...die Eder-Beagle(s)
...die Eder-Beagle(s)

Wer ist Wanja?

...oder besser gesagt: was für ein Hund ist Wanja? Also, rassetechnisch gesehen. Denn ein Beagle ist er nicht!
Offeriert wurde er als Beagle-Griffon-Mix.
(Griffons sind gut spezialisierte, mittelgroße Jagdhunde, einem Deutsch Drahthaar nicht unähnlich). 
Nun hat Wanja aber so gar keine Jagd-, Schutz- oder sonstige Ambitionen, seine Nase ist völlig unfähig, seine Optik uneindeutig.
Mit einem Beagle hat er höchstens einige seiner Farben gemein (Wanja ist außer "tricolor" auch noch gefleckt, schwarz schimmel und braun schimmel - ein echt bunter Hund.... )
 Wißbegierig, wie wir sind, hat uns dieses Rätsel Ende 2013 keine Ruhe gelassen. Wir haben uns in fürchterliche Unkosten gestürzt und vor ein paar Tagen einen DNA-Test zur Mischlingsbestimmung eingeschickt. Das Ergebnis wird dann mein Weihnachtsgeschenk :blush: Ich tippe auf ein bisschen Beagle, etwas Griffon (eines bestimmten Schlages) und noch Epagneul.
 Wir sind gespannt! Ratet ihr mit? :)

Pünktlich für unter den Weihnachtsbaum brachte die Postbotin am 23.12. das Testergebnis!
 Die Geduld in Person!!! :woohoo: , fetzte ich natürlich sofort den Umschlag auseinander.
 Das Zertifikat war rasch überflogen, die Augen wurden immer größer.... :blink: :S :unsure: :ohmy: :pinch:
Liebe Foris und Mit-Ahnenforscher - wir haben leider alle danebengehauen.....fast ganz komplett daneben....(jemand hat ein kleines bisschen richtig getippt)....gut, dass keiner Wetten abgeschlossen hat....soweit hab ich echt nicht gedacht...!
 Tja....es ist wahrlich kein Hexenwerk, dass Wanja so GANZ ANDERS als alle Beagle, die ich kenne, ist.
 Wahrscheinlich hat das damit zu tun, dass in Wanjas Genen ungefähr soviel Beagle ist wie in denen von Containerkatze Hildegard, nämlich
ÜBERHAUPT GAR KEIN BISSCHEN!!
 Falls ich mich über Weihnachten noch beruhigen kann, erzähle ich später mehr. Muss noch die Erläuterungen lesen!
Zwischenzeitlich hier nochmal zum Überlegen.....:

Okay, wir lassen dann jetzt mal rüberwachsen, was des Pudels Wanjas Kern ist:

Das Zertifikat bzw. das Testergebnis bedarf einiger Erläuterungen.

"Kategorie 1" ist nur besetzt, wenn der Hund entweder reinrassig ist, oder aber ein Elterntier reinrassig sind. Dies ergäbe eine eindeutige Zuordnung zu einer Rasse mit über 75 %.

"Kategorie 2" ist besetzt, wenn es sich um ein Mischlingstier der ersten Generation handelt, d.h., beide Elternteile entsprechen zu maximal 74 % einer Rasse.

"Kategorie 3" hat bei Wanja einen Samojeden ergeben. Somit war ein Großelternteil ein Samojede (=36 %).

In der "Kategorie 4" haben wir bei Wanja den Deutschen Schäferhund, den Labrador und den Lhasa Apso.

Also war ein Urgroßelternteil Wanja dieser Rasse (oder wieder einer Mischung dieser Rassen) zugehörig (= jeweils max. 19 %).

"Kategorie 5" besagt, dass mit den angegebenen Rassen geringe Übereinstimmungen gefunden wurden. Vermutlich wurden diese Rassen in der Vergangenheit eingekreuzt (je max. 9,99 %).

 Das Testergebnis beruht auf Auswertungen von 191 FCI und AKC-Rassen und wird mehrfach Plausibilitätsprüfungen unterzogen. Auch die französischen Jagdhunde sind hier mit "drin", aber offenbar ist bei Wanja irgendwann einmal "nur" der Griffon vorbeigehuscht.

Der Test weist ausdrücklich darauf hin, dass jeder Mischling einzigartig ist und optische Merkmale völlig unterschiedlich hervortreten können (auch bei den gering vertretenen Rassen könnte es sein, dass gewisse Merkmale über die Generationen dominant vererbt werden, muss aber wiederum nicht.....! ). So erklärt sich vielleicht das getüpfelte Fell, das durchaus vom Griffon stammen könnte, wobei dieser ja sogar noch als Varietät spezifiziert werden konnte.

