...die Eder-Beagle(s)
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Facebook & andere Dummheiten, Part 4

Von Jägern, Sammlern und Tierschützern

 

 

Mit Zurückweisung zurechtkommen, ist für den einen oder anderen nicht leicht. Immer wieder passiert das: bei Welpen besonders, oder wenn es gerade nur wenige süße kleine Marshalls gibt – nicht genug Hunde da für all die Interessenten, die von ihrer uneingeschränkten Eignung für alles restlos überzeugt sind.

Es kommt daher immer mal wieder vor, dass Menschen einen Hund aufnehmen möchten, andere Menschen aber einige Argumente haben, die exakt das verhindern sollen.

Prekär wird es, wenn die eine Partei (die potentiellen Übernehmer) das unbedingt und sozusagen bar jeder Vernunft und vollkommen resistent gegen jegliche Argumente will, die andere (die Übergeber bzw. Tierschutzleute) aber genau dies nicht befürwortet und aus bestimmten Gründen auch nicht gutheißen möchte.

 

Facebook erfüllt in diesen Fällen einen beispiellosen Auftrag als Selbsthilfegruppe. 

In unzähligen *Gruppen* kann man schön ein Riesenfass aufmachen und findet für jeden selbstverschuldeten Scheiß genügend Gleichgesinnte, die eifrig und völlig unreflektiert frenetischen Applaus spenden. Besonders dann, wenn jemand partout keinen Hund von dem bösen Tierschutzverein kriegt, und zudem einer sowieso schon oft gescholtenen Minorität angehört.

Man hat das Gefühl, diese Sorte Leute läuft bereits mit einer gewissen Grundhaltung, der Erwartung von drohendem Unheil, umher.  Bittet höflich und perfekt vorbereitet um die Vermittlung (Adoption) oder zeitweise Überlassung (Pflegestelle) eines Hundes und –zack!- kriegt die volle Breitseite der tierschützerischen Unfähigkeit ab. Die Ablehnungsgründe könnten lauten:

 

Nur weil ich Jäger bin!

Nur weil ich 6,7 Stunden außer Haus bin!

Nur weil ich drei unkastrierte Rüden hab!

Nur weil ich von Brustgeschirren und doppelten Sicherungen nichts halte und den lieber mit dem praktischen Kettenwürger führe!

Nur weil der Hund im Zwinger schlafen soll!

Nur weil wir unsere Hunde vegan ernähren!

Nur weil ich Tageskinder habe, neben meinen drei eigenen, und dabei sind die alle unter 4!

Nur weil ich noch nie Beagle hatte, dafür aber Schäferhunde, die in Unterordnung alle Preise abgeräumt haben!

Nur weil ich jeden Tag 5 km Fahrrad fahre und der Hund da selbstverständlich mit muß!

Nur weil ich nicht akzeptieren kann, dass mir keiner verraten will, aus welchem Institut der Hund kommt!

Nur weil ich keinen Zaun um den Garten habe! (okay, darüber könnte man reden)

Nur weil ich im 6. Stock wohne – wozu haben wir einen Balkon!

Nur weil ich keine Alternative zur Unterbringung habe, falls ich mal ausfalle!

Nur weil ich mal einen Hund zurückgegeben habe!

Nur weil ich schon beim ersten Pflegehund gescheitert bin! Ja, wenn ich doch keinen Trainer ins Haus lassen möchte?

 

Diskussionen darüber führen sämtliche Kriterien, die man sich als Vermittler von Tierschutztieren so setzt (irgendwelche Kriterien muss man sich ja mal setzen,  sonst braucht man keine Auswahlverfahren, keine Vorkontrollen und auch keine Tierschutzziele), ad absurdum.

 

Eine gewisse Ambivalenz ist allerdings oft vorhanden. Man kann den Menschen definitiv nur vor den Kopf gucken, und am Telefon kann man nicht mal das.  Sicher, ob ein Hund dort, wo wir ihn später abzugeben gedenken, wirklich richtig ist, können wir uns erst sein, wenn wir beim späteren Übernehmer vor der Tür stehen.

Sollte es nicht passen, nehmen wir den Hund wieder mit. Und wie groß das Geschrei dann ist, kann man sich gut vorstellen.

 

Die beiden letzten abschlägig beschiedenen Interessenten beklagten sich demzufolge öffentlich über unsere Arroganz, unsere mangelnde Transparenz, unsere dilettantische Beurteilung, unsere wenig professionelle Art, Hunde erfolgreich an den Mann zu bringen. Es entfaltete sich binnen weniger Stunden zweimal das, was man heute so gerne tut: ein Shitstorm.

Huch. Naja, da muss man in Zeiten von Facebook durch und die Nerven behalten. Ehrlich gesagt: wir hätten das alles vielleicht nicht mal mitbekommen, wenn es nicht immer liebenswürdige Zeitgenossen gäbe, die uns darauf aufmerksam machen.

 

Ab jetzt kann man alles nur noch falsch machen: Äußern wir uns dann irgendwie irgendwo dazu, sind die (dringend erbetenen) Erklärungen plötzlich Rechtfertigungen. Aber verweigert man die nahezu wörtliche Rekapitulation eines Gesprächs mit der Vermittlerin, das am Ende zuungunsten des Interessenten ausging, weiß „die rechte Hand nicht mehr, was die linke tut“.

Tierhaltung und Tierschutz sind überaus emotionale Angelegenheiten. Es wäre dennoch schön, wenn wir uns doch bitte alle wie Erwachsene verhalten könnten. Tragen wir es mit Fassung. Auch wenn es euch den Spaß vermiest - pardon, gerade dann!- wir werden den Sturm nicht noch durch eigene Kommentare befeuern. Es besteht -  die Wiederholung sei gestattet -  kein Rechtsanspruch auf die Vermittlung eines Hundes oder Ihre Nutzung als PS. Auch Drohungen in Form von "dann mach ich das öffentlich" führten bislang in den seltensten Fällen zu einer Anerkennung. Es ist Ihrem Anliegen auch nicht dienlich, uns in sozialen Medien mit einem Shitstorm an verletzten Gefühlen zu überziehen. Wir werden uns darauf nicht nachhaltig einlassen, sondern Sie einfach nur aus unserer Kartei streichen.

Es ist leider so: wir sind die an dem längeren Hebel. Am besten, Sie finden sich damit ab und versuchen es woanders, vielleicht da, wo das Personal weniger zickig ist.

 

Natürlich wird bei all den Anfragen und Vermittlungen auch mal eine falsche Entscheidung getroffen oder jemand, der vielleicht top wäre, fällt durchs Raster. Wer absolute Unfehlbarkeit erwartet, ist beim Tierschutz mit Ehrenamtlichen sowieso falsch.

