...die Eder-Beagle(s)
...die Eder-Beagle(s)

Facebook und andere Dummheiten, Teil 2

Der zweite Teil. Es geht um gutes und schlechtes Züchten, Hunde bei 
ebay und anderswo, sowie allerlei elitäre Getue.

 

Das schlimmste, was einer Hunderasse passieren kann, ist, zum Modehund zu avancieren. Beagle aus seltsamen "Zuchten" überschwemmen das Land und das Netz. Es gibt tatsächlich Menschen, die stolz darauf sind, dass sie ihren Welpen aus "über sechzig!! einer schöner als der andere!!" aussuchen konnten - an einer einzigen Zucht "stätte", und dabei noch günstig!
Toll.
Es gibt sogar Menschen, die unsere Beagletreffen mit der Absicht aufsuchen, sich die zukünftige Mutter / den zukünftigen Vater ihres in Bälde erwünschten Beaglenachwuchses auszusuchen. Mit dem eigenen Hund im Schlepp auf Brautschau, sozusagen. Privatleute, eigentlich, so denkt man, im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte.
Offenbar eine irrige Annahme.
 
Warum? „Mein Hund ist so schön, der muss unbedingt Papa werden!“ Echt? Großer Gott! Schön sind die anderen 450 Beagle auch, die irgendwo dringend vermittelt werden müssen, braucht man da noch Beagle Nr. 455 bis 460?! Wenn Ihr Superhund also nicht gerade herausragend grandiose Eigenschaften hat, braucht man keine Welpen von ihm, so einfach ist das.
Natürlich gibt es wertvolle Eigenschaften und Merkmale, die unbedingt erhaltenswert sind. Züchtern, die fern von jeder Mode, Qual, Profit und Eigennutz die Gesundheit einer Rasse fördern und dabei als erstes Ziel das Wohlbefinden der Elterntiere im Blick haben, gebührt mein größter Respekt. 
Aber um die geht es hier ja nicht.
 
Tierschutzhunde sind glücklicherweise mittlerweile fast immer von der Zucht ausgenommen. Mit ehemaligen Laborhunden ist das „Hundebabies haben“ schlichtweg verboten - weil niemand weiß, was mit genau diesem Hund los ist, obwohl es auch hier schon knalltütige Ignoranten gab, die über ihre "so hübsche" Laborbeaglehündin einen potenten Rüden drüberrutschen lassen mussten. 
 
„Zucht“ ist auch, wenn ein Hund nur einmal im Leben wirft bzw. deckt. Und der Irrglaube, dass es der Gesundheit der Hündin zuträglich ist, wenn sie „einmal Kleine“ gehabt hat, wird hoffentlich auch noch mal irgendwann aus den Köpfen verschwinden.
 
Verantwortungsvolle, durchaus auch selektive Zucht ist eine gute Sache. Begreifen kann ich aber nicht, wieso es auch in renommierten Zuchten, die beileibe nichts von Vermehrung wissen wollen und von „Hinterhof“ meilenweit entfernt sind, zwei Würfe in drei Jahren sein müssen.
Manch einer der nach eigener Aussage verantwortlichen Zuchtexperten geht mit wahrem Tunnelblick durch seine Blümchenwelt, nicht ahnend, wie viel Tierschutzgedöns nötig ist, um all der nicht benötigten und nicht mehr gewollten Welpen Herr zu werden.
 
Der heutige Reißer im most beloved social media ist eine Dame, die sich der möglichst zahlreichen Nachkommenschaft einer schicken Designerrasse angenommen hat und sich als erklärten Fan von "Hobbyzüchtern" outet. Bauern- und sonstige Höfe sowie die ahnungslos-naiven "einmal-Privatbeleger" sind für sie völlig okay, Vereinszüchter nicht so. Nur aus dem Ausland mag sie keine Hunde, und Massenzuchten sowie Hundefarmen würde sie nicht "unterstützen wollen".Na, da können wir ja alle noch mächtig froh sein über soviel Grips!
Dümmer geht's eben immer.
 
Im Inland wird vermehrt, gezüchtet, geworfen und verhökert, was das Zeug hält. 
Man muss nicht lange suchen, um Welpen zu finden, die in schlimmen, unwürdigen, profitgeilen Umständen zur Welt gekommen sind. Spart der "Züchter" nicht nur an Impfungen, Entwurmungen und Pflege, sondern auch am Futter, Ambiente und Sozialisierung, verdient man auch tüchtig Kohle mit den Hunden.
Und weil das toll geklappt hat, machen wir es baldmöglichst wieder. Es gibt Vernunftbefreite, die ihre Hündinnen mit 14 Monaten erstmalig decken lassen. 
 
