...die Eder-Beagle(s)
...die Eder-Beagle(s)

Facebook & andere Dummheiten, Teil 3

In Teil 2 meiner bösartigen Facebook-Trilogie habe ich über Modehunde geschimpft – alle Welt will Beaglehalter sein, scheitert in dreiviertel aller Fälle, und setzt dann alles daran, den Hund unkompliziert, kostenneutral und schnellstmöglich wieder los zu werden.

 

Das zweitschlimmste Hunderassen-Schicksal ist: Hunde, die von jeher ganz spezielle Aufgaben haben, als "Familienhund" zu deklarieren.

 

In welcher Familie bitte kann man einem Beagle gerecht werden?

Jedenfalls nicht in so einer: berufstätig, zwei kleine Kinder, Minijob, Reihenhausgarten. Oder: vollzeit arbeitende Häuslebauer, Hund ganzen Tag allein, wie denn auch sonst). Oder: Rentner mit Beaglewelpe. Welcher Züchter tut seinem Hund ein ü-70-Paar mit operierten Knien und Hüften an? "Aber er war der ruhigste im ganzen Wurf!"

Ach so. Das rechtfertigt einiges. Jetzt ist der Hund aus der Lethargie erwacht, in der Hundepubertät und macht, was er will.

Na, solange es die ebay Kleinanzeigen gibt…!

Problem gelöst, Hund zieht aus, wohin, ist erst mal nicht so wichtig - Hauptsache, weg, auch das blöde Thema mit der leidigen Verantwortung für den schwierigen Hund.

Es passt nicht jeder zu einem Beagle!

 

 

Natürlich gibt es wichtige und zwingende Gründe, einen Hund abzugeben. Aber die Leichtfertigkeit, mit der in unserer schönen neuen Internet-Welt Lebewesen "angeschafft" oder "geholt" und dann wieder verschoben und verschachert werden, ist schrecklich.

Leute, denkt an euer Karma!

 

 

Noch gruseliger ist dieser Trend: man paart den hauseigenen Beagle mit allen möglichen anderen schicken Hunden.

(Vor allem, um dem Hybrid dann wieder flotte Namen geben zu können, nehme ich an).

 

Es gibt Puggle (die allerdings mittlerweile den ersten Horrorverpaarungen entwachsen sein dürften und zumeist gesunde Hunde sind).

Es gibt Pudel-Beagle. Bully-Beagle. Wahrscheinlich auch irgendwo Ridgeback- oder Schäferhund-Beagle, Gott bewahre uns vor der Ignoranz der Menschen.

Es gibt aber auch solchen Wahnsinn wie Australian-Shepard-Beagle: ein Hund, der womöglich hin und her gerissen ist zwischen Jagd- und Hütetrieb, zu groß, unkontrollierbar, schnell, eine multiple Hundepersönlichkeit.

Oder Jack-Russel/Beagle: den Gleichmut, den man dem Beagle mühsam anselektiert hat und den man den Rest des Hundelebens trainieren und bestärken darf, sucht man beim Jack Russell völlig vergebens.

 

Hunde, die aufgrund ihrer vielseitigen jagdlichen Talente als Spezialisten für bestimmte Dinge gezüchtet werden, brauchen kein entspanntes Wesen, sondern Schmackes. Zwei superkluge, absolut spurtreue, eigenverantwortliche Jäger treffen aufeinander. Erdarbeiter trifft auf spurlauten Dauerläufer.

Toll.

Ein hibbeliger Hund ist da, dessen genetische Defekte sich auch noch bestens ergänzen. Glückwunsch zum Nachwuchs. Die armen Übernehmer! Ob die stolzen "Eltern" die nötige Aufklärung leisten? Und dem Hund das passende Revier bieten können?

Ob sie die Nerven für so ein Powerpaket haben?

Die Leute geben schon ihre reinrassigen Hunde ab, weil sie sich hoffnungslos übernommen haben, was soll aus solchen dreifarbigen Pulverfässern werden?