 

Seit 10 Jahren vermitteln wir Beagle aus Laboren, von Vermehrern, und auch nicht gerade selten Jagdhunde, die ihr Jäger nicht mehr will. Einer dieser entsorgten Jagdhunde liegt hier unter meinem Tisch und schnarcht, nachdem er über Jahre mühevoll an Leib und Seele gesundgeliebt wurde. Ihr würdet es nicht glauben, was man alles so sieht, hört und erlebt.

Wir sind also nicht gänzlich unerfahren. Und obwohl alle Nase lang jemand daherkommt, der komplett ungeeignet ist zur Übernahme eines unserer Hunde, haben wir durchaus gewisse Erfolge zu verzeichnen. Seit 2007 haben wir mehr als 1850 Hunde vermittelt. Die allermeisten davon erfolgreich. Ergo: es geht! Man kann von der LBH einen Hund bekommen!

Voraussetzung  dafür ist eine gewisse Eignung. Dazu haben wir ein paar Kriterien erdacht. Wir machen die Kriterien wider Erwarten nicht alle paar Tage neu, und sie sind auch allgemein (=für Jedermann) gültig. Natürlich sind Kriterien subjektiv, und jede Vermittlung ist es eine Einzelfallentscheidung.

Was dem einen Verein ideal erscheint, kann dem anderen gerade ganz sauer aufstoßen. Ist es denn im Tierheim anders?

Und sollte eine PS großzügiger gehandhabt werden, weil der Hund nur vorübergehend da ist? Aber ein paar Schubladen zum Einsortieren von Bewerbern gibt es geben doch, und wenn wir uns an diesem Grundgerüst nicht orientieren würden, könnten wir die Beagle auch gleich an der nächsten Straßenecke unter der Bevölkerung verteilen.

 

Eine Ablehnung bedeutet meistens lediglich, dass jemand in seiner momentanen Situation für die Hunde, die wir vermitteln, nicht in Frage kommt (allerdings sind auch ein paar Zeitgenossen darunter, die FÜR IMMER nicht in Frage kommen. Denen sagen wir das aber auch ganz deutlich).

Es bedeutet nicht pauschal,  dass derjenige ein schlechter Hunde- oder Beaglebesitzer ist oder wäre. Schon gar nicht bedeutet die Ablehnung eine persönliche Zurückweisung oder Beurteilung des Charakters. Dies stünde uns selbstverständlich nicht zu.

Dennoch hat der Kontakt, der zwischen Interessent und Beraterin stattfindet, natürlich immer auch mit einem „Bauchgefühl“ und dem berühmten persönlichen ersten Eindruck zu tun. Beides entscheidet mit darüber, wie erfolgreich Ihre Bewerbung ist  und welcher der Hunde letztlich in Frage kommt. Aber wenn die Entscheidung nach einem solchen Kontakt kippelig ist, scheuen wir uns nicht, eine zweite Meinung einzuholen. Man kann sich täuschen.

Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir eher zu vorsichtig als zu locker handeln werden. Schlimmstenfalls endet die Vermittlung Ihres Laborhundes dann damit, dass wir ihn postwendend wieder abholen – oder sogar gar nicht erst übergeben.

 

Ja, das ist eine Enttäuschung. Sie wollen helfen, haben das Traumzuhause für Beagle aller Couleur, tun seit Jahren alles für Ihre Hunde, und die Zicken vom Verein verschmähen Sie.

Dann ist es eben so. Tatsächlich sieht die harte und bittere Wahrheit so aus: wir haben es in der Hand, und wir sind es, die entscheiden, ob Sie von uns einen Hund bekommen oder eben nicht. Wir suchen uns aus, mit wem wir arbeiten möchten. Und wir entscheiden, wer das ist. Noch schlimmer: wer uns nicht gefällt oder nicht so agiert, wie wir es gerne hätten, muss leider wieder gehen. Es gibt keinen Rechtsanspruch darauf, von der  LBH einen Hund vermittelt zu bekommen, es gibt keine Schiedsstelle,  keinen Verbraucherschutz, keine Klagemöglichkeit und auch sonst nix. Natürlich kann man gerne eine andere Vermittlerin anrufen, aber höchstwahrscheinlich wird die Entscheidung nicht revidiert. Ja,  das ist eine Form von Arroganz. Sogar von Despotismus.

Da sind wir jetzt einfach mal wieder arrogant, machen es uns auf unserem hohen Ross bequem und warten in Ruhe ab, dass uns die Tierschutzbeauftragten einen bösen Brief schreiben. Was in Anbetracht der Brisanz des aktuellen faux pas dort gewiss einen extrem hohen Stellenwert haben dürfte. Ach nee, die Ironie versteht doch wieder kaum einer!

 

Andere Vereine haben auch schöne Hunde.

Die Tierheime sind voll.

Es bleibt Ihnen unbenommen, unseren Vorstand anzurufen und sich zu beschweren.

Oder einfach eine andere Organisation auszuwählen.

Wer von uns keinen Welpen/Hund/PS-Hund bekommt, der möge es doch bitte woanders versuchen, aber glauben Sie mal lieber nicht, dass die Orgas sich untereinander alle die Augen auskratzen wollen (wegen der „Konkurrenz“, und alles) und aus purer gegenseitiger Antipathie auf einen Informationsaustausch verzichten würden.

 

Wer selbst mehrere Jahre Hunde gefahren hat, gepflegt hat, auch wenn sie in die Wohnung pinkeln und das eigene Auto vollgekotzt haben, der darf uns gerne kritisieren, maßregeln und blöd von der Seite anmachen.

Alle anderen können gern noch ein bisschen üben und sobald ein ausreichendes ehrenamtliches Scherflein zum Tierschutz beigetragen ist, nochmal vorbeikommen und bei uns auf den Putz hauen.

Wünschenswerte Tugenden wären Benehmen, zum Beispiel, Loyalität, oder einfach Zurückhaltung, dort, wo selbige angemessen wäre. Andererseits sind die orthografisch oft sehr eigenwilligen Posts natürlich eine unterhaltsame Bereicherung im täglichen Medienspiegel-Einerlei....

 

Wie wohltuend ist es dann, wenn jemand, der vor zwei Wochen einen Hund von uns haben wollte und schon nicht durch die erste Castingrunde gekommen ist, nun bei der Konkurrenz – (ach sorry, Konkurrenz darf man ja nicht sagen, alle ziehen im Tierschutz nämlich am gleichen Strang, klar) aus einem – huch! - anderen Grund abschlägig beschieden wurde. Spätestens dann würde ICH in eine gewisse Selbstreflexion verfallen und ernsthaft darüber nachdenken, ob möglicherweise ein kleines Quäntchen Wahrheit in dem steckt, was mir die missgünstigen Tierschutztanten erzählen.

