...die Eder-Beagle(s)
...die Eder-Beagle(s)

Antijagdtraining ist angesagt!

 

Im Leben mit Hund gibt es Momente, die bei den Beteiligten (in diesem Fall, den zweibeinigen) nur wenig Heiterkeit und Begeisterung hervorrufen.

Es ist nicht so, als hätte ich es vorher nicht gewusst.

Spaziergänge mit Mike dauern so lange und sind so arbeitsintensiv, dass ich hernach mein Tagwerk kaum noch geschafft kriege.  Es muss etwas geschehen: Mike (& Marion) machen Anti-Jagd-Training.

:-) .....und Pro-Normal-Spaziergeh-Training auch :-)

 

Mikey

…ist so zu beschreiben: schüchtern, resignativ, vorsichtig, ängstlich, extremer Jagdtrieb, fehlende Bindung, weitgehend unbekannte Vergangenheit, traumatisiert.

 

Während Buddys gute Erziehung sich ein ums andere Mal auszahlt, Georgia ihrem Vorbild nacheifert (sie ist aber offenbar auch von Haus aus eine Lady, die alles richtig machen will), scheint Mike völlig instinktgesteuert und *schwierig*.

Mikey verhält sich beim Spaziergang, als sei er völlig meschugge. Jeder Vogel am Himmel wird erst zu Tode gestarrt und dann angeheult.  Dazu verharrt Mike erst auf in Hab-Acht-Stellung, wo auch immer ihn der Gedanke gerade ereilt. Wegziehen ist unmöglich, es sei denn, mit einem Griff direkt ins Geschirr. Wenn er sich berappelt, macht er einen Satz nach vorn, schmeißt sich in die Leine, und rast los. Da heißt es für mich: aufgemerkt, sonst rauscht er am Ende in sein Geschirr wie gegen eine Wand. Im ungünstigsten Fall sucht sich Buddy genau diesen Moment zum Ausbuddeln eines Mäusetunnels aus……Ganzkörper-Ertüchtigung ist das.Ich bin’s auch leid, meine „Spaziergänge“ in einem seltsamen 45°-Winkel zu absolvieren, einen Arm (den, an dem Mikey mit seiner Leine hängt) weit gestreckt, den Körper in besagtem Winkel diametral zur jeweiligen Zugrichtung.

Mikey klingt wie ein Indianer auf dem Kriegspfad, und er ist meilenweit zu hören. Das ist kein Spurlaut, das ist Alarm hoch 3. Und: er ist kaum mehr zu beruhigen, man muss ihn mehrmals richtig deutlich ansprechen, bis er wieder runterkommt von seiner Palme, und auch dann motzt er noch. Viele, die ihn hören, mögen denken, wir sind ein klarer Fall für den Tierschutz – der arme Hund!

Spaziergänge mit Mikey + den anderen bringen mich öfters an meine physischen Grenzen und haben den Namen nicht verdient! Mit drei absolut geländegängigen Allrad-Beagle kann ich mitunter nur schwer mithalten. 8kg hab ich dadurch bis jetzt abgenommen. Danke, Mike.

 

Hundetrainer (hier ist schon das erste Problem: dass Mike vor Männern generell Angst hat).

empfahlen mir dazu das Training der Leinenführigkeit, Schleppleinentraining, Dummy-Training/Futterbeutel, intensive Arbeit an der fehlenden Impulskontrolle und neue Konditionierung.

Mike findet Apportieren aber doof. Wirft man etwas, duckt er sich weg, er fürchtet sich. Auch vor ganz kleinen Quietschies, Handschuhen oder Stöckchen.

 

Schleppleine findet Mike klasse, das klappt also. Mikey ist „draußen“ sehr selbstsicher, er ist offensichtlich in seinem Element und freut sich auch wie verrückt, wenn’s endlich losgeht. Auch Mut hat Mike draußen ohne Ende, nichts kann ihn schrecken. Willenstark gibt’s nur eine Richtung: nach vorn! Und: der Spur nach! Folgt mir, ich kenn den Weg! Mike hat sich entschieden: er ist der bessere Leader *of the Pack*, der Gruppe, und dabei ist er vollkommen undemokratisch. Ein Hund geht seinen Weg! Haha.