Die Hundedesignerin aus eigenen Gnaden postet frohgemut das Todesurteil für den Kampf gegen die Vermehrung: "es geht doch um die Welpen, nicht um die Eltern".
 
Das muss ich erstmal sacken lassen.
"Es geht doch nicht um die Eltern" spiegelt,  wie keine zweite Aussage, den ganzen lebensverachtenden Irrsinn dieses Marktes wider.
Die Positionierung auf dieses Statement zeigt, dass die Gebärmaschine gefälligst zwei Dinge zu können haben muss: gut aussehen (zumindest auf einem Foto, dass man bei Gelegenheit irgendwo posten kann) und funktionieren.
Den Rüden ranlassen, empfangen, problemlos möglichst zahlreich werfen, schnell abgeben, und bitte ganz schnell wieder bereit sein.
 
Es geht IMMER um die Eltern, vor allem um die Mütter.
Welpen gibt es so viele, da wird einem schwindlig, und jeder will sie haben.
Manchmal fürchte ich, diese Problematik werden die Leute nie kapieren. Solange jeder dieser kommentierenden Deppen aber auch jeden neuen erfolgreichen Deckakt feiert wie die Geburt des nächsten Kronprinzen, wird sich das auch nicht ändern.
Die Welpenfans wollen sich den Spaß ja auch nicht vermiesen lassen, die verbrauchte Hundemutter interessiert eben nicht.
Kürzlich war eine 8 Jahre alte BCD-Hündin im Netz, es wurde bitterlich kritisiert, wie lange die Geburt dauerte und dass es am Ende nur 4 Welpen waren. Ich weiß nicht, ob das nicht noch trauriger ist, als dem Hund mit gut einem Jahr schon die Jugend zu nehmen. 
 
Ich möchte gar nicht, dass es plötzlich signifikant weniger Beagle gibt - aber noch mehr müssen es doch auch nicht sein?
Die Welt braucht garantiert nicht noch mehr zuckersüße A-Z-Würfe mit Namen wie aus Disney-Filmen (oder der Klapse), solange die einschlägigen Plattformen voll sind mit dringenden und "dringendsten" Appellen, wo wieder jemand seinen Beagle unbedingt sofort loswerden muss. Auch gern geschenkt, Hauptsache, weg, nur schnell!! Ob der Hund dann nach der blitzartigen Weitergabe ein Dasein fristet, wo er sich plötzlich an der Heizung einer Wohnung im 8. Stock angebunden sieht (wie unlängst der 10jährige Rüde, der sich in der neuen Familie mit den schreienden Kindern auch nach einer ganzen Woche noch nicht an die veränderten Umstände anpassen wollte! Böser Hund!), ist dann längst nicht mehr das Problem der abgebenden Familie. Sorgfältige Vermittlung gelingt den Wenigsten, und nicht ohne Grund machen die Tierschutzleute so ein fürchterliches Trara mit Vor- und Nachkontrollen.
Käme ich je in die schreckliche Lage, einen meiner Hunde abgeben zu müssen - höchstpersönlich würde ich ihn im neuen Zuhause abgeben und eingemeinden. Auf nichts würde ich mich verlassen.
Es gibt noch schlimmere Fälle als den Heizungs-Hund. All das, was in Wort und Bild im Netz so angeprangert wird, gibt es irgendwo tatsächlich - bemüht eure Phantasie bitte selber.  Man muss auch hier nicht lange suchen. Und in diese Ungewissheit hinein gibt man einen Hund ab, der bis gestern noch das "allergeliebteste" Familienmitglied war. Bis die "blöde Töle" dann irgendeinen unverzeihlichen Fehler gemacht hat. 
 
