...die Eder-Beagle(s)
...die Eder-Beagle(s)

Making of...

...the Laborbeaglehilfe-Buch.

Vor genau einem Jahr habe ich mich auf die Aufgabe geworfen, ein Buch zum Jubliäum der Laborbeaglehilfe zu machen. „Machen“ deshalb, weil es aus vielen verschiedenen Komponenten – Texten anderer Autoren, Graphiken, Fotos, Extras, Listen. Aber auch einiges an „Selbstgeschriebenem“ ist dabei. Nach einem dreiviertel Jahr intensiver Arbeit war es dann auch tatsächlich auf dem Markt. Tolle Sache! 

 

Aber ich weiß bis heute nicht , wie ich das alles auf die Reihe gebracht habe, vor allem in die richtige Reihenfolge – also, die einzelnen erforderlichen Schritte nacheinander.

 

Ja, ich bin beruflich viel am PC und ja, ich war auch eine Weile im Krankenstand. Bandscheiben-OP.Davon abgesehen, gibt es ja auch noch ein lästiges „Alltag“ neben dem Buch und dem Beruf. Kind krank, Oma krank, Hunde krank, Auto kaputt, Kind zieht um, selber krank.

 

Zu keiner Zeit aber hatte ich das Gefühl, das geht in die Hose oder die Zeit wird zu knapp. Mulmig wurde mir nur, als niemand auf meine diversen Aufrufe zum Mit-Tun antwortete, und dann versprochene Beiträge ausblieben. Dann kam die technische Herausforderung mit den Farbseiten, und am Ende das Ding mit den Formaten. Zeitgleich stellte sich heraus, dass unfassbar viele Fotos zu den Geschichten nicht annähernd die erforderliche Auflösung hatten und ersetzt oder einfach gestrichen werden mussten.  Manche Graphiken sind besser auf der linken Seite aufgehoben, andere gehören nach rechts. Mir mangelt es eklatant an räumlichem Vorstellungsvermögen, das hat schon  vor 35 Jahren der Fahrschulprüfer bemängelt, ich mache die Hälfte falsch – arggghh!

 

Zwischendurch hatte ich keine ruhige Minute mehr, weil ich fürchtete,das Manuskript wird geklaut, geht auf dem Postweg oder im Internet-Orbitverloren, der PC stürzt ab, das Haus brennt nieder….

Natürlich ist das Werk kein Thomas Mann. Nicht mal ein Konsalik. Aber es ist meines, schlimmer noch, das der Co-Autoren, ich habe eine irrsinnig große Klappe riskiert und mich wahnsinnig weit aus dem Fenster gehängt und jetzt bin ich für dasganze Gedöns verantwortlich und nicht gerade wenig Geld habe ich auch schon ausgegeben!

 

Das Projekt ist für mich eine tolle Erfahrung.

Meine Ratgebertanten-Tätigkeit erweitert meinen Horizont ungemein und führt mich unter anderem(zum ersten Mal im Leben) auf eine Buchmesse. Da wollte ich zwar schon immer mal hin, aber so den richtigen Grund, den gab es bislang noch nicht. Prompt staune ich Bauklötze, denn Menschen aus Fleisch und Blut neben mir sagen Sätze wie: „ Ach, ein Sachbuch schreib ich jetzt auch mal!“ oder „Haben Sie denn überhaupt schon ein Thema?“ und „Ich habe im letzten Herbst extra einen Kurs in kreativem Schreiben bei Frau XY belegt“.

Kreatives Schreiben? Wozu das denn? Meine Ideen sind wie Kaninchen: kaum steht eins auf eigenen Pfoten,  kommen schon wieder neue.

Ich höre von exotischen Problemen wie: „Ich schaffe höchstens 3 Sätze am Tag“und

„mir fehlt die absolute Ruhe zum Schreiben“.

Da habe ich einen guten Tipp: Nehmen Sie sich ein Handy, machen Sie sich mit der Notizbuch-Funktion vertraut und laufen Sie mit einem Hund durch den Wald, möchte ich ihm raten, aber als Neue hält man natürlich erst mal devot den Rand.