 

Mike ignoriert jeden, der ihn ruft, auch mich. Mike hat Angst vor der Hundepfeife, die scheucht ihn anscheinend nur noch weiter weg. Mike kommt auch nicht, wenn man ihm Superleckerlie hinhält – er bleibt eher auf Abstand, fast, als ob einen fiesen Trick wittert. „Draußen“ nimmt Mike mich nicht mal wahr! Da kann ich rufen, brüllen, flüstern, locken, wie ein Hampelmann hüpfen oder meinetwegen auch Purzelbäume schlagen - Mike sieht mit leerem Blick konsequent durch mich durch und hat das Kommando „komm“ bisher offensichtlich völlig missverstanden. Wenn ich endlich durch Störmanöver an der Leine seine Aufmerksamkeit auf mich gelenkt habe, dann währt die Audienz zwei Hundertstel-Sekunden, dann ist er wieder geistig woanders. Falls ich es schaffe, ihm in diesem Mini-Zeitfenster ein Leckerlie hinzuwerfen, guckt er kurz dorthin, wo die Flugbahn endet. Landet es nicht zufällig sowieso vor seinen Füßen oder noch besser, direkt im Fang, interessiert es ihn nicht.

Wenn er draußen ist, ist er komplett in seiner eigenen Welt und nicht mehr ansprechbar. Hat sein Erregungszustand ein bestimmtes (nicht mal besonderes hohes, meiner Meinung nach!) Level erreicht, ist Mike „weg“. Mental. Da hilft auch kein Futterbeutel, kein „komm“-Gesäusel und auch sonst nichts von dem, was bisher versucht wurde.

 

Bei Buddy haben wir „Schau!“ gelehrt, das wirkt heute noch. Ein exaltiertes „Schau!!“ und Buddy SCHAUT mich an und ist äußerst gespannt auf das, was kommen mag.

Ein „Schau“ bei Mike bewirkt – nichts. Es ist extrem schwer, seine Aufmerksamkeit zu erregen, wenn man kein Vogel, kein Hubschrauber, kein Wild oder keine Spur ist. Gelingt es doch mal, ist es garantiert Zufall.

 

Bei Mike frage ich mich schon: was hat man denn in 10 Monaten Familienhund-Leben dem Hund beigebracht, außer einem (halben, denn er führt kein Kommando wirklich aus)  „Sitz“, dass er auch noch ständig mit (einem halben) „Platz“ verwechselt?!

Ich glaube, wir müssen nochmal ganz von vorn anfangen.

 

Auch den Tipp, den Hormonspiegel /Schilddrüse zu untersuchen, haben wir übrigens beherzigt (alles im grünen Bereich).

 

Was die Leinenführigkeit anbelangt: das klappt ganz gut – wenn er der einzige Hund neben mir ist. Wir werden auch das noch mal in Angriff nehmen, kleines Auffrischungs-Training zu zweit. Aber jeden Tag schaffe ich das nicht, das wäre illusorisch anzunehmen.

Wir werden noch mal ein komplettes Grundgehorsams-Training machen. Und zwar alleine, nur Mikey und ich. Sobald die anderen Hunde dabei sind, weiß Mikey nämlich sofort, dass ich mich eh nicht auf ihn konzentrieren kann, und er versteht es auch, das auszunutzen. Zusätzlich werden wir uns nochmal mit Verhaltenstherapie beschäftigen, außerdem probiere ich es bei ihm mit Bachblüten und Schüßler.

Die Beschäftigungstherapie mit der Reizangel (an sich eine tolle Sache) ging zunächst komplett in die Hose: ich hatte nicht bedacht, dass Mikey panische Angst vor allem, was nach Stock aussieht, hat. Das Schwingen über seinen Kopf war viel zuviel für ihn: Mike flüchtete unter seine geliebte Hecke und entzog mir sein bisschen Vertrauen für’s erste.

Nachdem die Reizangel dann ein paar Tage einfach harmlos rumlag, und Buddy dann eifrig damit spielte, probiere ich es mit Mikey nun nochmal in ganz kleinen Schritten.

Ich spiele gern mit Mikey, er liebt z.B. seinen Futterball (aber wenn Buddy ihn knurrend verteildigt, steckt Mike sofort zurück), allerdings hat er Angst vor Quietschies.

