...die Eder-Beagle(s)
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Hans

Drei Beagle und ein Hans

 

oder:

"Das ist ja gar kein Beagle!"

 

Hans? Who the fuck is *Hans*?!

Hans ist natürlich unser Hund, unser vierter, um genau zu sein - das Kleeblatt ist wieder komplett. Das wir hier längst dem Wahnsinn anheimgefallen sind, ist spätestens, seitdem Mike bei uns eingezogen ist, sonnenklar: Wer nimmt schon einen arbeitsgeilen Ex-Meutebeagle auf!

 

Nach Wanjas Tod im Januar habe ich auf eder-beagle.de nichts mehr geschrieben. Es war ein hektisches und nicht allzu positives Jahr für uns, und wir hatten irgendwie keinen richtigen Anlaß zum schreiben. Obwohl Georgia im Sommer einen Kreuzbandriss hatte und allerlei gesundheitliche Verschlechterungen erlebt hat,  und es natürlich auch sonst ein paar bemerkenswerte Dinge gab,  ist es nun "irgendwie" Frühjahr 2016 geworden, bis wir uns zurückmelden.

Über Buddys Pech - ebenfalls Kreuzbandriss, drei Tage vor Weihnachten wurde sie operiert - muss ich erst noch drüber weg kommen, da schreibe ich jetzt mal noch nichts zu :-(((

 

 

Um die Zeit, als Wanja seine ihm offenbar willkommene Reise über die Regenbogenbrücke antrat (ja, DA rüber schreibe ich auch noch mal was, ehrlich.), nahm ein in der Eifel ansässiger Tierschutzverein einen kleinen, 9 Monate jungen Hund aus Bulgarien auf. Der Mischling war völlig verängstigt und mit nichts aus der Reserve zu locken. Er erhielt den Namen Hans.

 

Ich habe Hans im Fernsehen gesehen, bei "Tiere suchen ein Zuhause". Eine meiner Freundinnen hat ihn auch gesehen, und war sofort fest entschlossen, ihn zu übernehmen. Leider hatte sie kurz nach der Kontaktaufnahme mit dem Tierheim einen Unfall, der es ihr auf Monate unmöglich machen wird, sich um irgendetwas anderes als um sich selbst zu kümmern. Das beeinflusste meine spätere Entscheidung zugunsten des Hundes Hans dann sehr.

 

Im Fernsehen sah Hans respektabel kniehoch aus und wie ein Harzer Fuchs. Er hat vielleicht ein paar Dackel-Gene, vielleicht auch nicht. "Live" sieht er nun aus wie ein Füchschen, aber ein angespanntes. Oder wie ein Wildhund. Ein Dingo.

Okay, eigentlich sieht er aus wie Sid aus "Ice Age"....ein karottengelber kleiner Schmal-Hans ;-)

 

Ich bin weder anfällig für Tiervermittlungssendungen noch sonstige Aufrufe, und schon gar nicht wollte oder brauchte ich einen vierten Hund. Hans saß still und klein auf dem Schoß seiner Vermittlerin, sein Näschen bewegte sich unablässig, und beim Verlassen des Studios hatte er die typische Haltung eines ängstlichen Hundes.

Ich kann nicht sagen, wieso ich bei Hans' Vorstellung meine Aufmerksamkeit auf den Fernseher richtete und plötzlich ganz genau zuhörte.  Zwei Wochen lang habe ich versucht, den starken Eindruck des kleinen braunen Rüden zu vergessen, dann habe ich eine Mail an den Verein geschrieben. Nach einer weiteren Woche erhielt ich einen Anruf, und mit Erstaunen erfuhren wir, dass es außer uns beiden keinen einzigen Interessenten für Hans gab.

Am Sonntag darauf, am 8.11., fuhren Vicky und alle unsere Beagle 500 km quer durch Deutschland, um Hans kennenzulernen.

Als erstes lernten wir aber seine Gassigängerin kennen, die uns vorwarnte: von Hans sei nichts zu erwarten. Ihr Blick war skeptisch. Hans säße vor allem mit ihr auf einer Bank vor dem sehr außerhalb gelegenen Gnadenhof und würde seit einiger Zeit langsam an die Eindrücke und Geräusche rundherum gewöhnt. Eine (kleine)Runde spazierengehen würde er auch, aber nur mit seiner Vertrauten.