Ich schreibe überall. Die Hunde interessieren sich nicht für meinen brennenden Wunsch und schnüffeln sich zentimeterweise durch den Wald.Typischer Satz in dieser Zeit: „ Moment bitte,ich muss mal schnell etwas notieren!“ Am 7.März gibt das iPhone unwiderruflich seinen Geist auf. Zwei fast fertige Texte sind drauf. Jetzt sind sie im Texthimmel. Arghhhhh!

Die Beagle sind immer dabei und liefern Steilvorlagen. Steil ist aber auch dieser winterliche Waldweg hier, weshalb ich gelegentlich zu Boden gehe. Und die Finger fallen mir fast ab in der Kälte,aber ich hasse Sprachnotizen wie die Pest. Die Hunde interessieren sich nicht für meinen brennenden Wunsch und schnüffeln sich zentimeterweise durch den Wald. Quer. Bergauf und bergab.

An manchen Tagen war ich so in Form, dass es mir heute noch unerklärlich ist, wie ich auf einmal im nächsten Ort landen konnte - ohne den Hauch einer Erinnerung an den Weg dahin….das nennt man Flow.

Dabei bin ich mir nicht sicher, ob es Leute gibt, die den gleichen Humor wie ich haben, will heißen: ob überhaupt jemand versteht, was ich schreibe?

 

In der einen Hand das mobile, an der anderen drei irre Beagle. Deshalb ist das iPhone auch gestorben:weil der Hase von links kam und ich auf einerhalb aufgetauten Wiese lang hingeschlagen bin. Das komische Knacksen höre ich nur entfernt, weil der Mikey so jault. Als ich später nach dem Handy greife, fühlt es sich bröselig an. Vorne ist es noch ganz, aber die Rückseite ist zerlegt, und irgendwelche Innereien sind -naja, tothalt.

Als ich es panisch im Iphonegeschäft abgebe, schaut mich der Verkäufer anerkennend an: „Untern Bus gekommen?“ Die nachträgliche Datensicherung ist übrigens nicht gelungen.

Bei dem,was ich jetzt habe reicht mein Daumen auf der virtuellen Tastatur nicht ganz bis nach links, weshalb das „a“ oft vernachlässigt wird. Aber ich muss alles sofort notieren: Ich bin nicht mehr die Jüngste, und was ich nicht aufschreibe, ist weg, im Orbit verschwunden,perdu. Es taucht dann manchmal irgendwie wieder auf, aber anders.

 

Am besten gefallen auf der Messe hat mir übrigens der Vortrag eines Selfpublishing-Experten zum Thema: „Wie finde ich meine Zielgruppe?“ Ha! Hab ich schon! „Da haben Sie aber Glück“, sagt die Expertin leicht säuerlich, „aber ist das nicht ein sehr kleiner Leserkreis?“

Gute Frau: das ist mir egal. Ich habe einen immensen Vorteil gegenüber den „Kollegen“ hier: ich muss damit kein Geld verdienen, und das macht mich ziemlich locker! Ein Herr links von mir bekommt daraufhin Schnappatmung und murmelt was von Möchtegern-Autoren, die den ernsthaften Schreiberlingen die Leser klauen. Hä? Hatten wir nicht eben noch über den winzigen, ja elitären Kreis gejammert, der sich eventuell ein bisschen für das Laborbeagle-Thema interessieren könnte?

 

Während der wirklich interessanten Vorträge schaue ich mich im Publikum um. Alles Autoren! Was die wohl schreiben? Die streitlustige Dame mit den pinken Strähnen im Haar stecke ich -so sorry – leider gleich in eine bestimmte Schublade. Der Herr in meinem Alter schreibt bestimmt Science Fiction mit viel Computerwissen. Die Frau, die aussieht wie unsere Kindergärtnerin, macht bestimmt ein total süßes Kinderbuch. Oder was Ratgeberisches, Pädagogik. Und die Omi vermutlich ein schönes Kochbuch! Was schreibt das junge Mädchen, höchstens 17? Sie fragt, ob man Songtexte zitieren darf: Es geht in Richtung Liebesroman.

Erstaunlich, wie viele Leute bei diesen selfpublisher-Vorträgen hingerissen lauschen. Einer fragt nach den Marktchancen von Lyrik und bekommt die Antwort: „schreiben Sie lieber was anderes.“

Ich glaube nicht, dass irgendjemand hier vorhat, über Beagle zu schreiben.

 

Zudem trifft man leibhaftige Autoren, berühmte und weniger berühmte.

