...die Eder-Beagle(s)
...die Eder-Beagle(s)

Der ungefähr 17. Artikel über die Vermittlung von Hunden - Achtung! Satire!

 

Sehr geehrter Herr A. aus B.!

 

Vielen Dank, dass Sie sich für einen unserer Hunde interessieren und dafür, dass Sie sich die Mühe eines Telefonates mit einer unserer Vermittlerinnen und, infolge eines bedauerlicherweise nicht zufriedenstellenden Verlaufs, noch mehrerer nachfolgender Emails machten. Vielen Dank auch dafür, dass Sie sich bemüßigt fühlten, die trübe Zukunft unseres Vereins und das noch bescheidenere Schicksal des betreffenden Hundes zu prophezeien. Vielen Dank insbesondere auch für Ihr vernichtendes Urteil an der, Ihrer maßgeblichen Meinung nach, grottenschlechten Qualität der Pflegestellentagebücher.

 

Ja, es ist ein Wunder, dass wir überhaupt Hunde vermitteln. Unsere Vermittler sind egoistisch und schlecht informiert, genervt und überarbeitet, neigen zum Starrsinn, und schlecht geführt sind die Telefondrachen sowieso. Unsere Hunde haben zweifelsohne beträchtliche Macken, so werden wir die natürlich nie los, und intern sollten wir Aufarbeitung unserer zahllosen Fehlleistungen vorantreiben, unsere Haltung schadet dem Verein.

 

Hallo-o, Herr A-ha! Momentchen mal! Wir SIND der Verein. Und kommen mit unserer demokratischen, gut vernetzten Struktur ganz supi klar!

 

Aber selbstverständlich muss sich was ändern, Sie haben ganz Recht, lieber Herr „A.“ aus dem nordrhein-westfälischen „B.“, der sympathischen Universitätsstadt voller angehender Akademiker. Und Fahrräder.

(Labor-)Beagles gibt es da anscheinend noch nicht so viele, und in naher Zukunft wird sich an diesem Umstand auch nichts, gar nichts, gravierend wandeln. Jedenfalls, wenn es nach uns geht.

 

Ändern, indes, ändern wird sich was. Und zwar zunächst einmal an der Art und Weise, wie offen wir mit Leuten umgehen, die uns bei jeder Gelegenheit mit grauenhaften Folgen („an die Öffentlichkeit gehen“, an „die Presse gehen“, sich beim Vorstand beschweren, Leumundszeugen anschleppen,  Pranger, teeren, federn, vierteilen, standrechtlich erschießen) für unser kundenunfreundliches Verhalten drohen.

 

Sie sind aber jetzt nicht zufällig Hauptmann bei den Panzergrenadieren, Generalmajor bei der guten alten Légion étrangère oder Polizeipräsident? Schade.

Wenigstens CEO bei Siemens? VW?*

Ach, auch nicht. Naja. 

In diesem Fall hätten Sie vielleicht ein bisschen Ahnung von Menschenführung und wie man mit Leuten spricht, von denen man was will, verflixt. Sie wollten einen Hund von uns, Jamie, wen auch sonst. Nicht wir wollen etwas von Ihnen, was einen kleinen, aber feinen Unterschied in der Sache an sich macht. Das einzige, was wir eventuell wollen könnten, ist, dass Sie Ihre Einstellung zum Besitz und dem Erwerb eines ehemaligen Laborhundes möglichweise nochmal einer strengen Überprüfung unterziehen sollten.

 

Wir wollten Ihnen den nicht geben, und auch keinen anderen, und so nahm das Unglück seinen Lauf. Jetzt sind Sie böse mit uns. Et tu! Sie also auch, so wie vor Ihnen Herr B., Frau C. und Familie D. Und einige mehr.  Sie machen Ihrer beträchtlichen Verärgerung Lust. Das ist völlig in Ordnung, wirklich! Nur: es ändert nichts an der Entscheidung. Sie glauben ja bestimmt selber nicht, dass wir nach Ihrer Beschwerdeführung sogleich reumütig einknicken, huch, Herr A., auch bei uns ist der Kunde König, selbstverständlich sehen wir gern von unseren Prinzipien ab, was soll’s, dann ist der kleine Hund eben den halben Tag allein, tja, da muss er durch, der Ladenhüter, und überhaupt – als gemeinnützige Tierschutzorga, betrieben von machtbesessenen Ehrenamtstussis im Dauerstreß,  kann man nicht alles haben!**

 

Sobald Sie also die LBH aufgekauft und in eine AG umgewandelt  haben, dürfen Sie uns gern Weisungen und/oder hilfreiche Tipps geben, wem wir wie welchen Hund wie schnell zu vermitteln haben. Bis dahin, hochverehrter Herr A., entscheiden WIR das. Und notfalls auch Frau Freiberg ganz alleine! Also verschonen Sie uns bitte mit Mails an andere Vorstandsmitglieder, in welchen Sie anregen, mal schnellstens die Frau F. zur Vernunft zu bringen, ehe die trotz gut 100 Anfragen immer noch unvermittelten Welpen über unsere Unlust, das eine Hundekind umgehend zu Ihnen zu karren, alt und grau geworden sind.