Vielleicht haben wir uns wirklich geirrt und verzichten somit leichtfertig auf ein tolles Zuhause für einen unserer Beagle. Vielleicht kommt aber auch der nächste Verein, das nächste Tierheim, zu den gleichen Schlüssen wie wir.

Oder stellt noch mehr dumme Fragen, will noch mehr Sicherheiten, zickt noch mehr herum. Wie auch immer: Erzählen Sie von Ihren Erlebnissen, das baut den Frust ab und hilft heilen.

 

Wir sind uns dessen bewusst, dass die Beagle-Community eine gespaltene ist: die einen schwören auf den Hund vom Züchter, während dies für die anderen keine Option ist. Es spielen finanzielle und ethische Gründe eine Rolle. Wer keinen Hund vom Züchter möchte, landet früher oder später beim Tierschutz.

Tierschutz ist für die meisten Vermittler kein hohles Geschwätz, sondern es liegt ihnen wirklich etwas am Wohl des Tieres.

Und allein um dieses geht es – nicht um Ihre Egozentrik, Ihren gekränkten Stolz oder Ihre heilige Empörung.

Wenn also die Vermittler diesen Hund nicht in die zwei ZKB im 5. Stock Innenstadtlage vermitteln wollen, dann ist das vielleicht traurig für Sie, aber gewiss nicht für den Hund.

Genauso unrealistisch ist es aber, als Vermittlungsperson grundsätzlich darauf zu bestehen, Hunde nur auf gitterstabmattenumzäunte Grundstücke >500 m², ländlich, alle Kinder über 14 und kein Erwachsener länger als 3 Stunden außer Haus, vermitteln zu wollen.

Übrigens: dank Google können wir uns die angegebenen Adressen in 3D anschauen. Und wir nutzen dieses Instrument auch fleißig.

Es kommt vor, dass von uns abgelehnte Interessenten nach kurzer Zeit mit einem deutlichen „ätschibätschi“ in unsere Richtung einen Beagle, oftmals sehr jung, in einer der hochverehrten Gruppen präsentieren.  Die werden dann von ihrer Crowd begeistert beglückwünscht und gefeiert.

Wenn Ihnen am Ende der Suche aber keine Tierschutz-Orga, sondern nur die Vermehrer einen Beagle geben wollten, dann liegt es leider glasklar an Ihnen und Ihrer Situation.

Wartet man dann noch ein paar Wochen ab, verändern sich die Posts gern in eine bestimmt Richtung, was äußerst traurig mitanzusehen ist. Aus den Erfolgsmeldungen werden genervte Anfragen à la: „wer hat mit seinem Beagle schon mal...“ Wenn dann in einigen granatenharten Fällen am Ende der Lernkurve der Tipp steht:  „Versuch’s doch mal in der ‚Beagle sucht Sofa‘-Gruppe oder bei den Vereinen unter ‚Vermittlungshilfe‘…,“ dann lehnen wir uns bestimmt nicht süffisant grinsend im Sessel zurück.

 

Ärger gibt es neben geplatzten Vermittlungs-Träumen gern auch mit denjenigen, die mehr von uns wollten, als wir zu geben bereit waren: Informationen. Informationen, Insider-Infos, sind ganz besonders wertvoll.

Statt sich aber auf solider Basis schlau zu machen, was das Für und Wider zu einem Laborhund anbelangt, fragt man bei Facebook in Gruppen, wo tausend weitere Laien, die wenig Ahnung haben, blind im Trüben fischen.

Und dann reicht es einem von denen, die es tatsächlich wissen, und der postet dann etwas Mahnendes, allzu Sachliches.

Jetzt passiert folgendes: die anderen stürzen sich hyänengleich auf die – vermeintliche - arrogante Besserwisserei.

Am Ende stehen dort hundertfünfzig mehr oder weniger konstruktive bis seltsame Kommentare, die Fragestellerin ist kein Stück schlauer als vorher, sondern höchstens verunsichert, aber trotzig und wild entschlossen: na, denen werde ich es zeigen – so ein Laborbeagle ist genau das richtige für mich.

Mehr noch: ICH bin als personifiziertes Hundeparadies auf der ganzen Welt quasi die einzige, die diesem Tier einen Weg aus der nach jahrelang erduldeter, sinnloser Quälerei todsicher vorhandenen Depression weisen wird.

 

 

Aber wenn dann jeder irgendwo (s)einen Beagle gefunden hat – gibt ja weiß Gott genug!-, dann dürfen wir gern vorbeikommen und euch den Hund wieder abnehmen, sobald es diese total unerwarteten Schwierigkeiten gibt, die ihr trotz eindringlicher Beratung ja nicht wahrhaben wolltet? Und euch der vermeintliche Züchter oder die andere Orga nicht hilft? Die Hunde, die unüberlegt und gerne auch mal aus Trotz angeschafft wurden, weil weder der Jagdtrieb noch die Angst vor der Welt noch das zweijährige Kind noch der nur halb eingezäunte Garten für euch ein ernst zu nehmendes Problem darstellte.

Dann sind wir plötzlich wohl gelitten bei all den *Fachleuten*, die so freimütig den Tierschutz, die perfekte Hundehaltung und natürlich die absolute persönliche Eignung uneingeschränkt bescheinigt haben. Nur wir mit unseren komischen albernen Bedenken, die wir nach 10 Jahren Erfahrung haben, wir sind die Deppen, die Vollhorste, inkompetent, hirnrissig, idiotisch, dumm, frech, hochgestochen, und teuer und geldgeil noch dazu. Und dass die „Bitch von Vermittlerin“ natürlich keine Ahnung hat, was der Beagle im Allgemeinen und der Laborhund im Besonderen so braucht, versteht sich wohl von selbst.

Leute. Glaubt denn jemand im Ernst, nach so einer hässlichen Attacke (der ungefähr fünfzehnten) ziehen wir alle den Schwanz ein, rudern auf Anfang zurück und bringen Ihnen postwendend den nächsterreichbaren Hund? Oder melden schnellstens eingeschüchtert den Verein ab?

No.

Wir setzen Ihren Namen stattdessen in die passende Datei und sensibilisieren die anderen Vereine. Dann können Sie sich gerne einer anderen Obsession zuwenden, nur das mit der PS bei der Laborbeaglehilfe, das knicken Sie mal lieber.

Bevor jetzt noch die Datenschützer aufheulen: selbstverständlich würden wir erhobene Daten niemals weitergeben, aber das ist ja auch dank Ihrer tatkräftigen Mithilfe überhaupt nicht mehr nötig, das haben Sie schon für alle gut sichtbar selbst erledigt und unsere Namen, Fotos und Screenshots  auch gleich mit verbreitet.