Ich habe von ungefähr 2 % der anwesenden Autoren schon mal gehört, so mein demütiger Eindruck. Die meisten, die ich lese, sind schon tot, leben in New York City,oder schreiben nur Bücher über Patchwork, und die zeitgenössischen Belletristiker könnten neben mir im Bus sitzen, ich würde sie nicht erkennen, nicht mal, nachdem sie sich vorgestellt hätten. Ich bin ein Banause und offenbar stark Beagle-Elfenbeinturm-geschädigt.

 

Ohne zu wissen, wie die Leser das alles überhaupt finden, bin ich zum Buch-Junkie mutiert. Innerhalb kürzester Zeit kommen von irgendwo her noch mindestens drei weitere Buchideen angerauscht, und ich hoffe mittlerweile,früher in Pension gehen zu können oder aber bei bester Gesundheit 95 zu werden.

Buchmachen ist toll. Und nebenher kann man sich noch mit allerlei Marketing beschäftigen! Ich beginne mit der Facebook-Fanseite, analog dieser hier. DA gibt es Hürden!  FB ist von meinen ständigen Änderungen genervt und ich werde für drei Tage blockiert.

 

Eines Tages kommt das Ansichtsexemplar. Ich beäuge misstrauisch das Paket. So fühlen sich Postbeamte, wenn es irgendwo tickt.

Ich gehe die Sache an wie eine Tatortaufnahme: vorsichtig, mit Fingerspitzengefühl.

 

Kaum hat das Ding dann einige Tage später das Licht der Facebook-Community erblickt, schon der erste vernichtende Verriss: zu selfmade, schlecht lesbar, falsche Farbe, und musste das denn so ein on-demand-Ding sein? Wenn sich kein Verlag findet, ist es auch nicht wert, veröffentlich zu werden!

Ja, unsere Bücher werden im Selbstverlag hergestellt. Das liegt daran, dass wir Laien sind, berufsfremd, Tierschützer, die betriebsblind glauben, ihr Thema interessiert noch andere Menschen außer uns selber.

Gerade aus gucken und schreiben können wir trotzdem, möchte sogar sagen: besser als die meisten ;-) Und wahr ist eines: im Selbstverlag kann jeder veröffentlichen, was er will - nirgendwo gibt es ein schrägeres, exotischeres, NISCHEN-füllenderes Portefeuille als im Selbstverlag. Und nirgendwo gibt es Bücher, die genau zwei Mal gedruckt wurden: das Ansichts- und das erste, resp. einzige, Verkaufsexemplar  - für die Mama des Autors wahrscheinlich.

Dieses Schicksal mussten unsere Bücher nicht erleiden, sie verkaufen sich mäßig, aber immerhin stetig! Und wenn, dann gibt es auch Applaus dafür, was ich nett finde.

Obwohl eine Seite fehlgedruckt ist, obwohl einmal eine Seitenzahl in der falschen Ecke steht, und obwohl die Lektorin ein ortsübliches Idiom nicht als solchen erkannt hat und es als "unverständlich" rauskorrigiert hat, worüber sich die Autorin (nicht zu unrecht!) natürlich sofort beklagt hat.

Und leider auch, obwohl einige, deren EIGENWERBUNG im Buch steht, nachher ziemlich zickig wurden. Was mir eine Lehre ist, denn all das Externe fliegt in der Neuauflage raus und wird durch eigenes Material ersetzt.

 

Die großen Verlage haben mich glatt durchgewunken, ablehnend, versteht sich: dafür gibt es keine Leser, so ein seltsames Thema, und als ob es überhaupt noch Laborhunde gäbe, ts, also ehrlich. Und sowieso gäbe es in jedem Beaglebuch ausreichend Information über Laborbeagle, das reicht vollkommen aus.

Nein, ich will keine Konkurrenz zu etablierten Schriftstellern sein! Ich habe einen tollen Beruf, den ich gern ausübe, und der mir nebenbei bemerkt auch genug Geld einbringt.

Das erleichtert einem das alles schon sehr, und gewiss ist es der Kreativität nicht gerade abträglich.

 

Nun ist es ein Jahr später. Bald wird sich die Frage stellen, ob es eine zweite Auflage geben soll. Am besten, ich mach mir schon mal rein prophylaktisch Gedanken um die Überarbeitung :-)

 

09/2017