 

Sie holte Hans, und der erste Live-Eindruck war - enttäuschend. Ein winziger, dürrer, herbstlaubfarbener Zitterprinz mit weit aufgerissenen Augen, auf dem Arm getragen, beim Abstellen bebten seine Beinchen so, dass man befürchten musste, er klappt einfach weg. Die Rute war irgendwo am Brustbein, so schien es, und es war unmöglich, den Hund in seiner ganzen Körperlänge oder -höhe anzuschauen. Auf jeden Fall war er viel kleiner und unscheinbarer als erwartet....aber Vicky fand ihn sofort toll. Ich ja nicht so....ehrlich, so einen Hund wollte ich nie.

 

Zudem war viel Betrieb um das Tierheim. Ein strahlend schöner Spätherbstsonntagnachmittag, Gassigänger, Interessenten und Mitarbeiter gaben sich quasi die Klinke in die Hand, Trubel. Mittendrin wir, und Hans.

Der Tierheimleiter nahm sich unser an. Mit großer Ruhe und Kompetenz ermöglichte er es Hans, Victoria und mir, uns mit unseren Hunden auf eine gewagte Exkursion zu begeben: das erste Zusammentreffen aller Hunde in einem kleinen, abgesperrten Gartenbereich. Sehr zielführend war das nun nicht, außerdem verfiel Hans bei jeder Annäherung in wildes Kläffen (was mich das Schlimmste für die fragile Beziehung zu meinem nördlichen Nachbarn befürchten ließ),  aber: wir durften einen Spaziergang anschließen (die Hunde hatten sich nicht gegenseitig an der Kehle gepackt). Er glaube nicht, dass es gut klappen würde, sagte er, Hans ginge nur mit seiner Gassigängerin mit, aber versuchen könnten wir es ja mal.

Vicky übernahm Hans, ich Mike und Buddy, Georgia wackelte hinterher.

Hans.....wirkte überfordert. Aber er ging mit! Er machte ein paar verwirrte Pausen, lief aber im Grunde brav hinter uns her (hinter ihm herlaufen machte ihn ziemlich wuschig).

Inzwischen konnte ich das kippohrige Hundchen mit der viel zu großen Rute und den schiefen Beinen in voller "Pracht" anschauen, und ehrlich gesagt: ich konnte mich selber kaum glauben. Was tu ich hier? Wozu? Bin ich irre?

Herr H. erwartete uns nach fünfzehn Minuten wieder, er schien ein klein wenig beeindruckt.

Auch die Mimik der Gassifrau hatte sich deutlich aufgehellt. Wir unterhielten uns eine Weile. Hans saß bei Victoria auf dem Schoß, duldete - in stummem Ertragen - ihr Streicheln und ließ sich am Ende sogar dazu herab, ein Stück Hühnerbrust zu nehmen. Damit war es besiegelt, Hans hatte sich uns ausgesucht, und uns blieb keine Wahl mehr. Jetzt ohne ihn wieder abhauen, das ging nicht.

Die Abwägung des grellen Gekläffs in dem Garten gegen die Gefühle, die Hans in uns weckte, hatte mit Rationalität wenig zu tun, wie überhaupt die ganze Unternehmung hier ;-)

 

Auf dem Gnadenhof ist die übliche Vermittlungspraxis, dass die Interessenten die Hunde kennenlernen, indem sie mehrere Besuche machen und sich eingehend mit den Hunden beschäftigen.

Herr H. fand offene Worte: Hans hatte keine Chance, aus seinem Eckensitzerdasein zu entfliehen. Interessenten, die seinetwegen kamen, beschwerten sich am Ende, der Hund würde sie ja nicht mal anschauen, und mitgehen schon gar nicht. Herr H. rief eine Vorgesetzte an und schilderte unsere Anreise. Am Ende wurde eine Nachkontrolle vereinbart, und wir nahmen Hans mit nach Hause. Er kotzte auf den Rücksitz bis nach Limburg, danach verfiel er in einen leichten Schlaf.

Zu Hause wirkte er wie entwurzelt und verbrachte die Nacht im Flur sitzend, völlig übermüdet halb zu Seite kippend.

 

Oma war entsetzt, und erkennbar sauer. "Das ist ja gar kein Beagle!" sagte sie, und wusch mir den Kopf (nicht, dass ein weiterer Beagle bei ihr größere Begeisterung ausgelöst hätte). Ich gab klein bei, weil sie recht hatte. Es ist die pure Unvernunft. Aber es musste sein, irgendwie. Immerhin passte das für die Pflegehunde gekaufte Sicherheitsgeschirr wie ne Eins :-), aber in den Garten musste ich ihn tragen, und Pipi machen wollte er auch nicht. Ich befürchtete das Schlimmste: eine angstbellende, die Wohnung unter Wasser setzende Deprivationskatastrophe.