 

Da fragt man sich: was wäre passiert, wenn unsere Pflegestellen-Fachkraft das Spektakel nicht schon im Vorfeld hätte kommen sehen? Ich will mir nicht vorstellen, wie enttäuscht die Familie mit den perfekt parierenden Gebrauchshunden, den drei Kita-und-Grundschul-Kids oder der pflegebedürftigen Schwiegeromi über den womöglich erstmal völlig verpeilten Labori gewesen wäre.

 

Manch einer – ein paar Fans haben wir ja! - schreit empört auf: „nun wehrt euch doch mal!“, aber hey: in der Zeit, wo ich den rhetorischen Müll lese, bewerte und kommentiere, telefoniere ich lieber mit jemandem, der wirklich Interesse hat.

Interessanterweise – wer hätte es gedacht! - kommen viele der Contras von Leuten, deren Daten bei uns in der Rubrik "nicht geeignet" geparkt wurden und somit dem jetzigen Krawallmacher Beschwerdeführer illustre Gesellschaft leisten. Wir sind auch nach 10 Jahren noch geistig in der Lage, die Ablehnungen zusammen zu kriegen - so furchtbar viele waren es ja nicht.

 

Wir arbeiten etwas anders als Ihr örtliches Tierheim. Allein aus dem Grund, dass wir deutschlandweit vermitteln, und dies mit nur wenigen Fahrern, wirft man uns gerne vor, die notwendigen Vorkontrollen nicht sorgsam wahrzunehmen. Falsch. Wir machen das nur in einem Rutsch, sonst hätten wir ja die doppelte Kilometerleistung. Bei berechtigten Zweifeln schicken wir auch mal im Vorfeld jemanden vorbei, aber gehen Sie lieber davon aus, dass  wir uns erst  kennenlernen, wenn der Hund kommt.

 

 

Auf den Plattformen ist es heutzutage nicht nur trendy, sondern schon auch ein bisschen sinnvoll, alles und jeden zu bewerten.  Wobei die Sache einen kleinen Haken hat: jemand bewertet etwas (einen Film, ein Unternehmen, ein Produkt – ein Buch zum Beispiel (sic!) - ,  oder einen Verein).  Die *Freunde* des Bewerters bewerten ebenfalls,  oder tuten jedenfalls ins gleiche Horn. Dann kommt jemand, der bewertet aus irgendeiner Verstimmung heraus negativ. Sofort finden sich genug Geschädigte, die über ein ähnliches Erleben zu klagen haben – wofür hat man denn Freunde ;-). Die Spirale geht abwärts.  

Kleine Bewertungskunde – schauen wir uns mal gemeinsam an, wie das läuft: Wer einen hübschen Hund von uns hat, ohne größere Schwierigkeiten mit ihm zusammenlebt, findet alles schick und bewertet uns positiv. Beaglemania, Tierschutz, tolle Sache, immer wieder gern.

Aber lehnen Sie einmal jemanden ab und begründen das nicht in 8 Kapiteln, knallt man uns eine Bewertung vor den Latz, dass man mit den Ohren schlackern könnte. Das ist dann das, was wir nicht so toll finden:  Verunglimpfung und die öffentliche, gruppenweise Verbrüderung mit denen, die schon vor Ihnen auf die „leider nicht geeignet“-Liste geraten  sind.

"Viele sind über den Verein verärgert“ schreibt da einer, der es wissen muss.

Klar. Das ist so im Tierschutz, da kann jeder Verein ein mehrstrophiges Lied von singen. Und es betrifft vermutlich all jene, die am Ende keinen Hund von uns bekommen haben und nicht fähig bzw. willens sind, dies auf eine angemessene Weise zu kompensieren.

Wir hauen aber nicht in jedem Shitstorm noch tüchtig in dieselbe Kerbe, sondern warten das ab, was immer passiert: dass wieder Ruhe einkehrt, bzw. die Fangemeinde sich anderen Sensationen (die es täglich zuhauf gibt! Sonst hätte diese Kolumne hier keine Lebensgrundlage!)widmet. Denn auch der dollste Sturm legt sich irgendwann wieder.

Im aktuellen Fall hat sich die beaglegruppenmäßige Großwetterlage bereits nach 1,5 Tagen einem anderen durchs virtuelle Dorf getriebenen Schwein, äh, Beagle, zugewandt.

 

Ein bisschen tut es mir Leid für den Abgewiesenen. Sicher hat er sich mehr Zuspruch erhofft. Was jetzt? BILD-Zeitung? „Tierschutzverein lehnt angebotene Hilfe ab!“, „Unfähiger Beagleverein verweigert geschundenem Labortier Traum-PS“, „Das nennt sich Tierschutzverein? Pfui!“  Heißer Tipp: Gruppe gründen. Bei Facebook. Unter Freunden.

Kaum war dieser Sturm vorübergezogen, verweigerte ein anderes Teammitglied einer ehemaligen Pflegestelle die Vermittlung eines Hundes. Und da wir gerade eh die Bösen sind, haben wir in nullkommanix schon wieder 23 Kommentare mit dem Tenor, dass wir vor lauter Hundeumgang (mit gestörten Hunden) wohl komplett vergessen haben, dass sich am anderen Ende der Leine ein fühlender, denkender, selbstredend kluger und erfahrener Mensch aufhält, dem wir nun quasi den Boden unter den Füßen weggerissen haben.

Obwohl wir ihn schon kannten! Obwohl sie schon einen Beagle hat! Obwohl es Fürsprecher gab! Da werden dann auch gerne mal Halbwahrheiten verbreitet. Und jetzt, was  passiert? Ganz klar: Aufschrei. Der Aufschrei geht erneut durchs Netz. Diese LBH – was ERRLAUBE sich LBH! Andererseits gab es zwei Tage später eine Tour, während derer 15 Hunde in ihr neues Zuhause gebracht wurden. Es geht! Man kann einen Hund von uns bekommen – sofern alles ungefähr so ist, wie wir es uns vorstellen.

 

Warum reagieren erwachsene Menschen ihren Frust so ab? Würden Sie bitte Ihre Verlustängste anderweitig therapieren, anstatt öffentlich einen verbalen Amoklauf anzuzetteln, der in der vagen Drohung „…..und Ihrem Club mach ich auch ein Ende!!“ gipfelt?

Nicht schön, wenn man seinen Willen nicht bekommt, das erleben wir bei unseren Kindern ja immer wieder! Was da für ein Repertoire an dramaturgisch wertvollen Szenen zusammenkommt: auf den Boden werfen. Mit Sachen schmeißen. Schreien heulen drohen kreischen. Zur Mama „blöde Kuh“ sagen. Das alles vorzugsweise vor Publikum, je größer, desto besser! Kann man sich gottlob schenken, wenn man Mitglied einiger ausgewählter social media-Gruppen ist.