 

Mantrailing – für Buddy, die absolut zielgerichtet und fast ruhig ihre Spur findet und erst aufhört, wenn alles gefunden ist,  z.B. genau das richtige; aber nicht für Mike. Mikey fehlt es an Konzentration. Er kommt von einer Spur auf die nächste, an der Kreuzspur biegt er ab.…und wieder und wieder….im Kreis rast er herum, die Zunge am Boden, hektisch, wie ferngesteuert, ja: manisch. Dabei wirkt er völlig gestresst, er scheint manchmal richtig erleichtert, wenn wir wieder in Gebiete kommen, die nicht so intensiv von Spuren durchzogen sind und er sich wieder etwas herunterfahren kann.

Dazu muss ich sagen: wir wohnen in einem der waldreichsten Gebiete Deutschlands…..und wenn wir „nur“ ins freie Feld wollen, muss ich die Hunde ins Auto packen und erstmal rausfahren. Das geht nicht jeden Tag. Alle Spazierwege rund um unseren Wohnort führen durch den Wald und/oder übers Feld. Überall sind Hasen, Rehe, Füchse. Und Katzen und Waschbären und Dachse und Marder. Und Vögel, zuhauf.

Mantrailing: Mike kann sich nicht gut genug konzentrieren, aber das Hauptproblem ist, dass er fremde Menschen meidet, weil er Angst hat und unsicher ist. Er hat sogar Probleme, zu dem gefundenen Menschen zu gehen, wenn es sich um eine Bezugsperson handelt. Mikeys Riechleistung ist enorm, aber somit leider nutzlos. Buddy hingegen erfüllt alle Voraussetzungen, und am Ende fährt er dem "Opfer" noch vor lauter Begeisterung mit der Zunge quer durchs Gesicht.

 

Spielen – Mike weiß wirklich nicht, was das soll. Wenn ich Leckerlie-Such-Spiele veranstalte, laufen die anderen beiden begeistert los – Mikey sitzt da und schaut mich an, als ob er sagen möchte: was soll das? kannst du das Gedöns bitte weglassen und mir mein Essen einfach ohne das Theater geben?!

 

Werfe ich im Garten die Ladung Pansen ins Grün (die Beagle-Belustigung schlechthin – bisher) drehen zwei von drei Beagle völlig am Rad und pflügen fast die Wiese um. Mikey setzt sich neben meine Füße und schaut lieb zu mir hoch: guck mal, wie lieb ich hier sitze – gib’s mir doch bitte so.

 

Beim Spaziergehen sind Buddy und Georgia häufig ein eingespieltes Zweier-Team, da wird über Baumstämme gelaufen, gemeinsam gebuddelt oder an einem Stock gerangelt. Mikey läuft für sich, meistens voraus, Nase am Boden, und ist sich selbst völlig genug. Es interessiert ihn nicht die Bohne, was andere machen oder was um ihn herum passiert, oder ob die anderen mitkommen oder eben nicht. (Die arme Buddy zieht immer den Kürzeren und muss ihr wichtiges Schnuppern unterbrechen).

Er bräuchte auch mich nicht, wahrscheinlich nervt es ihn, mich am Ende der Leine hängen zu haben. Ein Einzelgänger. Im Grunde braucht er weder Mensch noch Tier, er ist sich selbst genug, und kann sich auch bestens selbst beschäftigen.

Bleibt man kurz stehen, weil ein anderer was erschnuffeln will, schmeißt sich Mike ins Geschirr und zerrt. Oder, noch schlimmer, er schmeißt sich auf den Rücken und wälzt sich herum, in der Hoffnung, der Karabiner geht auf (hat ja schon mal geklappt). Mike hat neuerdings eine Spezial-Konstruktion mit Sicherheits-Zweit-Karabiner, falls der eine versagt.

Ich erwarte keineswegs, dass er seinen Jagdtrieb vergisst (wie soll man einem Hund etwas abgewöhnen, was ihm seit Generationen sorgsam zugezüchtet wurde?) und in Kürze leinenlos neben mir her flaniert. Mikeys Verhalten, das für uns ein Problemverhalten darstellt, gehört zu seinem Naturell. Aber ich möchte erreichen, dass er sich nicht wie ein völlig Wahnsinniger verhält, sobald wir uns in Feld oder Wald befinden! Es wäre schön, wenn nicht jeder 2. oder 3. Spaziergang quasi zur Nato-Übung mutiert. Ich wundere mich, dass Geschirr und Leine(n) den Belastungen standhalten.

Dennoch werden wir weiterhin unsere Spaziergänge, Wandertouren und Amateur-Trails machen.