Eine schlaflose Nacht später - ich erinnerte mich an Wanja, wie er stundenlang stocksteif im Garten stand und durch nichts ins Haus zu bewegen war - standen mir ein paar Überraschungen bevor.

 

In vielen Punkten ist Hans genauso wie Wanja. Die Beagle interessierten ihn erstmal nicht, vor jeder Berührung scheute er zurück. Die Körperhaltung mitleiderregend, und schön ist auch irgendwie anders.....;-(

Hans ist jetzt seit gut einem Vierteljahr bei uns.

Er hat noch nicht einmal in die Wohnung gemacht, auch nicht, als er allein war. Er frisst brav, aber bettelt nicht. Er schläft im Bett. Natürlich. Und knurrt die Beagle weg, die sich das auch devot gefallen lassen. Aber er hat auch schon im Korb unter dem Schreibtisch gelegen. Wenn jemand die Treppe hochkommt, versteckt er sich unter dem Stuhl. Bei Oma pflegt er auf dem Sessel zu ruhen.

Verändert hat sich vieles: hört er das Auto oder mich auf der Treppe, kommt er mir entgegen. Er wedelt bis jetzt nur sehr zaghaft, aber freut sich eindeutig, mich zu sehen. Gehe ich runter oder raus, läuft er mir nach :-) Er geht so leise wie eine Katze.

Nach und nach schaut er sich auch in den anderen Zimmern um. Die Treppe hochgehen klappte recht schnell, und jetzt kann er auch schon runter. Er läuft den Beagle von Anfang an hinterher, wenn sie abends rausgehen, stoppte aber nach einem Stück Gartenweg, weil es ihm wohl zu dunkel ist. Wenn ich mitgehe, läuft er weiter. Er setzt sich in den Garten, macht sein Pipi, und läuft zurück ins Haus.

Vom ersten Tag an nach seiner Ankunft hier sind wir zu fünft spazieren gegangen. Er lief etwas starr mit und hatte Angst vor der langen Leine, aber nur bis etwa Mitte der Woche, dann hatte er sich dran gewöhnt. Außer, als uns ein Jogger, männlich, entgegenkam. Die Beagle laufen hin und finden den Mann toll. Ich schaue mich nach Hans um - kein Hans zu sehen. Komisch, die Leine hab ich doch in der Hand......Als der Mann weiterläuft, krabbelt Hans aus dem Straßengraben, in welchen er sich geflüchtet hatte. Er schaut zu mir, als wollte er fragen, ob die Luft jetzt wieder rein ist, dann läuft er weiter.

Seine Haltung wird jeden Tag offener, er geht nicht mehr so halb geduckt, er löst sich auch außerhalb des Grundstückes.

Inzwischen läuft er (außer an Straßen) immer ohne Leine. Hans hört auf "komm" und "weiter", er schaut zu mir, wenn er nicht genau weiß, wo es weitergeht. Er achtet auf meine Körperhaltung und Gestik, und er richtet sich danach!

Da man das als Mehrfachbeaglebesitzer eher selten erlebt, ist es für mich eine Offenbarung.

Wenn man ihn ruft, kommt er! Eher mechanisch habe ich an einem Straßenrand das Kommando "Warte" gegeben. Die Beagle pflegen solche banalen Ratschläge nur bei verschärftem Tonfall wahr- und anzunehmen. Hans nimmt Blickkontakt mit mir auf und bleibt auf der Stelle stehen. Und geht erst weiter, wenn ich weitergehe. Hans bleibt stehen, wenn ich stehenbleibe. Und setzt sich in Bewegung, wenn ich das auch tue. Er geht durchaus auch mal abseits des Weges, umkreist mich aber immer wie ein Satellit, und reagiert sofort, wenn ich ihn rufe.

 

Ich habe Beagle! Ich kenn sowas nicht und bin völlig baff. Noch mehr baff war ich, als ich mal nicht wollte, dass Hans mir die Treppen hinunter folgt. Ich mache das Handzeichen und sage "bleib".

Hans dreht sich um und geht zurück ins Zimmer, legt sich hin und - bleibt.

Uff. Sowas hab ich noch nie erlebt. Ich bin voller Respekt für die Mitarbeiter des Tierheims, wie habt ihr das geschafft? Es ist unglaublich, was die Leute leisten!