 

Diese Gruppen: haben die Mitglieder denn keine echten Menschen um sich herum, denen sie erzählen könnten, was der Hund gerade frisst oder nicht frisst, ob es regnet oder schneit, ob er (oder sein Mensch) Lust hat rauszugehen oder nicht oder wie die Beschaffenheit seines (des Hundes) Kotes ist?

Noch weniger spannend ist für den unbedeutenden Rest der Welt, was euer Hund denkt. Und geradezu befremdlich ist es, wenn ihr in der fiktiven Gedankenwelt eures Hundes als seine Eltern auftaucht. Und das Mama ihm Popo-Aua gemacht hat (es geht nicht um was Strafbares, auch wenn sich einem das geradezu aufdrängt, sondern um volle Analdrüsen).

Leute, macht euch mal ein paar Gedanken! Oder einfach andere.

 

Wenn man das liest, fragt man sich schon, wozu es Moderatoren und Admins gibt. Muss man denn auf Level 0 sinken, nur weil anscheinend die Hälfte aller Beaglebesitzer den Verstand irgendwo an der Kasse abgegeben hat - vielleicht beim Kauf eines adretten Windelhöschens für die läufige Hündin?!

 

Es gibt keine dummen Fragen? OH DOCH!!!

 

Obacht mit dem, was man so bei FB veröffentlicht. Nicht nur potentielle Arbeitgeber informieren sich dort, auch die Hundevermittler tun das. Und wenn jemand gleich mehrfach seinen Beagle sucht, der wieder mal stiften gegangen ist, weil der Halter immer noch glaubt, er beherrsche den Jagdtrieb und Leinen sind Luxus, stellt man schon gewisse Überlegungen an.

Oder wenn jemand in den besagten Gruppen durch Fragen und/oder Antworten auffällt, die sich durch Unverständnis, Unwissen und Ignoranz auszeichnen.

Wobei: Unwissenheit ist keine Schande, jeder hat mal angefangen. Der springende Punkt ist, wie sich die Lage entfaltet und welchen Nutzen, welche Lehre der Frager daraus zieht. Leute, die ernsthaftes Interesse an einer Verbesserung gleich welcher Art haben, sind uns herzlich willkommen. Wir werden geduldig jede Frage beantworten und freuen uns über Lernwillen. Meistens eskaliert die Frage-und-Antwort-Gruppensitzung aber exponentiell.

 

Zurzeit wird aus irgendwelchen Gründen, die mir ewig schleierhaft bleiben werden, oft nach Geschirr und/oder Halsband gefragt.

Da antwortet dann jemand: „Also wenn der Hund zieht, dann auf jeden Fall Halsband“. (Hä?)

„Damit er’s endlich lernt. Dass Ziehen weh tut.“

Und das Ziehen daraufhin wie durch Zauberhand unterlässt. Und wenn nicht, ist er selber schuld.

An seinem Bandscheibenschaden.

Blöder Hund. Wie dumm kann man sein!

 

Da merkt man sogleich, dass die Antwortgeberin keine Ahnung hat, wie ein Beagle tickt. Also: disqualifiziert.

Ein anderer schreibt, dass er ein Würgehalsband „nicht unbedingt“ favorisieren würde.

Ja, soll man da noch vor Dankbarkeit einen Knicks machen? Disqualifiziert.

Es wird seitenlang darüber beratschlagt, ob der Hund in jenes Zimmer eingesperrt werden darf, wo am wenigsten kaputtgehen kann. Man ahnt, ja befürchtet es schon – es ist das Badezimmer. Da soll er denn warten, bis die liebende Familie vom Broterwerb heimkehrt. Und sich freuen, dass sie wieder da sind. Nach 8, 9 Stunden. Falls man nicht noch einkaufen, zum Arzt, essen oder zu irgendeinem beknackten Sport muss.

Disqualifiziert, hoch drei.

Die nächste („Züchterin“!! Zwei Würfe in den letzten zwei Jahren. Hm-hm.) vermeldet, dass sie ihren Laborrüden „nicht gerne zum Decken hernehmen“ würde.

Disqualifiziert, disqualifiziert, disqualifiziert.

Ferner ist es nicht in Ordnung, den Hund vegan zu ernähren, ihm eine Windel zur Vermeidung des Gassiganges anzuziehen oder dem neuen Hund Freilauf zu gewähren – auch nicht, um nur mal eben zu testen, wie es denn nach dieser ganzen zwei Wochen um die Bindung bestellt ist.

 

Die Bandbreite dieser Themen ist überraschend gering – es betrifft immer wieder die gleichen Fragen. Wie wäre es also, wenn man sich als Neuling ERST mittels solider Quellen informiert und DANN den Hund beschafft, statt umgekehrt? Wie läuft denn das?

Wachen die morgens auf und entdecken plötzlich, dass jetzt aber endlich mal ein Hund hier rein gehört,  am besten sofort? So wie andere sich überlegen, dass sie abends eigentlich mal ins Kino gehen könnten?

Und wie erkennt man so fix, dass es ausgerechnet ein Beagle ist, der einem schon immer im Leben gefehlt hat? Und wie bekomm ich den denn nun am aufwandreduziertesten? Ach, wart mal, eBay Kleinanzeigen…..kostet auch meistens nicht so viel….sind auch alle vom Züchter….

Wie lange überlegen, planen, vergleichen und rechnen Sie, wenn Sie ein neues Auto kaufen wollen? Oder einfach ein Handy? Hunde werden häufig mit einem Bruchteil dieser Vorbereitungszeit angeschafft. Obwohl dem Auto/dem Handy in Ihrer Familie eine viel kürzere Lebens- oder wenigstens Nutzungsdauer beschieden sein soll (sorry für die, die ihre Karre dann wirklich 15 Jahre fahren und das Mobiltelefon solange benutzen, bis es hinüber ist. Sorry, sorry).

 

Ich kann mir diesen irren Mist aus der Abteilung Null wirklich nur noch höchstens einmal die Woche geben.

Andernfalls (manchmal wird man ja auf Threads extra hingewiesen und luhrt dann, ohne es wirklich zu wollen, doch – und findet sich mitten in einem soziopathischen Wahnsinn wieder, der vielen geschlossenen Abteilungen ordentlich Kundschaft bescheren könnte, wenn sich denn jemand die Mühe machen würde) leiden die Menschen, die mir in meinem Beruf begegnen, am nächsten Tag unter meiner harschen Dominanz und fragen sich wahrscheinlich, was in meinem Privatleben gestern Abend wohl wieder schiefgelaufen ist.