Innerhalb zwei Wochen habe ich im Netz zehn Beaglehündinnen in anderen Umständen oder mit einem frischen Wurf gefunden. Das sind locker 50 Beagle, die in Kürze ihre neuen Besitzer suchen oder sogar schon gefunden haben.
Warum?
Die Tierheime, Tötungsstationen, Zuchtstationen, Vermehrerklitschen, Tierschutzorgas aller Couleur und vor allem: ebay-Kleinanzeigen sind voll von Beagles!
Einer ist dringlicher als der nächste, immer muss einer noch unbedingter sofort irgendwo weg – da wird der Ton auch schon mal verzweifelt. Und grob. Beagle werden verschenkt, mit allem Zubehör, all inclusive, nur bitte: am besten schon gestern muss der Hund hier raus.
Abgesehen davon, dass die Weitergabe ohne Schutzgebühr und Vertrag ein „no go“ ist – wieso musste es denn überhaupt so weit kommen?
Kriegen die Leute nicht rechtzeitig mit, dass irgendetwas nicht richtig läuft mit dem Tier? Dass die Liebe dann doch nicht so groß ist? Dass die eigenen Ressourcen an Zeit, Geduld, Lust und Geld sehr viel geringer sind, als angenommen?
Beagle sind „in“, sie sind niedlich und haben weiche, lange Ohren. Diverse Presseveröffentlichungen erklären den zukünftigen Hundehaltern, dass Beagle tolle Spielkameraden für die Kids sind. Bingo! Manchmal ist es doch besser, unmodern zu sein.
Sie sind Legion, die Hunde, die auf diese Weise weiterverkloppt werden. Kaum ist der eine Fall erledigt, taucht der nächste auf, noch dringender, noch tränentreibender der Grund, noch herzloser die Anzeige. Oder alles zusammen. Es betrifft natürlich nicht nur Beagle, aber Beagle scheinen ein besonderes gutes Händchen für die falsche Halterwahl zu haben....
 
Der heutige Beagle meiner Wahl sucht mit seinem Wurfgeschwister von einem Ort in Sachsen aus sein Zuhause. Es seien diesmal nur zwei Welpen. Auf impfen und chippen verzichtet die "Züchterin", die Tiere hätten bislang noch keinen Tierarzt "gebraucht". Aha.
Nachtigall, ick hör dir ja sowas von laut trapsen - eine Kollegin ruft dort an und fragt. Knapp vierhundert Euro sollen die Tiere jeweils kosten. Okay, wann treffen wir uns? Ach, eigentlich wollte man ja warten, bis sie acht Wochen alt sind, aber was soll's, , die paar Tage (10), kein Problem. Man träfe doch bitte in der Hausnummer 26 zusammen.
Ja, Augenblick, aber im Telefonbuch stehen Sie doch unter Hausnummer 47? Umgezogen? Großgrundbesitzer? Verwirrt?
Ach ja, nee, die Hunde würden zur Besichtigung immer in die 26 gebracht.
So.
Für wie doof halten einen die Leute eigentlich? Wir bemühen Google Earth. Ortsdurchfahrt. Die 26 ist offenbar ein Reihenhaus, Gärtchen hinten, vorzeigbar, jedenfalls sieht es vom Satelliten so aus.  Den aufsteigenden Hausnummern indes ist ein gewisser Abstieg anzumerken: ab den 35ern wird es optisch weniger nett. 47 ist ein landwirtschaftliches Anwesen mit unüberschaubarem Gebäudebestand.
Alles klar. Jeder kann sich denken, was hier passiert. Ich würde mit dem örtlichen Tierschutz und einem Veterinär in der 47 aufschlagen und die abgewrackte Hündin suchen gehen.
Wer weiß, was man alles findet.
 