An der Straße heißt es für alle "stopp". Die Beagle kommen dem zwar nach, aber müssen erst mal überlegen, ob das wirklich Not tut.

Hans, von dem ich annehme, dass er keine Straßenverkehrserfahrung hat, stoppt sofort, wie vor eine Wand gelaufen.

Von dem können die Beagle mal was lernen!

 

Inzwischen aber lernt Hans. Sich wälzen in allem möglichen, bevorzugt Fuchs- und Wildschwein-Hinterlassenschaften, zum Beispiel. Glücklicherweise gehört die anschließende partielle Dusche nach dem Gassi schon zur Routine ;-)

Oder rumtollen auf dem Bett. Oder Sachen in Sofaritzen zu vergraben. In Maulwurfshügeln buddeln. Achten durch die Bäume im Wald laufen. Sehr schöne Gepflogenheiten, die die Beagle da haben!

 

Hans ist nicht wirklich ein Angsthund, er kennt nur einfach wenig bis nichts. Mit Neuigkeiten findet er sich schnell ab, selbst der Staubsauger stößt bei Hans eher auf wohlwollendes Interesse...Hans hat mehr Angst vor einem simplen Besen.....natürlich ist er allem gegenüber vorsichtig. Autos dürfen an ihm vorbeifahren, aber er kriegt dann schon Angst. Ist ja auch okay!

Wirkliches Angstverhalten äußert Hans, wenn ihm jemand entgegenkommt (egal, ob Spaziergänger, Person mit Hund, Jogger oder Radfahrer, oder wenn er laute, schlimmstenfalls noch männliche, Stimmen hört: die Rute klappt ein bis unters Brustbein, er macht sich klein, versteckt sich, bellt aber mittlerweile. 

 

Im Wald bei Laisa begegneten wir recht früh wir dem Ridgeback Yuma. Der macht dem Hänschen durch sein Ungestüm Angst, und schwupps! ist Hans zwanzig Meter weit weg. Mir wird mulmig. Ich binde die Beagle an einen Baum und pirsche mich an Hans ran....er bleibt gottseidank stehen, setzt sich dann, und ich kann die Leine wieder fassen.

In Holzhausen trafen wir dann am gleichen Tag auch noch auf Boxer Pelle, der völlig außer Rand und Band gerät. Weil sich das ganze ausgerechnet an der Kreuzung abspielt, tue ich etwas, was ich eigentlich immer ablehne: ich nehmen den Kleinen auf den Arm. Pelle will schnuppern. Ich bemühe mich um Ruhe, und hoffe, dass Pelle so ist, wie ich ihn einschätze: gutmütig. Es funktioniert, aber ich bin unzufrieden mit mir. Beim nächsten Mal machen wir das geschickter.

(einen Tag später treffen wir einen Kumpel, den wunderschönen Schäferhundrüden Angelo. Hansi darf Abstand halten, und es funktioniert alles bestens). Don, der größte, aber gemütlichste Labbi der Welt, ist wohl Hansis Favorit: der Kleine fordert den Riesen zum Spielen auf und hüpft um ihn herum, dass es eine Freude ist. Grundsätzlich hält er aber bei Fremden (egal, ob Zwei- oder Vierbeiner) erstmal Abstand. Männer sind für ihn sehr angsteinflößend. Er ist sehr wachsam und bemerkt beim Laufen als erster, wenn jemand sich nähert.

 

Die Initialzündung zum Flitzen gab es am Donnerstag, 19.11., wir laufen auf einem Waldweg mit gaanz viel Laub. Hans ist schon so fröhlich gestartet. Er kommt nach dem Ruf "alle Hunde mitkommen" auf den Hof gelaufen, lässt sich das Geschirr anziehen, erlebt dann beim Autofahren einen Moment des Bibberns, aber dann legt er los. Er erkundet seine Umgebung, schnuppert, lauscht, schaut, aber zeigt kein Jagdverhalten. Wenn Mike seine Spurlautgebrüll anfängt, erschrickt Hans.

 

Gegen Ende des Spazierganges *entschwindet* Georgia für zehn Minuten. Als sie nach viel Gebrüll und Gepfeife wieder auftaucht und von mir lobend in Empfang genommen wird, freut sich Hans darüber plötzlich wie Bolle und rennt ihr wedelnd entgegen.