 

Wir haben 14 Hunde „ü 8“ auf der Seite. Der Beitrag wird 172 mal geteilt, man  überbietet sich in Lobpreisungen über ältere Hunde und solche, die aus dem Gröbsten raus sind, aber es kommt keine einzige Anfrage.

Dann will jemand seinen 1 Jahr alten bicolor-Rüden abgeben,  mit Papieren, und bittet um Vermittlungshilfe. Resonanz:  12 Anfragen an einem Vormittag.

Der Markt bestimmt die Nachfrage, der bicolor-Hype nimmt kein Ende, alles stürzt sich auf den vermeintlich preiswert zu erwerbenden Hund. Kein Mensch fragt nach, warum er eigentlich abgegeben wird.

Stattdessen heißt es beschwörend: „ich muss diesen Hund haben“ oder „Sie müssen mir den einfach geben!“

Der Hund ging dann übrigens doch zurück an den Züchter, der sich vorbildlich verhalten hat, was bemerkenswert ist bei all dem Gepetze und den drängenden PN’s mit Beschwörungen wie „ich BRAUCHE diesen Hund!“

Uh.

Da kann man dann auch schon siebzehn Mal doziert haben, dass der Interessent sich zwecks Erlangung eines LBH-Hunde bitte die Mühe machen muss, eine der Vermittlerinnen anzurufen, um sodann eine Art  „Bewerbungsgespräch“ zu durchlaufen (woraufhin häufig die Frage: „wo finde ich….“ nachfolgt. Leute!! Das Internet bietet noch anderes als FB und dämliche Spiele. Zum Beispiel sogenannte „homepages“. Das sind Seiten, auf denen die Organisationen/Vereine/Unternehmen „zuhause“ sind. Da steht dann sogar NOCH MEHR drin als auf der Facebook-Seite! Manchmal kommt dann als Antwort:  ach, da muss ich ja so viel lesen.  Naja -  schaden würde es sicher nicht! Lesen bildet. Auch Sicherheit in der Rechtschreibung, nebenbei bemerkt. Es gibt auch Bücher über Laborbeagle ((okay, wenige. Eins.)), die man zur häufig dringend notwendigen Informationsgewinnung besser mal lesen würde. Antwort:  ach nee, das ist mir zu viel zu lesen. Tja, dann…..wie ist es mit Vertragsdokumenten? Zwei Seiten plus Info? Auch too much?  Ja Mensch, da muss man sich auch nicht wundern, wenn alles in die Binsen geht.)

Vermittlungen per Facebook-PN sind übrigens wirklich nicht möglich.

 

Tiere, resp. Hunde, an den Mann/die Frau zu bringen, ist nicht immer ein reines Zuckerschlecken. „Also, SO einen alten Hund wollte ich aber nicht“, heißt es oft. Ja, is klar, natürlich möchten auch Sie einen Welpen, oder wenigstens „ein junges Tier ohne Belastungen“. Sorry – ohne Belastungen? Was erwarten Sie von einem Tierschutzverein? Ja, wir haben neuerdings häufig das Glück, Hunde zu bekommen, denen man ihre Vergangenheit gar nicht besonders anmerkt. Das ist aber keine Selbstverständlichkeit: Sie werden einen Hund bekommen, der nicht so aufgewachsen und sozialisiert wurde, wie man das als Hundefreund gerne hätte. Wenn der Hund dann dennoch guten Mutes und unauffällig ist, ist das ein Glück.

Ein Beagle mit 10 Jahren ist aber nicht alt. Zwar hat er den Zenit seiner Lebenserwartung wohl überschritten, aber mindestens ein Drittel liegt noch vor ihm. Ihn als „Opa“ oder „Oma“ zu bezeichnen, ist Blödsinn.

Er ist weder gebrechlich noch retardiert. Aber er hat sein Leben im Institut verbracht und ist daher wahrscheinlich vorsichtig und eher ein bisschen weltfremd. Ansonsten ist er höchstwahrscheinlich gut in Schuss:  er wurde ständig durchgecheckt. Er hat sich die Knochen nicht durch verfrühtes Agilitygedöns ruiniert. Okay, man wird auf ihn achten müssen – vorsichtiger Muskelaufbau, Nieren im Blick behalten – er ist ja nichts gewohnt.

Aber wer sieht da schon irgendwelche Pluspunkte?  Ein Aufschrei geht durchs Netz: 10 Jahre im Institut!  

Erstaunlich ist nicht die Tatsache, dass Hunde „ü6, ü8, ü10“ überhaupt in den Instituten leben (wer, glauben Sie, kümmert sich um die geriatrische Abteilung in der Hundemedizin und um so manche Langzeitstudie?), sondern dass der 10jährige Hund noch entlassen wird. Aber das interessiert wieder keinen. Außer den *dämlichen Deppen* von der LBH, die bekanntlich  rund um die Uhr nichts Besseres zu tun haben, als auf ihren hohen Rössern rumzusitzen und vielversprechende Pflegestellen zu verärgern.

 

Pflegestellen sucht jeder. Es gibt auch dafür – wie für alles, zählen Sie mal die Kinder-und Hundezubehör-Näh-, Paracord- oder automatischer Kochtopf-Gruppen – natürlich mehrere Gruppen mit insgesamt ungefähr 23 000 Mitgliedern.

Die Hälfte davon sucht irgendwann eine Pflegestelle. Oder bietet eine. Häufig in grandiosem Unwissen darüber, was ihnen bevorsteht und wie es um die Unterstützung im  Falle eines Falles bestellt ist.

Die Hilferufe sind fast immer „wirklich dringend“. Gesuche sind alle dringend, dringender als dringend, am dringendsten. Ganz zu schweigen von „am allerdringendsten“! Alle Hunde sterben sofort, wenn nicht eine deutsche Hausfrau sich endlich ein Herz fasst und den Hund nimmt, obwohl sie ja mit Kind,  Kegel und diversen Kursen schon komplett ausgelastet ist. Egal, für so ein armes, dem Tode geweihten Hascherl ist auf jeden Fall noch Platz. Und zum sich-feiern-lassen bei den stündlichen Lagemeldungen auch.

 

Dieses Internet. Ich brauche kein dämliches T-shirt, das meine Liebe zum Hund auf so einzigartige Weise ausdrückt. Und auch keinen virtuellen Geburtstagskalender, in welchem dem Beagle zu seinem Ehrentag Wiener Würstchen in Herzchenform serviert werden und der arme Hund mit einem  albernen Hütchen auf der Birne in Frauchens Handyobjektiv (es sind immer die Frauen! So gut wie nie die Männer!) blinzeln muss.