 

Ja, die Mischungen können lustig aussehen, erst recht als Welpen. Schade, dass die Welpenzeit so kurz ist und der Hund plötzlich etwas ganz Unerwartetes tut: er wird erwachsen und ist nicht mehr ausschließlich "süß".

Man hat den Eindruck, der Beagle, dieser Allerwelts-Wald-und-Wiesen-Tausendsassa, böte sich schamlos zu jedweder Mixtur an. Das mag auf süd- und osteuropäischen Straßen ja passieren, bei "Gewusst und Gewollt", womöglich noch dem Deckakt von der Terrasse aus beifällig zuschauend, ist es Irrsinn und tierschutzrelevant.

Designerhunde.

Leider ist nicht jedes durch Laienhand erschaffene "Design" preisverdächtig. Oder auch nur gefällig.

Hoffentlich sind die Hunde gesund, und hoffentlich handelt es sich tatsächlich nur um aus blauäugiger Romantik geborene Nachwuchsverliebtheit, fern jeder Gewinnerzielungsabsicht.

Ein intensives Studium der Genetik kann man wohl bei dieser Art der Fortpflanzung nicht voraussetzen, aber vielleicht haben die verpaarungswütigen Hundehalter wenigstens in Betracht gezogen, dass Defekte mitunter eine Generation überspringen. Falls nicht, haben eben die nächsten Hundeeltern den schwarzen Peter, ist ja auch egal.

Huhu, ihr Mamas und Papas: Übrigens werden nicht SIE Eltern, sondern Ihre Hunde.

(Sorry dafür! So ganz ohne Sarkasmus kann ich einfach nicht!)

 

Wo Beagle sind, ist es nicht weit bis zum Laborbeagle.

Absolut toll und fast immer sehr lohnenswert ist es, einem ehemaligen Laborhund den Weg in ein würdiges, einem Beagle gerechtes Leben zu ebnen.

Dass auch ein Laborbeagle im Herzen ein echter Beagle ist, wird dabei gern vergessen.

Nicht immer handelt es sich bei den Versuchskaninchenbeagle um schreckhafte, endlos traumatisierte Wesen. Mittlerweile ist es gar nicht selten, dass das Kerlchen die Versuchseinheit verlässt, sich schüttelt, umguckt und fragt: wow - hallo, was kostet jetzt die Welt und wie komm ich fix zu dem mir zustehenden maximalem Spaß?

 

Die Menschen erwarten einen total verpeilten Zitteraal, voller Narben an Körper und Seele, und bekommen – huch - einen relativ normalen Hund. Aber einen, der auch im fortgeschrittenen Alter (= der Welpenzeit entwachsen, gerne pubertär) noch eine Menge lernen muss, um alltagskompatibel zu sein.

Komisch, dass Welpenpipi in der Wohnung irgendwie niedlicher und viel weniger anstrengend ist als Erwachsenenhunde-Pipi.

Daran scheitern viele. Geduld? Ja, für arme, kleine Laborprügelknaben wäre die ja dank des besonders bei Frauen tief verwurzelten Mitleidsmechanismus, der beim Anblick des kleines ängstlichen Tierchens sofort einrastet, auch vorhanden!

"Dieser hier ist aber fit, der braucht nicht so viel Geduld, der kann funktionieren."

Manchmal merkt man sehr deutlich, dass das grundlegende Verständnis für die Canidenpsyche noch fehlt, egal, wo das Hundchen vorher gewohnt hat.

 

Den verpeilten Zitteraal bekommt man heutzutage gern aus dem Ausland geliefert. Da haben Sie die besten Chancen auf den "Angsthund", der für manche Hundehalter offenbar das Nonplusultra an "gelebtem Tierschutz" ist.  Höhere Weihen für Tierschutzfreaks sozusagen.

 

 

Erstens ist nicht jeder Hund, der Angst hat, ein Angsthund.

Angsthunde sind schwer traumatisierte Tiere, denen man mitnichten einen Gefallen tut, indem man sie in menschliche Nähe und Behausungen zwingt. „Richtige“ Angsthunde wünscht sich kein normal denkender Mensch, und niemals wird ein Angsthund in unserer Nähe glücklich und frei werden. Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede. Verdienen Sie sich Ihre Tierschutzmedaille anderswo, bitte.