Unsere Buddy kann ich auch nicht ableinen, aber sie lässt sich problemlos führen und erweckt keineswegs den Eindruck, dass ihr etwas fehlt. Buddy rennt innerhalb ihres möglichen Radius’ volle Kanne, verlangsamt aber rechtzeitig, so dass sie sich nicht wehtut. Buddy hat’s also auch gelernt!

 

Aber mein Mr. Jekyll & Dr. Hyde ist schon noch ein anderes Kaliber.

Auf unserem Grundstück hört er einigermaßen auf „Komm“, „Hierher“, „Sitz“ und „Platz“. Er beschäftigt sich auch mit den anderen Hunden, spielt auch mal kurz. Mikey lässt ansonsten alles mit sich machen, sogar die Ohren putzen und die Krallen schneiden, ohne zu meckern. Zuhause ist er ein sehr guter Mikey.

Verlässt er das Grundstück, ist es auf einmal anders. Ist er auf einmal anders. Als ob man einen Schalter umlegt, verwandelt sich Mikey.

Wenn er im Haus nicht völlig konträr wäre, hätte ich die Hoffnung längst aufgegeben. Aber dann kommt er doch wieder zu mir, legt sich neben mich, drückt seine lange Nase an meine Schulter.

Ob er besser als Einzelhund in wirklich kundiger Hand aufgehoben wäre? Ich weiß es nicht. Er liebt seine beiden Beagle-Damen, und ich glaube, mich mag er auch. Manchmal zeigt er es, und das sind wirkliche Sternstunden.

 

Ich glaube eigentlich nicht mal, dass er ein guter Jagdhund wäre – wie gesagt, ihm fehlt es an Konzentration, Gehorsam und einem gewissen Will-to-Please.  Mike ist ziemlich verstört, durcheinander und vielleicht auch fehlgeprägt. Wahrscheinlich ist es zum großen Teil die mangelnde Prägung auf Menschen, die das Problem ausmacht. Mike ist durch seine Unabhängigkeit eine harte Nuss, auch für Hundetrainer!

Mindestens vier Jahre lang konnte Mike offenbar das tun, wonach ihm gerade der Sinn stand (es sei denn, er war tatsächlich Teil einer Meute). In dieser Zeit hat er mit Sicherheit gelernt, wie toll es ist, frei durch die Landschaft zu hetzen – Selbstbelohung & Glückshormone ohne Ende, und jetzt fehlt ihm das.

Die Erfahrungen, die er gemacht hat, haben sein Vertrauen auch nicht eben gestärkt. Er war zwölf Stunden am Tag allein in einem völlig stillen Haus, in einem einzigen Raum. Anregung gab’s nicht. Diverse Fluchtversuche führten zu einem Leben mit Stachelhalsband und Kette.

Möglicherweise war er in seinem ersten, ungarischen, Leben ein Meutehund. Mikey ist ausgesprochen fit, und er versucht sich mit aller Kraft durchzusetzen. Und Kraft hat er viel. Mikey ist ein wahres Muskelpaket, ein sehniger athletischer Traum von einem Laufhund.

 

Unser schlimmstes bisheriges Erlebnis: er läuft zwei Stunden mit uns spazieren, und springt dann – wieder zuhause & abgeleint - trotzdem vor meinen Augen über unseren Gartenzaun (1,20m) – nach 9 Stunden taucht er wieder zuhause auf, ist zwar erstmal müde, aber erstaunlich schnell wieder auf dem Posten.

Aber soll ich ihn deshalb weniger bewegen? Was tut man mit so einem Jäger, der soviel Angst vor allem hat, was er nicht alleine tun kann? Mit einem Sensibelchen, das sich alles von jedem wegnehmen lässt, sogar Lieblingsfutter? Dem der beagle-typische Optimismus weitestgehend fehlt? Einer, der bei jeder lauten Ansprache zitternd auf dem Bauch robbt und beim Geräusch eines Hochdruckreinigers zwei Höfe weiter stundenlang unter der Hecke liegt? Der aber fünf Minuten später den Krähen nachkreischt, dass die Wände wackeln? Und die Trommelfelle.

 

Gestern Abend (16.04.), nach dem Spätdienst, waren wir noch unterwegs. Wir haben es mal so ausprobiert: sobald Mikey wieder im Vorstehen auf der Wiese stand, zuppelte ich leise an der Leine, bis er irritiert zu mir rüberguckte (okay, das dauerte eine Weile). Dann: Lob!!! Um ihn abzulenken, sind wir ein Stück gerannt, mit aufforderndem, hellem „Komm mit!!“ Hat gut geklappt! Buddy hat einen Riesenprügel von einem Stock gefunden und ihn abwechselnd mit Georgia nachhause geschleppt.