Erst recht brauchen die Welt und ich keine Info in Echtzeit darüber, wie jeder einzelne eurer 10 Urlaubstage im  Harz oder an der Ostsee verlaufen ist. Wobei der begleitende Hund auf jedem einzelnen Meter Strand abgelichtet wird. Wir möchten auch keinen Fotobeweis davon haben,  wie gut der vor sechs Tagen in der Familie angelieferte neue Tierschutz-Hund schon an der  Leine laufen kann – mit völlig unzureichender Sicherung, bestehend aus Halsband und Leine. Wo ist das Geschirr geblieben, und wo die doppelte Sicherung? Braucht ihr nicht? Schön. Macht euch gerne schon mal Gedanken, wie flott ihr unsere Checkliste „Hund entlaufen“ ausfüllen könnt.

 

Ich möchte mich nicht darüber wundern, dass „der Hund“ nicht raus will, weil es ein bisschen tröpfelt, und angeblich lieber auf der Couch dümpelt. Zugedeckt. Beim nächsten Post mit diesem Inhalt schreibe ich drunter, was ich denke: dass der (Jagd- bzw. Lauf-) Hund mit dem wetterfesten Fell und der robusten Konstitution eher so aussieht, als ob er vor Langeweile die Wände hochgehen möchte, weil seine träge Halterin nicht in die Puschen kommt, da sie keinen Bock hat, durch den Regen zu laufen. Der Beagle  an sich kommt aus Großbritannien. Da wird es doch auch mal geregnet haben! Dem Beagle ist Draußensein bei regnerischem Wetter quasi in die Wurfkiste gelegt!

Bald gibt es keine Beaglegruppe  mehr, wo ich noch Mitglied sein darf.

 

Und sollte ich tatsächlich mal nicht wissen, welches Futter für wen geeignet ist und was ich bei welcher Befindlichkeitsstörung wann zu tun habe, frage ich doch eher beim Hersteller (des Futters) oder beim Tierarzt nach. Oder gebrauche einfach meinen Verstand. Wenn mein Hund mit einer verletzten Pfote ankommt, poste ich KEIN Foto und heule „was jetzt!!!“, sondern packe den Hund ein und fahre in die Praxis.

Auch verkneife ich mir die Mitteilung, dass mein Epilepsie-Hund mir heute sehr leid tut, weil der Nachbar vergessen hat, ihn wie verabredet während meiner achtstündigen berufsbedingten Abwesenheit mal in den Garten zu lassen.

Auch die vermeintlich witzige Info samt Beweisbild, dass Hund bei der letzten Vollbremsung quer durch den ganzen Laderaum geflogen ist, weil der Idiot vor mir nicht Autofahren kann, würde ich mir lieber ersparen.

Erst recht  halte ich virtuell die Klappe über „meine 11jährige Hündin mit dem „blöden“ Mammatumor“, der von Erbsengröße nun – unbehandelt - auf den Umfang einer Bohne angewachsen ist.  Diese Halterin neigt offenbar stark dem Fatalismus zu. Zumindest hat sie die Ruhe weg. Hofft sie auf ein Wunder? Hat sie je von Metastasierung gehört? Ist es sinnvoll, nach den Hülsenfrüchten nun weitere Größenvergleiche abzuwarten? Wo ist hier der „Daumen runter“, ach was, der Kotz-Emoji?

 

In der heutigen Zeit, wo das Gehirn offenbar meistens auf Standby eingestellt ist, fragt man eben eher mal dumm rum, bevor man sich selber Gedanken macht.  Wie haben die Hunde eigentlich vor Facebook überlebt?

Was hat man früher gemacht, wenn einem keine 20 Schlaumeier im Social Media Ratschläge über Ratschläge geben, von denen einer bescheuerter und verständnisloser ist als der andere?

Ich will‘s euch sagen, ich bin nämlich schon fast so alt wie Methusalem und kann mich vage an Zeiten erinnern, als Menschen ohne Handy überlebt haben – sogar draußen!!- : man hat erst mal selber nachgedacht. Wenn das zu keinem verträglichen Schluss geführt hat, konnte man ja jemanden fragen. Vorzugsweise jemanden, den man kennt.  Oder jemanden vom Fach: einen Tierarzt vielleicht. Das erspart dem Hund meistens drei Tage rumdoktern auf eigene Faust. Und der Menschheit Dumpfsinn à la:

 

Hund bellt beim Alleinsein – Empfehlung: Sprühhalsband!

Hund macht nachts in die Wohnung – Empfehlung: Wasser rationieren, ab 18 Uhr gibt’s halt einfach nichts mehr! Der Jagdhund Beagle ist eh Mangel gewohnt – weiß ja jeder!

Unangefochtener Wochensieger diesmal: „nicht unser erster Hund, aber unser erster Beagle – hat jemand rassespezifische Tipps?“ Ja  genau, wie ist der Beagle denn überhaupt so?! Hey, was für ein Hund war der erste? Ein Stofftier? Oder der aus dem Nintendo-Spiel? Wie kommt so jemand eigentlich nach dem jahrelangem Tamagotchi-Geklimper jetzt in der realen Welt zurecht? Hoffentlich ist das wenigstens kein Hund aus dem Tierschutz, der ansonsten mit zwei, drei kleinen Baustellen der Wanderpokal schlechthin werden dürfte.

 

Stattdessen regt man sich zum 244. Mal über vermeintlich zu dicke Hunde auf. Ich kenne einige ganz tolle Halter (denen ich jederzeit meine Hunde anvertrauen würde), die nie-, nie-, niemals ein Foto ihrer Vierbeiner auf Facebook dem öffentlichen Verriss preisgeben würden. Nicht, weil es adipöse Hunde wären, aber Hungerhaken sind es eben auch nicht.

Ich finde sie perfekt.

 

Wenn Beiträge mit den bezeichnenden Worten: „…ich habe mit {bitte einsetzen: bescheuerter Hundename aus Disneyworld, dem Elbenwald oder StarTrek} mal wieder ein Problem, helft mir mal bitte schnell!!“ beginnen – dann zucke ich innerlich schon zusammen und hole tief Luft. Ich will es eigentlich gar nicht lesen. Manchmal schaffe ich das sogar und bin erleichtert. Nochmal davongekommen!

Denkste. Meist schreibt mir dann jemand aus der jeweiligen Gruppe „MARION!!  Hast du das schon gelesen!!“ und schickt mir Links oder Screenshots. Weil es ja auch mal etwas sein könnte, was wirklich wichtig ist, lese ich es dann eben. Kommentare zum Ursprungspost kann ich mir aber fast immer noch verkneifen. Irgendwann wird es aber dann einfach zu viel, und dann entsteht so eine vierzehn Seiten lange Beschwerde wie diese hier.