Zweitens gewinnt im besten Fall der bislang benachteiligte Hund, wenn Sie ihn adoptieren, nicht SIE! Sie haben zunächst eher wieder die ganze unliebsame Arbeit zu machen, mit etwas Dusel allerdings auch irgendwann einen treuen, freundlichen Begleiter gewonnen.

Drittens fragen Sie sich mal bitte, wie Auslandstierschutz sinnvoll durchgeführt werden könnte. Dieses Thema weigere ich mich jetzt aber zu vertiefen.

 

 

Tierschutz. Es hat den Anschein, als betreibe jeder, der eine Stubenfliege nicht reflexartig erschlägt, sondern umsichtig an die frische Luft setzt, schon Tierschutz.

Jeder Verein, der entfernt was mit Hunden zu tun hat, betreibt natürlich gleichzeitig auch irgendwie Tierschutz. Mutmaßlich hat das was mit der angepeilten Gemeinnützigkeit zu tun, deren Nachweis aber mitunter so einfach auch nicht zu führen ist.

Kaum etwas schießt so pilzgleich aus dem Boden wie Tierschutzorganisationen. Wäre es nicht besser, all die vielen bedeutungslos Winzigen würden sich zu wenigen Größeren, die sich dann weitaus besser und schlagkräftiger engagieren könnten, zusammentun? Es möchte aber offenbar jeder sein eigenes dünnes Süppchen kochen. Ja,  wenn's nützt….aber warum?

 

All die betrifft aber nicht nur Hunde oder gar ausschließlich Beagle, sondern Tiere aller Art und Gattung.

Was macht eine einzelner Hase oder ein einzelnes Meerschweinchen auf seiner vierzig mal sechzig-Grundfläche?

Oder meinetwegen auch hübsch ausstaffiert im Außengehege? Es ist allein, das ist der Knackpunkt.

Darauf angesprochen, bekommt der besorgte Tierschützer zur Antwort:

„Ach, das ist okay. Das ist das so gewohnt.“

 

Ja, was soll es denn auch machen, das Nagetier? Einen Kaninchenaufstand anzetteln? Sich in ein Meerschweinchenninja verwandeln und mit angefeilten Gitterstäben bewaffnen?!

Hey, es ist euch ausgeliefert!

Wenn der Mensch falsch füttert, es zu lange in der Sonne lässt, Unwohlsein nicht erkennt oder sonst wieder meint, alles besser zu wissen (oder erst mal bei Facebook drei Tage lang blöde Fragen an andere Banausen stellt, bevor man endlich den seit 48 Stunden überfälligen Tierarztbesuch und die damit verbundene finanzielle Belastung auf sich nimmt, womit das 15-€-Nagetier dann plötzlich acht mal so viel wert ist), badet der hilflose Nager das aus.

 

Kaninchen, Goldhamster und Meerschweinchen sterben auch nicht, sie „gehen ein“.

So wie zu viel oder zu wenig gegossene Topfblumen. Man bekommt den Eindruck, einen höheren Stellenwert hätten sie auch nicht. Holen wir eben ein neues!

Es gibt Kinder, die würden den Austausch nicht mal merken.

Die Einzelhaft zeigt nur eines: das hier wieder jemand null Gedanken an das Baumarkthäschen verschwendet, sich keine Sekunde damit beschäftigt, was das Tier zum artgerechten Über-Leben benötigt.

Je kleiner und preiswerter eines der kuscheligen Familienmitglieder, desto unüberlegter wird angeschafft, geholt, sich zugelegt.

 

„Adoptieren“ ist ein schönes, der Menschenwelt entliehenes Wort, das manche Tierschutzorganisationen für ihre Vermittlungen benutzen. Es impliziert eine gewisse Verantwortung, eine Hürde, die der Tierhalter in spe erst einmal überwinden muss.

