommen. Dennoch: solange den Leuten auf der Jagd nach dem billigsten Rassewelpen mit Ahnentafel immer noch nicht klar ist, nach welchen Gesichtspunkten man ein Tier erwirbt, werden wir Ihre Hundemütter nehmen, und mehr Geld in sie investieren, als gleich drei Ihrer verwünschten Würfe einbringen. Danach werden sie saniert, geheilt und kastriert sein und, sofern keiner der Mammatumore bereits gestreut hat, noch ein paar Jahre ein gutes Leben haben dürfen.

Unser Brief an Sie endet hier, in der Hoffnung, dass es zumindest Ihnen nicht mehr ermöglicht wird, auf eine solche Art mit Tieren umzugehen. Selbstverständlich, ja: es gibt Schlimmeres. Zuhauf. Im Tierschutz allgemein und bei Hunden im Besonderen, aber Ihre Hunde sind jetzt unsere, was die Sache sicher zum Besseren wendet.

 

In der unrealistischen Hoffnung, dass Ihnen ein passendes Schicksal (sehr gerne im Sinne eines der Dante’schen Höllenkreise, der war lange  vor Ihrem Descartes auf der Welt und ein höchst fantasiebegabter Italiener mit feinem Sinn für die tat- und schuldangemessene Bestrafung sadistischer Sünder) beschieden sein mag, verbleiben wir für heute,

 

die (niemals „Ihre“!) 

Laborbeaglehilfe.

 

P.S.: Wir könnten uns nun in Traurigkeit kleiden, ahnen aber, dass das die Misere nicht beseitigt.  Ihnen ist es ja auch sowieso egal,  denn an gutgläubig-blinden Welpenkäufern wird niemals Mangel herrschen, wodurch Sie sich zu einer gewissen Arroganz berechtigt sehen. Wir sind niemals für Sie, aber immer für Ihre Hündinnen  da, melden Sie sich einfach. Und falls Sie mal etwas Geld zu viel haben sollten: schicken Sie uns ein bisschen. Wir legen es sinnvoll an. Irgendeine Rechnung wird schon noch offen sein.

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Liebe Gäste und Interessenten, liebe Foris:  Suchen Sie  mal nach einem Hund bei ebay-Kleinanzeigen! Sie erhalten unzählige Treffer, und es sind eher selten die "liebevollen Hobbyzüchter", die noch den letzten Welpen in gute Hände loswerden wollen.  Googelt mal "Vermehrer"! Auch hier gibt es eine enorme Trefferquote, häufig mit schrecklichen Leidensgeschichten und endlosen Odysseen durch Tierarztpraxen, oft genug – zu oft - mit bitterem Ende. 2012 haben wir mit allen Mitteln versucht, gegen einen Vermehrer vorzugehen, der Beagle unter fürchterlichen Umständen „züchtete“. Er hat einige Auflagen bekommen, betreibt sein Gewerbe aber immer noch, mittlerweile ist der Sohn Geschäftsführer. Die Welpen werden, mit entzückenden Werbefotos, auf der bekanntesten Kleinanzeigen-Plattform online vertickt.

Lassen Sie sich beim Welpenkauf nicht unter Druck setzen, erst recht nicht mit mitleidsheischenden Verkaufsargumenten. Seien Sie aufmerksam. Nehmen Sie sich Zeit, vergleichen Sie. Vermehrer sind nicht mehr nur die aus dem Ostblock, die Hunde auf Märkten oder aus dem Kofferraum heraus verscherbeln. Mitten in Deutschland ist im Herbst 2016 eine riesige Zuchtanlage mit über 100 Hunden aufgeflogen, bandenmäßig organisiert, mit über 100 Tieren, viele davon trächtig, fast alle verwahrlost.

Können Sie sich vorstellen, wie elendig Hündinnen an einer unbehandelten Pyometra verrecken? Wie lange es dauert, bis Zähne an Gittern bis auf den Stumpf abgeschliffen sind, aus Langeweile, Hunger und Verzweiflung? Was wäre aus Camilla und Co. geworden, wie lange hätte es noch gebraucht, bis der geschundene Körper aufgibt?

Die sehr informative Website "Das Leid der Vermehrerhunde" ist empfehlenswert für alle, die mehr wissen möchten - aber seht Euch vor. Auch, wenn man schon einiges erlebt hat in Sachen Tierschutz, ist es schwer, hier nicht mit geballten Fäusten und Tränen im Gesicht vor dem Bildschirm zu sitzen.

„Leid der Vermehrerhunde“ hat zur Auswahl eines Welpen eine sinnvolle Liste erstellt. Ihr findet sie im Anhang des LBH-Buches.