...die Eder-Beagle(s)
...die Eder-Beagle(s)

Facebook und andere Dummheiten

Ein Dreiteiler - zu lang, und zu heftig, um auf einmal gelesen zu
werden.

Soziale Netzwerke haben – auch für Hundehalter - sicher irgendwelche Vorteile. Allerdings finden sich auch jeden Tag Fragen, Ergüsse, Anmerkungen von Unbedarften, Ahnungslosen, Ratsuchenden, die einem die Haare zu Berge stehen lassen.

Leuten Hunden zu geben, ist oft ein Wagnis. Verantwortung ist nicht jedermanns Sache. Nicht jeder sollte einen Hund besitzen. Von mehreren (Hunden) gar nicht zu reden….

 

Wes Geistes Kind ist etwa eine Hundebesitzerin, die der geneigten Öffentlichkeit folgenden Hilfeschrei zukommen lässt:

 

„HIIILLFFE! Meine XYZ hat heute nach mir geschnappt! Sie ist schon acht Jahre bei uns, aber sowas hat sie noch nie getan!! Ich dachte immer wir hätten einen Traum Hund der so etwas NIE! NIE! NIE! macht, jetzt habe ich aber Angst, meine Kinder mit ihr alleine zu lassen. Was soll ich tun!“

 

Außer dem Ratschlag, sich erst einmal einer annehmbaren Syntax und Orthographie zu befleißigen (vor allem bitte einige Ausrufezeichen weniger verwenden!),  fällt mir spontan nur ein: einen Lehrgang machen – „Korrekte Interpretation der Signale meines Haustieres“. Oder eine Therapie.

Und überlegen: was könnte ich denn gerade heute falsch gemacht haben, was seit acht Jahren irgendwie gutging?

Halloween läßt grüßen, aber mir drängt sich das Bild einer älteren, zähnefletschenden Marshall-Beagle-Bestie auf, vor der sich zähneklappernde Zehnjährige mit zerfetzten Klamotten panisch an die Wand drücken….

 

Es folgt, was zwangsläufig immer folgt: die Kommentare. Da ist dann bald von „Dominanz“ die Rede. Und „notwendiger Unterordnung“. Von Alpha, und so.

Ja. Und dass das wölfische Erbe…..bla bla…rharbarber….

 

Dann fragt eine Gruppen*kollegin* allen Ernstes: „ich habe meinen Hund, ein weibchen, neu. Muss man eigentlich jeden tag mit dem hund raus?“

 

Zum ersten, Miss: Hündinnen bezeichnet man als „Hündinnen“.

Nicht als „Weibchen“.

Zum zweiten: Ja. Ja. Ja. Mehrmals.

Zum dritten: Nomen schreibt man groß. Das geht auch am Smartphone.

 

Die nächste Koryphäe lässt nicht lange auf sich warten: „Hiilfe! Wir haben uns ein Beagel (sic!) angeschafft, aber er hört nicht und macht alles kaputt!“

Ach!

 

Super gut gefällt mir auch diese Problemstellung: „mein Welpe ist fast immer aufgedreht und übermütig, was kann man dagegen machen?“

Ich suche nach dem Nachsatz: „….außer Beruhigungsmittel geben….“, finde ihn aber zum Glück doch nicht.

 

 

„Hilfe!! Mein Hund hat blutigen Durchfall, frisst nichts +und ist ganz schlapp. Das ist jetzt seit drei Tagen, muss er zum Tierarzt?“

 

Hey.

Manchmal denke ich, jemand möchte sich mit spaßigen Fake-Posts auf Kosten der aufgeregten Community amüsieren. Ich bin sicher, dass in deutschen Wohnzimmern Menschen sitzen, die bei mangelhaftem Fernsehprogramm fiese  gefälschte Postings in Hundeforen aushecken!

 

(Die kursiv gedruckten Auszüge sind Zitate und wurden im Original übernommen!

Das Kuriositätenkabinett wird erweitert, sobald mir wieder etwas Passendes begegnet, was sicherlich bald der Fall sein wird.)

 

 

Außer den vorstehend beschriebenen großen Problemen, die in den diversen Hundegruppen immer mit angemessener Verve diskutiert werden, gibt es noch einige kleinere Ärgernisse, über die man regelmäßig stolpert. Bei einigen davon verquickt sich offenbar schlichte Doofheit Unwissenheit mit Nachlässigkeit und einem guten Teil Interesselosigkeit.

 

 

nSIE sind zum Beispiel nicht die ELTERN Ihres Hundes. Die Eltern Ihres Hundes sind vermutlich ebenfalls Hunde. SIE sind nicht seine MAMA. Menschen sind nicht wirklich die Mamas von Hunden. Ihr Hund spricht Sie vermutlich auch gar nicht mit „Mama“ an!