 

Ja, es waren SO VIELE Interessenten. Nein, es war wirklich kein passender dabei.

Wir haben nun mal solche exotischen Ansprüche an die Übernehmer von Hunden. Wir wollen halt nicht, dass das Hundebaby von einer 84jährigen aufgezogen wird. Wir wollen auch nicht mit dem „Preis“ runtergehen, weil der Hund ja schließlich „übrig“ ist. Wir wollen nicht, dass er im 6. Stock mit einem handtuchbreiten Balkon wohnt. Wir wollen erst recht nicht, dass er fünf Stunden am Tag sich selbst überlassen ist.

 

Wieso wir das nicht wollen? Nicht, weil es um das Ego von Menschen geht, die uns nicht in den Kram passen, sondern weil es um das Wohl und Wehe von Hunden geht,  die uns kostbar sind. Wir haben nun SCHON SO IRRE VIEL über diese Welpenvermittlungen und die Erlebnisse drumrum geschrieben, vor allem präventiv (es hat wohl nichts genützt).

 

Deshalb hier einfach mal ein paar Links, Sie haben ja jetzt wieder mehr Zeit zum Lesen, so ohne neuen Hund, und ich würde statt spitzer Kolumnen eigentlich viel lieber an einem neuen Buch arbeiten, statt dauernd gebetsmühlenartig das Mantra wir-halten-so-sorry-nicht-jedermann-für-geeignet herunterzuleiern:

 

http://www.laborbeaglehilfe.de/index.php/aktuelle-kolumne

http://www.laborbeaglehilfe.de/index/php/news/713-infos-zur-vermittlung-der-welpen

http://www.laborbeaglehilfe.de/index.php/news/715-alles-gut

 

und für die wirklich ganz Unerschrockenen unter Ihnen von Letzterem den Longplayer, sorry, die Langfassung, exclusiv hier bei uns: https://www.eder-beagle.de/stories-2016-2017/%C3%BCber-das-retten-von-welpen-hypoglyk%C3%A4mie-und-spontank%C3%A4ufe/

 

(Da steht auch schon ALLES über den traurigen Umstand, dass erwachsene Menschen lernen müssen, mit Ablehnung umzugehen, und dass die Welt sich trotzdem weiterdreht. Bis jetzt jedenfalls. Ob sie es für die Autorin auch noch nach dem Erscheinen dieser infamen Schrift tun wird, ist ja doch mehr als fraglich.)

 

Hach, Herr A., Sie schlimmer Schlingel! Sollen wir Ihnen lieber augenzwinkernd-frivol mit dem virtuellen Zeigefinger drohen – du, du, du! – oder besser mit der (virtuellen) Keule eins über die Rübe geben, bis die Manieren und das vernunftbegabte Denken wieder an Deck sind?

Mitunter treibt mich ja der Gedanke um, es könne sich bei Bewerbern wie Ihnen, Herr A. vielleicht um eine Art „Testkäufer“ handeln – entsandt von den Instituten, dem Landwirtschaftsministerium, PETA, dem Verbraucherschutz oder einer NOCH höheren Macht, um uns auf den Zahn zu fühlen, ob wir das auch ja richtig machen, das mit dem Loswerden von den drolligen Laborbeaglen und dem ganzen unnötigen Zinnober mit den komischen Vermittlungskriterien, also ehrlich, soll der Hund vermittelt werden oder nicht, HERRJE!

 

Somit fängt das neue Jahr an, wie das alte aufgehört hat: mit Stress wegen Jamie. Denn um den geht es natürlich wieder mal, diesen Unruhestifter.

 Alle wollen Jamie (okay, und natürlich auch Gino, seinen Institutskitakumpel). Keine Angst, Jungs! Wird schon! Unsere Pflegestellen sind in der Lage, ein paar Tage länger durchzuhalten.

 

 

Hoffentlich hält der Verein noch so lange.

 

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Die Autorin dieses fiesen Textes, die voll und ganz VOR der LBH und HINTER ihren KollegInnen steht, vermittelt nicht, und das aus gutem Grund. Seien Sie dankbar, dass unser erfahrenes Vermittlungspersonal mehr Langmut und aufgrund der vielen, vielen Anfragen bedeutend weniger Zeit zum gemeine-Dinge-schreiben hat.

 

 

*willkürlich gewählt, beliebig durch irgendwas anderes zu ersetzen. Bitte nicht gleich falsche Zusammenhänge konstruieren. Bitte nicht gleich wieder grässliche Verfügungen schicken. Bitte nicht gleich Klageschriften basteln.

 

**Doch. Kann man. Da wir schon von Legion sprachen, wenn auch in anderem Zusammenhang: unsere vermittelten Hunde sind Legion. 1800 Hunde! Das sind 18 x Hunderte von ausgesprochen erfolgreichen Vermittlungen, in denen unsere Hunde optimal, liebevoll und so wie wir uns das vorstellen untergebracht werden konnten.

 

 

Abdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung.

 © Marion Weigel, 01/2018