Als Buddy & Georgia im Haus waren, - als sozusagen keiner mehr guckte -, ging Mikey vorsichtig zu dem Stock, der oben auf der Böschung lag, und schnupperte vorsichtig dran. Dabei kullerte der Stock die Böschung runter. Mikey erschrak und machte einen Satz rückwärts. Dann ging er aber doch wieder hin, und schubste den Stock probeweise ein bisschen herum. Als er keine Lust mehr hatte und ich ihn ins Haus rief, rannte er „freudestrahlend“ und wedelnd auf mich zu. Danach gab’s noch ein bisschen „sitz“-Übung und großzügig Leckerlie. Er gibt sich enorm Mühe, und ist dann auch richtig glücklich, wenn’s geklappt hat und er gelobt wird.

Wegen solcher Erlebnisse macht man das.

 

Allerdings habe ich nicht jeden Tag die Zeit und die Nerven für solche Animationen beim Spaziergang. Es ist auch äußerst anstrengend, ständig mindestens zwei Hunde im Blick zu haben und zu überprüfen, ob Hund noch ordnungsgemäß im Geschirr ist und alle Karabiner noch da sind, wo sie hingehören. Anstrengend ist auch, ständig mahnen zu müssen und die Umgebung abzuscannen. Andererseits wird es eine Weile dauern,  Mikey halbwegs „auf den richtigen Weg“ zu bringen. So, wie es ist, kann es aber nicht bleiben. Also geht’s mit Konsequenz, Geduld und Ausdauer ran an die Aufgabe. Wir nehmen Mikey so an, wie er ist. Bedenkt man seine Vorgeschichte, hätte es ja durchaus auch schlimmer kommen können. Verbesserung im Verhalten bedeutet aber auch Verbesserung der Lebensqualität, meine und die der Hunde. Wir berichten weiter!!

 

Dieser Text beschreibt die Erfahrungen von einigen Monaten; ich möchte nicht, dass der Eindruck entsteht, all diese Baustellen seien mir erst jetzt **huch** aufgefallen. Mike ist seit Ende August bei uns, und seitdem (erst als Pflegestelle, dann als stolze Mikey-Besitzerin) machen wir unsere eigene Versuchsreihe, die da heißt: Mikey macht Antijagdtraining = MmAJT.

Viel Zeit haben wir damit verbracht, überhaupt erstmal ein Vertrauen aufzubauen – ich weiß noch, wie ich geheult habe vor Rührung, als er sich irgendwann im Winter zum ersten Mal neben mich legte. Oder sich auf den Rücken drehte und mir vertrauensvoll seinen Bauch präsentierte. Und dann so brummte.

Damit gingen schon einige Wochen, wenn nicht Monate, ins Land. Am Ende stellte sich heraus, das wir mit Mikey zwei Problemfelder zu beackern haben: die Sache mit dem Jagen (& Weglaufen/Ausbrechen/Flüchten), und die Sache mit der Leine (bzw. das wunschgemäße Vorwärtskommen an selbiger, das Mike unbedingt möchte, ich aber SO nicht, weil ich das Tempo nicht halten kann und weil mir die Richtung manchmal nicht gefällt!). Ich frage mich, ob ich nicht schon zu viel Zeit vertrödelt / verschenkt / verloren habe.

 

Das Akute der Situation wurde mir bewusst, als am 31. März der Karabiner seinen Dienst verweigerte – Mikey war zwar zunächst genauso verblüfft wie ich, aber dann deutlich schneller… ..weg. In den Wald, übers Feld, rennend, kreischend…..Bauern und Autofahrer halten inne und schauen dem irren Hund hinterher. Ich fühle mich absolut doof.

Nur zwei Wochen später – ausgerechnet am Freitag, dem 13. (März) kam die Nummer mit dem grandiosen Sprung übers Tor. Seitdem vertraue ich leider auch meinem beaglesicheren (schon, aber offenbar nicht Mike-Sicheren) Grundstück nicht mehr so richtig…..nicht, dass wir demnächst (Stichwort: Brut- und Setzzeit….) richtig in die Bredouille kommen.

Seitdem arbeiten wir, Mikey und ich.

Jeden Tag.