Recht so! Die Verträge, mit denen Tiere an fremde Leute überantwortet werden, können gar nicht ausgefeilt genug sein. Bitte noch mit einem Sanktionenkatalog hintendran, wenn es nach mir ginge.

 

Man glaubt ja nicht, wie häufig blitzartig zu Tage tretende Allergien sind! Fast so grassierend wie die (zu) späte Erkenntnis, dass Hunde Mühe machen – man muss mit ihnen raus, sich kümmern um allerhand Bedürfnisse, und Haare verliert das Tier auch noch.

 

Es gibt tatsächlich Menschen, die es in einem ganzen Jahr nicht geschafft haben, ihren Kindern den einfachen Vorgang des Schließens einer Tür nahe- und beizubringen (die Alternative, einen vernünftigen Zaun ums Grundstück zu drapieren, kam offenbar nicht in Betracht).

 

Ergebnis: der Hund geht regelmäßig stiften, was bei einer jagdlichen Disposition gewisse unschöne Verwicklungen nach sich ziehen kann. Nach dem einen Jahr, in dem der Junghund sich die Freiheit nehmen konnte, zu kommen und zu gehen, wie es ihm beliebte, wird es schwierig mit der Erziehung.

 

Inzwischen ist aus dem „Zucker!!!“-Welpi ein eigensinniger Hundeteenie geworden, was die Entscheidung zur Trennung immens erleichtert.

Hunde werden auch gern weitergereicht, wenn sie so unverschämt sind, an irgendetwas zu erkranken. Oder zu altern!

Wenn sich doch nur mal die Erkenntnis Bahn brechen würde, dass nicht in jedes Leben ein Hund/eine Katze/ ein Meerschweinchen passt.

 

Man muss kein eigenes Tier haben!!

 

 

___________________________________________________________

 

*Gerne wird "anscheinend" mit "scheinbar" verwechselt. Zu schwierig. Wird aber auch von Berufsschreibern gern falsch benutzt. 

Zitat aus dem "Zwiebelfisch":

"In den meisten Fällen, in denen ‚scheinbar‘ gebraucht wird, ist in Wirklichkeit ‚anscheinend‘ gemeint. Die beiden Wörter sind keinesfalls gleichbedeutend. "Anscheinend" drückt die Vermutung aus, dass etwas so ist, wie es zu sein scheint."(…) "Scheinbar" hingegen sagt, dass etwas nur dem äußeren Eindruck nach, nicht aber tatsächlich so ist.

Statt "das ist ihm scheinbar egal" oder "scheinbar hat es keiner gewusst" muss es heißen: "das ist ihm anscheinend egal" und "anscheinend hat es keiner gewusst". Andernfalls würde es bedeuten, die Gleichgültigkeit oder die Unwissenheit wären nur vorgetäuscht."

 

___________________________________________________________

 

Mit meiner Erbsenzählerei und Klugscheißerei bin ich übrigens schon immer negativ aufgefallen. Und wahrscheinlich werde ich in kürzester Zeit aus allen meinen so liebgewonnenen Social-Media-Gruppen exkommuniziert.

Ich werde dann die Zähne zusammen beißen und versuchen, damit zu leben.

 

  

Schon häufig habe ich über Beagle geschrieben, meist recht lustige Textchen über die speziellen Eigenarten unserer Lieblingshunde, immer deutlich satirisch und oft ein bisschen autobiografisch, weil man über die eigenen Fettnäpfchen ja auch mal gern lacht.

Dies hier war nicht wirklich satirisch. Mir ist gerade nicht so spaßig zu Mute, sondern nach einer Zeit des vor-mich-hin-Gärens bin ich einfach nur angepisst. Weil:

Soziale Netzwerke.

Klar nutze ich Facebook. Wenn man etwas verkaufen, vermitteln oder aus anderen Gründen sehr viele Leute erreichen möchte, kommt man an Facebook kaum noch vorbei, und natürlich ist auch der Unterhaltungswert nicht zu unterschätzen. In diesem Sinne…..

 

__________________________________________________________