Die Beagle-Welt ist eine gespaltene. Es gibt Beagle erster Klasse (= die mit den richtigen Papieren, Ahnentafel jahrzehntelang lückenlos nachverfolgbar, bis fast ins ferne England), und es gibt zweitklassige (schon irgendwie aus einer Zucht, aber keine Papiere, Nachweise also maximal bis in die Elterngeneration möglich = minderwertig).
Und es gibt wahre Beagle-Loser, Underdogs aus dem Tierschutz, womöglich aus dem Ausland oder von einer Organisation, die ehemalige Laborhunde vermittelt,  die zu gar nix taugen, die man am besten nicht mal mit den "richtigen" zusammentreffen lässt, weil: sie sorgen für Durcheinander.
Da haben wir einen hochdekorierten Rassevertreter, der mit dem halben Stammbaum (da sind sie wieder, die Karussellbremsernamen, die für absolute Belustigung sorgenden Namen, die kein Mensch mit Verstand auch nur seiner Barbie geben würde.....weshalb es dann auch ganz flott fast immer griffige Abkürzungen gibt ;-)) bei Facebook aufgeführt ist. Der Stolz des Besitzers ist berechtigt und freut mich! Ein schöner Hund. Jung, normgerecht, verspielt, gut erzogen, darf mit ins Büro und alles. 
ausführlich vorgestellt wird. Leider hat der über alle Maßen stolze Besitzer einen schrecklichen Standesdünkel. Was der junge Hund nämlich nicht darf, ist: in schlechte Gesellschaft geraten.
Schlechte Gesellschaft ist in diesem Sinne leider offenbar alles, was nicht die gleiche edle Kaste darstellt. Hunde mit weniger guten Papieren gehen gerade noch so an, Hunde ohne Papiere sind aber schon mit erheblicher Vorsicht zu genießen. Hunde unbekannter Tierschutzherkunft sind sozial nicht angemessen für den Highscore-Abräumer und sein blasiertes Herrchen.
Laborbeagle gar, die sind Paria. Und gehören außer ins Labor anscheinend sowieso nirgendwo hin.
Ich stelle mir vor, wie der Mann seinen medaillendekorierten Edelbeagle am Hundeplatz selektiert, stets angewidert naserümpfend und von einer außer Kontrolle geratenen, spielwütigen, rotzigen Bande von Proleten bedrängt ;-) 
Ach je.
Bevor noch Forderungen nach Spielplätzen mit Zugangskontrolle, ausschließlich für BCD-Beagle mit abgefahrenen Namen laut werden: Leute - mal bitte alle runter von den hohen Rössern.
Ich lade Sie herzlich zu unserem nächsten, gut durchmischten Beaglespielplatz ein! Es klappt über jede Herkunftsschranke hinaus, glauben Sie's mir. Keiner der Hunde hat bisher nennenswerte psychische Schäden davongetragen- Trotz der unrühmlichen Tatsache, dass die 3rd-Class-Loser bei uns in der Überzahl sind!
Der glückliche Mensch wird bei FB entsprechend befragt, von Menschen, die das alles auch nicht so richtig nachvollziehen können.
Nicht, dass wir uns hier falsch verstehen: ich finde es gut, wenn Hunde mit hervorragenden Anlagen aus Zuchten hervorgehen, wenn es denn schon überhaupt Nachwuchs sein muss - siehe die Erläuterungen weiter oben.
Einem Hund mit Abstammungsnachweis ist zuzutrauen, dass er tatsächlich gesund und zuchttauglich ist. Bei einem Hund ohne Abstammungsnachweis ist die Wahrscheinlichkeit größer, nicht nachvollziehen zu können, welche Allelen womöglich einen Knick haben, sei es durch "übersehene" oder geduldete gesundheitliche Mängel, sei es durch einen zu geringen Genpool (um dem bösen Begriff Inzucht etwas freundliche Farbe zu verleihen). Die meisten Hunde leben so oder so lange und gut, und irgendwo müssen die Massen von Hunden ja auch hin. Wenn sie nun schon mal da sind.
 
Aber was spricht denn dagegen, dem Hund Kontakte zu anderen zu ermöglichen? Erziehen Sie Ihre Kinder auch so elitär?
Der Halter sagt: sein Hund versteht die Signale der Laborhunde nicht, denn Laborhunde können kein "hundisch".  Diese seien so verstört und seltsam in ihrem hündischen Ausdrucksverhalten, dass sein Hund, der ja nur die Sonnenseiten des Lebens kennt, dadurch Beeinträchtigungen erleidet, verwirrt wird und seinerseits genauso neben die Spur gerät. Ein Glück, dass der Mann aus dem Tal der Ahnungslosen nicht auch noch behauptet, die Laborbeagle hätten ansteckende Krankheiten und wären auch überhaupt allgemeingefährlich - igitt!
Es ist okay, auf Nummer Sicher gehen zu wollen. Blöd wird es, wenn andere (Hunde und Menschen) diskriminiert werden. Wir wünschen dem Herrn immer gute Kontakte mit Hunden und Haltern, die ihm angemessen das Wasser reichen können.
Wie heißt das, was da gerade in den Schulen und Kitas praktiziert wird? Inklusion. Bei Menschen klappt das!
Na, kann ja nicht jeder können.
 
Es stellt nicht das Maximum an Hundeverstand, Handlungssicherheit und Lebenserfahrung dar, aus einem Hund, der ohnehin schon die allerbesten Voraussetzungen mitbringt, etwas Gutes werden zu lassen.
Höher sind die Ansprüche, wenn Sie einen Hund haben, der geschädigt an Leib und Seele zu Ihnen kommt, der womöglich depriviert ist. Aber das ist nicht jedermanns Sache. Überlassen wir es also denen, die dazu in der Lage sind.
Allzu viele sind es nämlich nicht.