 

Den ersten Erfolg habe ich gestern gesehen, beim Spaziergang, der durch meine neuentdeckten Animateur-Qualitäten für mich sehr anstrengend, für die Hunde aber offenbar sehr schön war. So happy wie gestern Abend hab ich Mikey lange nicht gesehen.

Heute haben wir nach dem Spaziergang eine Trainingseinheit „Abrufen, Komm, Folgen“ im Garten gemacht, mit großzügig Leckerlies. Mike ist mir sehr schön gefolgt! Wenn ich ihn rufe, kommt er auch. Aber das ist die Trainingseinheit „ohne Ablenkung“!

Hole ich aber die Pfeife aus der Tasche, rennt er mit eingeklemmtem Schwanz weg. So wie fast immer, wenn man einen Gegenstand in der Hand hält, der kein Fressen ist. 

Mike soll: - Blickkontakt zu mir aufnehmen

-          manierlich an der lockeren Leine gehen

-          nicht kreischen

-          nicht losstürzen

-          nicht weglaufen

-          Abbruchsignale &  Rückruf befolgen

-          Generalisieren

 

Hierzu werde ich, erstmals übrigens bei meinen Hunden, den Klicker einsetzen. Weil der auch noch ins Hundehirn vordringen soll, wo das gesprochene Wort keine Chance mehr hat.

 

21.04.: kleine Erfolge gibt es schon! Mitten im Indianergeheul ist es mir nach einigen Versuchen DOCH gelungen, seine Aufmerksamkeit zu wecken. Und er ist auch herbeigekommen, zwar unter Motzen, aber er kommt.

Wenn er nicht hört, nehme ich die Leine kürzer, damit ich ihn leichter kontrollieren kann.

Im Garten klappt das Training erstaunlich gut, das Locken mit Leckerlie wirkt prima. Mike reagiert sehr gut auf „Komm“. Wir arbeiten am Unterschied zwischen „Sitz“ und „Platz“, eigentlich hauptsächlich deshalb, weil es das Üben Mikey Spaß macht. Unser Clicker ist verschwunden, ich muss erst einen neuen besorgen. Am Montag werden wir damit endlich anfangen können. Alle Hunde haben ganz schnell kapiert, dass neuerdings auf den Spaziergang (nach einer kleinen Pause) noch eine kurze Trainingseinheit im Garten folgt.

Leinentraining hab ich mit Mike gestern gemacht: er folgt mir lehrbuchmäßig, macht alle meine Stops und Wendungen und Kurven und Tempowechsel mit. Dabei bleibt er an meiner linken Seite und schaut mit dauernd (und sehr erwartungsvoll und freudig) an.

Das das so gut geklappt hat, war eine ziemliche Überraschung für mich. Mike allein ist also besser als gedacht zu handeln. Ich will mal weiter beobachten, ob die Probleme nur in der Gruppe sind.

 

26.04.2012

Mit dem Clickern, das ist sicher eine schöne Sache – bei Buddy und Georgia funktionierte es nach dreimal Vormachen wie aus dem Eff Eff. Bei Mikey…..ist es wieder einmal anders.

Lehrbuchgemäß möchte ich das „Brückensignal“ trainieren und halte zu diesem Behufe hinter meinem Rücken ein leckeres Leckerlie. Ich möchte erreichen, dass Mike mit dem, was er nicht tun soll, aufhört (vorstehen, kreischen) und statt dessen seine Aufmerksamkeit auf mich richtet: das er mich anschaut.

In ablenkungsfreier Umgebung rufe ich „Mikey“, und klicke. Und hole – schwupps – das leckere Leckerlie hervor und halte es ihm hin.

Das heißt, ich will es ihm hinhalten. Denn Mikey tut etwas völlig Unerwartetes: er dreht sich panisch um und robbt auf dem Bauch in die entgegen gesetzte Richtung, von mir weg! Das Leckerlie hat er nicht mal wahrgenommen.

Kurz: Mike hat schreckliche Angst vor dem Knackfrosch.

Mein Vorhaben, das jetzt ein paar Mal zu wiederholen (der Plan war, dass Mike beim Geräusch des Clickers sofort zu mir schaut und angerannt kommt, um sein Leckerlie einzusammeln), gebe ich, über diese drastische Reaktion erschrocken, erst mal auf.

Nächster Versuch, gleiches Resultat. Klickern in der Hosentasche. Klicker vor Mike auf den Boden legen, schnuppern lassen. Mike geht aber nicht hin. Klickern mit Leckerlie zeigen.