Danach kommen wir durch besonders tiefes Laub, Hans versinkt fast. Und plötzlich geht es los: er setzt ein Spielgesicht auf und fängt an zu rennen und zu springen, rast an Buddy vorbei (die sofort begeistert mitmacht - schließlich sind ihr Spielaufforderungen bei Hans bisher nicht angekommen oder mit Erschrecken quittiert worden) und dreht für einige fantastische Minuten richtig auf. Ich muss so lachen, es ist so klasse!

Das macht uns mutig. Am Samstag ist es ein ähnlich schöner Spaziergang, ich lasse Hans an der Schleppe laufen. Er geht mal ein paar Meter vor, reagiert aber sofort, wenn die Richtung gewechselt wird und hört auf jeden Ruf. Es ist toll! Die lange Rute trägt er jetzt die meiste Zeit über dem Rücken, höher geht es kaum noch :-) Wir rennen ein Stück. Hans hüpft. Buddy will wieder spielen und raufen, das wird dem Kleinen ein bisschen viel, er sieht ängstlich aus.

Aber noch ein paar Wochen, dann werden sie zusammen flitzen ;-) Der Spaziergang ist schon jetzt das Highlight für ihn, und von anfangs 40 Minuten oder so sind wir heute bei fast anderthalb Stunden gelandet....Zuhause lernt er: Pfoten waschen und abgetrocknetwerden.

Nach dem Regen sieht er aus wie ein explodierter Handfeger. Dann sitzt er neben meinem Stuhl und läßt sich das Köpfchen kraulen. Er ist so zart, ich befürchte fast Chihuahua- oder Windspiel-Gene im Rassemix. Oder vielleicht ein Fox :-)

Am Sonntag darauf gab es den ersten richtigen Schnee bei uns. Hans tippelte mit leicht angewiderten Spitzenschrittchen über den Rasen....um hier erst gar keine Unlust aufkommen zu lassen, verlegten wir das Gassi gleich vor. Es lag noch irgendwo ein Mäntelchen herum, mit dem Hansi ausstaffiert wurde - er hat eben kein Beaglefell, keine Unterwolle, sondern seidige Löckchen. Im blauen Tartan sieht er aus wie ein Dressman, es passt wie angegossen und er mag es auch. Da ließ sich dann wieder super rennen und springen ;-)

Hans, Hansi, Hansebär: was bin ich froh, dass es so gekommen ist. Dass die unvernünftige Bauchentscheidung die anscheinend Richtige war. Selbst die Oma liebt ihn ;-) Wenn er jetzt noch "am Fenster gucken" lernt....!

 

 

Seit dem Tag im tiefen Laub gab es Quantensprünge! Beim Spaziergang, länger als geplant ausgefallen, kommen wir am Ende auf eine große Wiese. Hans schaut, stutzt, macht einen Luftspung und fängt an zu rennen, immer um die Beagle rum. Dabei rennt er die dicke Georgia über den Haufen, was Buddy anscheinend supergenial findet. Am Ende jagen und spielen alle Beagle (okay, Mike nicht, der hat wie immer anderes zu tun) und der Hansi. Ich fummele das Handy raus und schaffe es, das kleine Video zu machen - natürlich ist der Akku fast gleich leer.

Macht nix: das Rennspiel haben wir ab jetzt nämlich jeden Tag! Hansi fängt meistens an, und Buddy macht dann natürlich mit. Weil drei Schleppleinen etwas schwierig zu handhaben sind, lasse ich Hansens Leine am zweiten Tag los.

Mit Herzklopfen zwar, weil ich das nicht stressfrei gewohnt bin - aber schließlich habe ich ihn ja nicht umsonst die ganze Zeit beobachtet und einzuschätzen versucht. Ich rufe: "Hansi, komm!" und er bricht sofort sein Spiel ab, macht kehrt und kommt zu mir geflitzt. Dann tippt er mich an, als wollte er fragen: "okay so?"

Er wird gelobt und wieder weggeschickt, wieder gerufen.....genial!

An Wegkreuzungen bleibt er stehen, schaut mich an und wartet, in welche Richtung es weitergeht. Er achtet auf meine Körperhaltung und sucht Blickkontakt. Es macht ihm einen Riesenspaß, wenn er ein Stück vorlaufen darf und dann wieder zurückkommen kann. Manchmal stupst er mich zart am Bein, als wollte er sagen: bin da! Meistens läuft er so dicht neben mir, dass ich beinah auf ihn drauftrete.

Nicht-Jagdhunde-Besitzer bzw. Nicht-Beagle-Besitzer mögen nun den Kopf schütteln und sich fragen, was will die Frau eigentlich, ist doch ganz normal.