Das muss aufhören, ich schreib bei FB nichts mehr. Es ist ohnehin immer das gleiche, die Leute mit den dummen Fragen wachsen ja nach wie Pilze bei Septemberregen, es ist alles völlig sinnlos. Ich werde auch nicht mehr mit- oder nachlesen, dann kann ich auch besser schlafen.

Es sei denn, es passiert so etwas:

 

Eine Welpengeburt, die ichweißnichtwievielte in wenigen Jahren, aber diesmal – brandneu und  mit gefühlten Millionen von Herzchen und  „OMG“s und „ZUCKER!!!“ verziert - in Echtzeit auf FB, von einer Hündin, die offenbar auch jedes Jahr ran muss. Bevor das Tier zu alt wird, schnell noch mal die arme Hündin in den sozialen Netzwerken vermarkten. Schönen Dank auch. Wer von euch pietätlosen Hühnern hat schon mal den Kreißsaal absolviert? Die Hunde, kaum auf der Welt,  haben einmal mehr die beknacktesten Namen,  doppelte sogar, bei so viel klasse Auswahl muss das Hundekind Heaven-Amadea heißen. Oder Andromeda-Calliope.  Getoppt wird das nur noch von dem Hund mit der Futtermittelallergie, dem man als Gipfel des Zynismus das englische Adjektiv „itchy“ als Rufnamen angehängt hat. Ach so, sind Simpson-Fans! Na dann. Das blöde Volk macht mit. Jeder Kommentar ist Wasser auf die Mühlen. Wie doof kann man sein!

 

Natürlich ist da auch das Gegenteil vom Hundehalter in love nicht weit. Die Kategorie „Hund muss weg 2.0, aber wir verstehen das Dilemma“,  wo man in salbungsvollen Worten die öffentliche Betroffenheit darüber demonstriert, wie mit Hundehaltern umgegangen wird, die ihren Hund warumauchimmer abgeben müssen, ist anscheinend gerade sehr en vogue.

Nun möchte man sagen: das wurde auch Zeit, nachdem wochenlang mit Brachialgewalt auf die Betroffenen eingetreten und –gehackt wurde, dass einem Angst und bange werden konnte.  Lange anhalten wird die verständnisvolle Tour nicht, da bin ich mir sicher.

Denn, wie eine Userin es so schön auf den Punkt bringt, nachdem sich jemand (ein Mann!) zart über das Gekeife beschwert: „wenn du so scheiße zimperlich bist, hau doch hier ab!“ Und die nächste ergänzt mit erkennbarem Stolz, der einer KSK-Veteranin würdig wäre: „die Gruppe ist nur für die ganz Harten!“

Oh.

Und da glaubt manch eine(r) noch, es ging um niedliche Hundebildchen, konstruktiven Austausch, Hilfe gar, und Zuspruch.

Nix da! Lieber frei nach dem Motto: If you can’t stand the heat (=mobben und pöbeln, was die Tastatur hergibt), get out of the kitchen (= the Beagle-Gruppe) den Obermacker raushängen lassen. Ob die Leute auch von Angesicht zu Angesicht so miteinander reden? Insbesondere, wenn man sich nicht kennt? Ich bin immer leicht konsterniert: Wie kann es sein, dass eben noch knutschende Smilies bei einem unscharfen  Hundebild verteilt wurden, der nichts weiter tut, als bräsig auf dem Sofa zu chillen, und im nächsten Thread sind sofort die nagelstudiodesignten Krallen ausgefahren und alle springen sich zeternd an die virtuellen Kehlen?

Bis einer heult. Oder fliegt! Das ist überhaupt das Beste - die ultimative Drohung: „und wenn du dich nicht an die Gruppenregeln hältst, dann FLIEGST du!!“ Wenn doch die selbstgestrickten Regeln nur mal für alle gelten würden. Huch, upps – guten Flug….

 

Diejenigen Leser, die glauben, sich in den obigen Passagen wiederzuerkennen, dürfen sich gern bei mir melden! Oder eine Gruppe gründen. Hab einen tollen Namen dafür: Mobbed by Mari!! *brüll*

 

Dazu noch eben aus gegebenem Anlass: ich habe bestimmt nichts dagegen, wenn Teile unseres Buches oder generell Teile unserer Texte zitiert oder benannt werden.

Nicht so schön finde ich es, wenn ganze Passagen nahezu wörtlich übernommen werden, ohne die Quelle zu nennen. Es geht ums „Glashaus“.

Auszüge aus dem Buch dürfen nur mit unserer Erlaubnis wiedergegeben werden,  das haben wir extra deswegen fett auf der allerersten Seite hingepinnt. Bitte vorher nachfragen! Wir haben durchaus ein gewisses Sendungsbewusstsein und sagen schon nicht Nein.

„Glashaus“ ist mein Text. Darin geht es um Menschen, die aus persönlichen Notlagen heraus, die sich niemand ans eigene Bein binden möchte, ihre(n) Hund(e) abgeben müssen. Und darum, wie die ganzen Fachleute in den Hundegruppen, die selbstverständlich nie, nie, nie ihre Tiere abgeben würden, das so sehen.

 

Toll bei Facebook ist  auch, wenn Leute völlig unreflektiert irgendwas „teilen“. Dann schreiben sie, damit auch jeder ihren festen Willen zum Mitmachen sieht, „get.“ unter ihren vor Konjunktiven nur so strotzenden, überflüssigen Kommentar. (Steigerung von „get.“: „mit ganz viel Liebe und Hoffnung get.“ Ach Gott.) Ich weigere mich nach wie vor, zu glauben, dass ein auf der persönlichen Seite von Lieschen Müller geteiltes Vermittlungsfoto dem Hund jetzt den großen Durchbruch bringt. Auch für FB gibt es Anleitungen im Netz, nach dem Motto: „wenn ich dies oder jenes mache, hat das diese oder jene Wirkung“. Merksatz: das Teilen eines Beitrages ist sinnvoll, wenn damit ein gewisses Publikum erreicht wird. Klartext: nicht auf dem eigenen Profil!! Es sei denn, du bist mindestens ein B-Celebrity.

Bei Facebook gibt es ein Geheimnis, und das  heißt „content“. „Content“ ist das,  was jeder will.

Googelt es bitte. Ich geh ein bisschen weinen. Falls ich die Woche  überlebe, komm ich als Erklärbär vielleicht wieder und referiere weiter. Meine Freundesliste wird bis dahin wohl wieder geschrumpft sein.

 

Naja.

 

 

*Als Privatperson bin ich nach all diesen Erlebnissen auf Facebook nur noch in ganz, ganz, ganz geringem Umfang unterwegs. Daher betrifft auch dieser Text vor allem die ehrenamtliche Arbeit bei der Laborbeaglehilfe, in deren Namen ich mich weiterhin mit den sozialen Netzwerken beschäftige.

 

09/2017