 

Da fragt man sich, wie der Hund behandelt wird. Aber nein, natürlich wird kein Hund vermenschlicht, wo kämen wir denn da hin.

Bitte, bitte verinnerlichen Sie das! Es ist fast so schrecklich wie das inflationär verteilte „RIP“, nur irgendwie naiver.

 

nDie Mehrzahl von „Beagle“ ist entweder „Beagle“ oder „Beagles.“

 

„Beagel“ ist falsch, „ Beageln“ (als Plural) noch falscher.

Der häufig anzutreffende fehlerhafte Gebrauch des Apostrophs lässt folgende Blüten sprießen: „Beagle’n“. 

Das ist so ziemlich der Gipfel  der legasthenischen Ausfallerscheinungen.

Vor lauter Apostrophierung sieht die Aussage aus wie ein Schweizer Käse, es wird einem schon beim Hinsehen ganz schwummerig, da braucht man das dünne Textchen gar nicht lesen......

Und, übrigens: „Bagle“ geht gar nicht.  

 

Es gibt kein Verb und auch kein Adjektiv mit „-beagle“. Infantile Wortkreationen wie „verbeagelt“ oder „beaglisch“ sind daher einfach nur  albern. Es gibt sogar Leute, die „beaglisch“ sprechen können und beaglisch aussehen! Zumindest glauben sie das. Alle Achtung.

 

Spielt lieber mit euren Beagle“’n“, wenn ihr lustiges dummes Zeug machen wollt, dann ergibt es wenigstens noch einen tauglichen Sinn.

 

nEs gibt Hunde, deren Bezeichnungen unaussprechlich sind. Oder es zu sein scheinen*.

 

Die edle Rasse der Berner Sennenhunde darf man nicht verwandeln zu „Bernasen“!

Bernasen sind meine Zweitlieblingshunde, kommt direkt nach Beagel.

 

nKatzenwelpen nennt man übrigens neuerdings allerorten „Kitten“ (Plural: die Kitten). Warum? Versteht keiner mehr „Katzenbaby“? Oh Mann.

     Ein Hoch den Anglizismen, hello Kitty. Sorry, kitten.

 

 

Ja, und dann hätten wir noch den ollen Konjunktiv.

 

Man vermittelt einen Hund, versucht es jedenfalls. Es klicken 125 Menschen auf „gefällt mir“. Schon mal gut! Man hofft das Beste.

Dann kommen die Kommentare.

Von zwanzig Kommentaren beginnen 15 mit „wir würden den Hund sofort nehmen, wenn…..(wir nicht schon drei hätten/wenn ich nicht den ganzen Tag arbeiten müsste/wenn unsere Hündin nicht immer jeden beißen würde/wenn ich nicht die vielen Katzen hätte/wenn….bla bla…..).

Herrje, dann sparen Sie sich doch Ihr Posting. Das hilft nämlich keinem. Bindet nur Zeit und Energie, Ihre wie unsere. Das traurig guckende Emoji können Sie auch  gern behalten.

4 weitere Kommentare lauten „oh die arme Fellnase!!! Viel Glück!!“

Genauso nutzlos. Und eine weitere kreativ-süßlich-dumme Wortschöpfung, die keiner braucht.

1 Kommentar lautet: „was braucht der Hund, wo kann ich mich hin wenden?“ Yes! Danke!!

 

Ach, nur nebenbei: Beagle laufen in einer "MEUTE", nicht als "Rotte", wie unlängst jemand beharrlich sein Nicht-Wissen verbreitetet.

 

 

Ständiges Thema ist das Gewicht von Hunden, am liebsten das der Hunde anderer Leute.

Merksatz: der eigene Hund ist nie zu dick oder zu dünn, die der anderen oft. Kaum hat man einen dicken Hund erspäht (z.B. auf völlig unschuldig veröffentlichten Bildchen: Hund auf Sofa, schlafend, auf dem Rücken liegend, Wampe oben. „So so so süßmeine Maus!!“ Über Mäuse bin ich schon mal woanders hergefallen, das mach ich hier nicht wieder), geht es los.

 

Jemand schreibt: „äh, du….nicht dass ich dich kritisieren will, aber meinst du nicht, dein Hund ist zu dick?“

Nach einem kurzen virtuellen Luftholen prasseln in fünfzehn Minuten 25 Kommentare aus allen Ecken der Republik auf die Hundehalterin ein, die wahrscheinlich erstaunt vor ihrem Laptop sitzt und sich fragt, wie das passieren konnte.