Für mich nicht! Ich kenne keine Hunde, die einem freiwillig im Wald an den Füßen kleben, sondern nur solche, die sich trotz jahrelanger Fleißarbeit in die Leine schmeißen wie ein Kaltblüter in den Pflug, nur weil vor Stunden mal ein Karnickel da irgendwo lang gehüpft ist!

 

Die Leine....ist ab. Ich trag sie locker diagonal um den Oberkörper, wie die anderen coolen Hundebesitzer ;-)

An der Straße kommt die Leine wieder dran, ist ja klar.

Zuhause ist er so müde, dass er, ein Ohr gekippt, eins aufgestellt, vor dem Freßnapf einnickt. Am Ende des Tages liegt er mit zuckenden Pfoten unter dem Nähmaschinentisch.

 

Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Wahrscheinlich sollte ich das gar nicht erzählen, ich tu's aber trotzdem.....Es kam ein Tag Anfang Dezember, wo wir in der Nähe des Sportplatzes spazierten. Bei der Rückkehr ans Auto trainierten dort ein paar Jungs. Ein Ball flog, haarscharf an Hansi vorbei, und setzte mit einem lauten "plopp" knapp hinter ihm auf. Hans nahm die Beine in die Hand und rannte, in den Wald, und weg war er. Das laute Geschrei der Fußballer stimmte ihn nicht optimistischer. Ich suchte, erst mit, dann ohne Beagles, fuhr nach Hause, holte Taschenlampen und Ersatzbatterien, und am Ende - ohne ein Lebenszeichen von Hansi - legte ich meine Jacke auf den Boden und richtete eine Futterstelle ein, fest davon überzeugt, am nächsten Morgen beim ersten Tageslicht den ganzen Wald abgrasen zu müssen, und der Verzweiflung nahe über soviel Doofheit meinerseits.

Als ich nachhause kam, liefen mir an der Haustür drei Beagle entgegen.

Und Hans.

Er ist den ganzen Weg, quer durchs ganze Dorf, nachhause gelaufen. Der einzige sichere Platz, der ihm eingefallen ist nach dem großen Schreck, ist unser Haus.  Dann saß er vor dem Tor, bis die Beagle angeschlagen haben. Oma hat ihn reingeholt. Mein Handy war leider leer.

Natürlich habe ich gelernt aus dem Vorfall.

 

Am Anfang konnte Hans nur eines, das aber in Perfektion: sitzen. Er saß stundenlang, statuengleich, in der Weltgeschichte herum. Inzwischen hat er sein Repertoire beträchtlich ausgebaut, wobei drei Beagle mit jeweils unterschiedlichen Talenten sehr hilfreich sind. Rennen, hakenschlagend wie ein Hase, ist dabei das beliebteste Hobby ;-)

Hans RENNT wirklich aus Leibeskräften, mit strahlenden Augen und mit übertriebenen Spiel-Bewegungen,  ganz bei sich und seinem Vergnügen, man könnte ihn Forrest Gump nennen. Er rennt Achten, Spiralen, schaut aber immer wieder, wo ich bin, stoppt Zentimeter vor den trödeligen Beaglenasen und fordert mittlerweile jeden, den er trifft, zum Spielen (und Mitrennen) auf. Don und Pelle sind seine besten Freunde, und mit dem Dackel Frodo verbindet ihn scheint's eine innige Solidarität, wie es sie nur unter kleinen Hundejungs gibt. Wenn Hans genug hat von den großen Hunden, kommt er zu mir und sucht Schutz. Nachdem er zuvor alle aufgemischt hat ;-)

 

Wir haben einen Rassetest machen lassen, da mir das ständige Rätseln sonst den Nerv getötet hätte. Und siehe da: kein Dackel, nicht die Spur. Hans ist ein veritabler Schäferhund-Mix! Bisschen klein geraten? Ja, lacht nur! Okay, außer weißem Schäferhund ist auch noch Zwergpudel und Pumi und.... Basset......!....drin, aber zumindest gibt es keinen Beagle, Terrier oder Dackel-Anteil, wie wohltuend!

 

Gebellt hat Hans im Garten übrigens noch nicht - außer einmal nachts, als bei Sturm der Wascheständer umgekippt ist und Hans an dem Ungetüm nicht vorbeigehen wollte.

Leute, es stimmt, dass einen die Hunde finden, wenn es an der Zeit ist!

Genau SO einen Hund wollte ich doch schon immer haben :-)

 

 

©marion weigel 03/2016