Immer wieder das Gleiche, Mike läuft ängstlich weg. Die einzige „Verbesserung“ ist, dass er nicht mehr auf dem Bauch kriecht, sondern nach einem skeptischen Blick in meine Richtung nur noch den Schwanz einzieht und geduckt die Biege macht.

Nach vier-, fünfmal „üben“ sind wir soweit, dass Mike auch vor mir Angst hat und schon wegläuft, wenn ich ihn nur angucke.

Jetzt muss ich mich erst mal schlau machen, wie man mit einer solchen Pleite umgeht. Was mag er wohl erwarten, wenn der Knackfrosch ertönt? Vicky meint, vielleicht einen Stromstoß, oder einen Schlag. Ich glaube nämlich nicht, dass sich irgendjemand in Mikeys Vor-Leben die Mühe gemacht hat, dem Hund mit dem Clicker etwas beibringen zu wollen. Womit könnte so ein Beagle denn das Klickergeräusch assoziieren, und wie löscht man diese Fehlverknüpfung möglichst schnell und dauerhaft?

 

Es geht also darum, Mikey beizubringen, dass der Clicker niemals etwas Negatives, sondern immer nur etwas Positives ankündigt.

15.05.2012: Mikey’s Antijagdtraining müssen wir momentan zugunsten unserer Pflege-Maja zunächst aussetzen.

Die drei Baustellen „Jagen/Weglaufen“, „Kreischen“ und die Klicker-Angst haben Mikey und ich in letzter Zeit intensiv beackert.

Was soll ich sagen: es wird besser!! Wobei ich meine, dass es vor allem die
Aufmerksamkeit ist, die Mikey erhält – d.h., positives Verhalten sofort zu
verstärken & unerwünschtes direkt zu unterbinden. Wenn ich merke, dass er
vorstehen oder losrennen will und in den Himmel starrt, verkürze ich die Distanz
zu ihm und spreche ihn an. Wenn er dann zu mir schaut, lobe ich ihn und locke
mit einem Leckerchen.

Mike hat daher etwas zugenommen in letzter Zeit.

Aber unsere „Beziehung“, seine Bindung an mich, hat sich verbessert! Auch das
Vertonen der Spaziergänge hat nachgelassen, seitdem er weiß, dass man sich
Leckerlie verdienen kann, wenn man den Mund hält…..bzw. schnell wieder
zuklappt.

Sehr überrascht war ich, als ich in einer eher kritischen Situation (Mike steht mit gespannter Leine in der Wiese , der ganze Hund angespannt wie ein Flitzebogen, und heult, und alles Ansprechen hilft nix) als letzte Idee und selber schon etwas panisch den Klicker aus der Tasche fummele, klicke – und der Mikey den Kopf dreht und angehüpft kommt…..!

Es hat geklappt!!! Eine Sternstunde.

Ich war ganz schön irritiert ;-)

Dabei hat Mikey immer noch Angst vor dem Klicker, wir sind also mit dem Thema noch nicht durch. Ich möchte aber trotzdem daran weiterarbeiten, weil die Sache mit dem Clicker mir eigentlich gut gefällt. Ich habe es eine Weile mit
Zungenschnalzen versucht, darauf hat Mikey ganz gut reagiert, aber es ist eben
nicht laut genug für Wald&Wiese.

Neuerdings wird Mike auch von Buddy gemaßregelt, wenn er nicht tut, was er soll. Buddy schnappt sich dann Mikes Leine und zerrt daran, was Mike fürchterlich
nervt.

Wir haben Videoaufnahmen gemacht, um Mikeys Verhalten an der Leine und in kritischen Situationen darzustellen. Ich sehe Mike ja immer nur am Ende der Leine mit „mir dabei“. Was ich schon ahnte, trat deutlich hervor: die Probleme bestehen nur bzw. treten nur dann zutage, wenn Mikey mit den anderen Beagle unterwegs ist. Gehe ich mit Mike allein, ist er gut zu kontrollieren und auch abzurufen. Und die größte Überraschung dabei war für mich: er schaut mich dauernd an. Mike läuft kaum ein paar Metern ohne Blick zu mir, er vergewissert
sich ständig.

Wahrscheinlich bin einfach nicht aufmerksam genug, wenn ich gleichzeitig versuche, drei (oder sogar vier) Beagle in den richtigen Bahnen zu halten.