Am Ende sind alle sauer, der Tierarzt soll ran, Rufe nach dem Tierschutz kommen auf, die Gruppe bricht auseinander, die Emojis gucken zunehmend grimmiger, es wird geblockt und aus Gruppen gekickt  und schon schreien die ersten nach den „Admins!!!!! Schließen!!!!!“

 

Ich habe vier Hunde. Einer ist rank und schlank, idealer BMI, ein Hundemodel. Ein anderer ist normalgewichtig. Seine Taille ist vorhanden, aber er ist mehr so der athletische Typ und strotzt vor Power. Er fühlt sich an wie eine gespannte Flitzebogensehne.

Die beiden Damen haben Übergewicht, die eine mehr, die andere weniger. Dass das so ist, hat seinen Grund: es wird zu viel gefuttert bei zu wenig Bewegung. Der Grund für die mangelnde Bewegung ist nicht meine eigene Bequemlichkeit. Das Dilemma bestand nicht immer, sondern ergab sich erst in letzter Zeit, zugrunde liegen gesundheitliche Umstände, die ich weder erläutern werde noch muss.

 

Man muss sich nicht vor irgendwelchen, meist fremden, Menschen für das Aussehen seiner Hunde rechtfertigen, erst recht nicht vor solchen, die sofort einen heiligen Krieg anzetteln, wenn man nicht veterinärmedizinische Rundumversorgung nach deren Vorstellungen nachweisen kann oder will.

Entschuldigungsgründe vorzubringen ist ohnehin sinnlos, weil jeder im Netz deinen Hund und dessen Lebensumstände besser beurteilen kann als du selbst.

Ob diese sensiblen Menschen wohl auch über die Figur anderer Personen urteilen und das öffentlich anprangern?

 

Natürlich darf man Hundehalter, die ihre Tiere adipös füttern, darauf hinweisen. Klar gibt es massenhaft zu dicke Hunde. Genauso unerotisch ist es aber, dem Beagle morgen mal statt 98,5 Gramm nur noch 42,75 Gramm edelstes Trockenfutter zu kredenzen, weil das Tier wieder quasi „unkontrolliert zugelegt“ hat!

 

Boah, ey, wie uncool. Hoffentlich seid ihr euch selbst (oder euren Kindern) gegenüber auch so verflixt taff.

Grade bei den Beagle gibt es viele zu dicke, aber auch extrem dünne Hunde. Das sind meist die, die über Tische und Bänke bei der Jagd nach dem kleinsten Häppchen gehen, die bei Veranstaltungen Melonenschalen und eklige Dinge aus dem Müll klauen, die mit hektischem Blick alles nach Fressbarem scannen. Und dann jedesmal Durchfall kriegen. Was eine Futterpause nach sich zieht. Merkt ihr was?

Normalgewicht ist, wenn der Hund normal aussieht,  gesund ist und sich angemessen verhält.  Spillerige, aufgeregte, gierige Hunde mit hungrigen Augen und dürren Hälsen sind vielleicht als Karikatur okay, als Familienmitglied nicht.

Beagle sind keine Windhunde. Rippen, Wirbel und Hüftknochen nicht nur tasten, sondern auch eckig und deutlich sehen können, ist vielleicht nicht so ganz richtig.

 

 

„Mein Beagle hat auf dem Hundeplatz nicht gespurt, jetzt hat unser Trainer ihm 48 Stunden Futterentzug verordnet!“

Dazu ein Foto eines acht Monate alten Rüden vor dem leeren Napf, den Blick ratlos in die Smartphone-Knipslinse gerichtet, garniert mit vielen feixenden Smilies, Daumen hoch.

Meine liebe Jungbeaglebesitzerin. Ich hätte dem übergeschnappten pädagogischen Ausnahmetalent 48 Jahre Hundeentzug verordnet…

Solange die Leute nicht selber denken, müssen es wohl andere für sie tun und mal meckern. In diesem Fall waren die entrüsteten Kommentare gerechtfertigt, fand ich. Leider hat wieder jemand nach dem „Admin!!!!“ gebrüllt, bevor geklärt werden konnte, ob der kreative Trainer seine Lizenz noch hat.

Wie gut, dass er nicht auch noch Wasserentzug verfügt hat, der pädagogisch gewiefte Schlingel, der.

 

Die hohe Schule im Futter-Kampfdiskutieren ist übrigens das Thema „Barfen“. Dabei werden Hundemütter (*brüll*) zu Hyänen!

In letzter Zeit tauchen ab und an Leute auf (meist Frauen. Das ist bei Hunden, Katzen und Pferden halt so), die ihren Hund, der ja, wie alle im Internet mitgekriegt haben, in direkter Linie und ohne links oder rechts abzubiegen vom Wolf abstammt, (einem Raubtier), vegan ernähren. Und Stein und Bein schwören, der Hund sei glücklich und gesund, aber sowas von!

Ey. Leute, wechselt die Tabletten.

 

 

Wenn man mit der Futterfrage durch ist, kommt unweigerlich das Thema „Auslastung“ aufs Tapet. Auch dieses Sujet führt in den Gruppen schnell zu unkontrollierbaren Interferenzen, weil es eben bei Hunden bzw. Beagles keinen goldenen Mittelweg gibt.

Da sind Hunde, die einen strafferen Stundenplan haben als ein Oberschüler. Warum? Was will denn so ein Hund? Da wir hier ja hauptsächlich Beagle-affin sind, fragen wir mal: was will denn so ein Beagle?

*Richtige* Beagle wollen vor allem zwei Dinge (also, abgesehen von futtern und schlafen, aber hier geht es jetzt um Beschäftigung): laufen, und schnuppern. Sozusagen die Nase einsetzen, und dabei rennen. Dafür sind sie gemacht!

Beagle finden es zwar auch mal nett, irgendwelche Agility, Degility, Jagility, Geräte- oder Apportierspielchen zu spielen, sie laufen auch mal eine Weile am Fahrrad – aber richtig, richtig toll ist für den gemeinen Beagle nur eins: im Zickzack seiner (!) Wege gehen, im beagleeigenen Tempo (=mal Überschall, mal Schnecke) und jeden Grashalm und jeden Quadratmillimeter einer Spur einzeln zu beschnuppern.

Ich kenne einen Beagle, der fast nur am Fahrrad läuft, nie darf er anhalten und in Ruhe etwas erforschen. Kaum ein Hund ist mehr zu bedauern.

Es gibt daher auch tausend Möglichkeiten, einen Beagle schön zu beschäftigen: man denke sich einfach ein paar lustige Aufgaben für die Hochleistungsnase aus oder spielt in einer der zuhauf vorhandenen Treffen mit Artgenossen.  Das ist allerdings mit etwas Aufwand und Interesse verbunden. Da ist so eine Fahrradrunde natürlich bedeutend schneller abgearbeitet…..was macht den Hund wohl zufriedener?

 

Da fällt mir ja glatt das nächste Highlight ein.

In einem Vertragswerk für die Teilnehmer eines solchen Treffens steht neben viel Gedöns über Impfschutz und Haftungsausschlüsse aller Art der folgende Satz: „Wer einen Beagle tritt, bekommt eine Verwarnung, beim zweiten Tritt einen Platzverweis!“.

 

---?---

 

Ich muss erst mal schlucken. Was herrschen da für Zustände? Das Maßregeln von Hunden wird maßgerecht geregelt, geil. Anscheinend wissen die Leute dort nicht, was angebracht ist.

Die „Betreuer“  wissen es aber dafür umso besser, was gut es, es scheint sich bei den Teilnehmern um Schwererziehbare zu handeln.

Beim ersten Tritt kommt der Brutalo also immerhin noch mit einer Verwarnung davon, gelbe Karte, aber kriegt halt noch eine Gnadenfrist! Zwei Kicks gegen den Hund = rote Karte, Feierabend.

 

Leute, mal aufgemerkt:

Mal abgesehen davon, dass der Verfasser dieses Blödsinns dem Jargon nach offenbar beim städtischen Ordnungsamt angestellt ist – würde jemand  in meinem Beisein nach irgendeinem Hund (ich würde das jetzt nicht an der Rasse festmachen!), Kind, Oma, Katze oder Hamster treten, egal, ob richtig und mit Schmackes oder mit halber Kraft,  gibt es einen ordentlichen Satz warmer Worte, und damit ist die Lage dann bereinigt. Ich zähle dann nicht noch akribisch mit!! Meine Güte.

 

Und last, but not least: eine Seite über einen Hundefreilauf, wo auf allen Bildern Hunde MIT bzw. an der  LEINE zu sehen sind.

Die gefälligen Besucher werden mit adäquaten Bezeichnungen tituliert. An den allgegenwärtigen Dosenöffner hat man sich ja schon widerwillig gewöhnt, aber wer will sich denn unter erwachsenen Mitteleuropäern als „Napfspüler“ und „Leinenhalter“ anreden lassen? Erst recht auf einer Freilauf-Veranstaltung!  Ich bin doch die Familie meiner Hunde, nicht ihr Dienstmädchen oder ihr Handlanger! Menno!!

 

Kommentare

Es sind noch keine Einträge vorhanden.
Bitte geben Sie den Code ein
* Pflichtfelder