Was das Verhalten anbelangt, so steht in den Erläuterungen, was ohnehin jedem klar sein wird: rassetypische Verhaltensmerkmale sind klar angelegt, doch das tatsächliche Verhalten eines Hundes ist vor allem von seiner Erziehung und seinen Erfahrungen abhängig.
Ich fand das Ergebnis ausgesprochen überraschend und hochinteressant. Auf den Samojeden wäre ich nie gekommen, aber wenn man die Rassebeschreibung nachliest, dann ist es gar nicht so abwegig! Wanja sieht auf jeden Fall oft so aus, als würde er lächeln :-) Kein Wunder auch, dass Wanja es mit der Nasenarbeit so gar nicht hat....er ist doch eher der beobachtende Typ! Und auch von Haus aus schon eher "für sich".
 Andere Details treffen wiederum kein bisschen zu, z.B. ist er total wasserscheu.
 Wanjas Geschwister haben vielleicht ganz anders ausgesehen, ist es nicht faszinierend? Denkt an den Wurf von Beagle Fe, der so unterschiedliche Hunde hervorgebracht hat.
 Soviel zum kleinen Ausflug in die Vererbungslehre! Mit den Einzelheiten werde ich mich aber noch eine Weile beschäftigen können.

 Liebe Grüße
 Marion und Wanja

28.03.2014

Huhu, Ihr Lieben, lange nix vom Herrn Wanja gehört, nich?
Hier ist aber auch grade wieder Hochbetrieb!
Neuerdings habe ich, äh, haben wir ja eine Pflege-Lilly. Die hält uns ein bisschen auf Trab, besonders mich, weil ich nämlich hier am besten die Oberaufsicht mach. Wenigstens ist sie nett, schau wie sie mich freundlich begrüßt:

Heute allerdings war's besonders toll, weil ich nämlich Geburtstag hatte!
7 Jahre bin ich geworden! Wer hätte das gedacht :silly:Ich habe eine Pfannkuchentorte bekommen (die Kerzen waren aber ganz schnell aus!), mit Leberwurstfüllung! Aber das ALLER-ALLERBESTE war das Paket, was die Postfrau mir heute brachte (in Geschenkpapier und mit Schleifchen!!!).
Das Paket hat ungefähr 45 kg gewogen und war randvoll mit Leckerlies und Futter FÜR MICH!! (okay, ein paar Pralinen warn auch dabei, die sind wohl für die Ladys hier, Schokolade is ja nix für Wanjas. Ham se sich eh gleich untern Nagel gerissen :blush: :woohoo: Und obendrauf lag ein ganz wunderschönes Bild! So, nun ratet mal, von wem diese tolle Überraschung kam? Natürlich von der weltbesten Paten-Klasse überhaupt: meiner 2 b aus Berlin!!
Ich hab mich ganz doll gefreut, vielen herzlichen Dank!
Der Marion hab ich schon gesagt, sie soll euch mal schöne Fotos von mir schicken! DANKESCHÖÖÖN!!!
Ich wünsch euch ein ganz tolles, sonniges Wochenende!
Liebe Grüße
Euer Wanja
 

12. Juni 2014

Uups....das ist aber schon lange her, dass wir uns hier mal gemeldet haben.....'tschuldigung..... :pinch: :blink: :blush:Ich hatte aber auch ein bisschen eine schwere Zeit! Erst hatte ich innerhalb weniger Tage 4 so epileptische Anfälle, einmal richtig schlimm mitten in der Nacht, da hab ich das ganze Haus aufgeweckt :whistle: , aber es war niemand mit mir böse :blush:Wir waren dann erst bei meinem Doc Ulli (der gar keine doofen Bemerkungen gemacht hat, sondern komisch ernst geguckt hat), der hatte aber keine richtige Idee, was man noch mit mir anstellen könnte....er hat mir Tropfen gegeben, die sollte ich dann immer nehmen.
Weil ich neuerdings büschelweise Fell verliere (okay, das hatte ich letzten Sommer auch, aber nicht so wie jetzt), und anscheinend auch viel Wasser einspeichere - ich hab in kurzer Zeit ziemlich zugenommen, aber am Essen wurde gar nix verändert und klauen tu ICH nicht - im Gegenteil, die Beagle und sogar die Hildekatze beklauen MICH) und daneben noch andere kleinere Ausfälle (manchmal scheine ich Dinge nicht gleich zu sehen, ich bin z.B. neulich volle Kanne in einen dicken fetten Zaun gerannt.....und dann weiß ich manchmal nicht, wie ich an Hindernissen vorbei gehen soll....ich wackele dann hin und her und kann mich nicht entscheiden, ob ich SO rum oder SO rum laufen soll....), hat Marion beschlossen, dass wir noch mal zu einem anderen Tierarzt fahren.

Erstmal war's dahin ganz schön weit, das hat mir schon mal nicht gefallen! Dann hatten die da so Glasscheiben bis zum Boden, da hab ich meine Nase feste dagegengedrückt und wollte wieder gehen, aber so einfach war das nicht. Die Tierärztin war zwar sehr nett und sehr besorgt, aber sie meinte allen Ernstes, ob denn mein Geburtsdatum stimmen könnte - na, von der Optik her auf jeden Fall, menno!
Sie hätte den Eindruck, mit meinem Kopf würde was nicht stimmen :silly: :blink: und ich würde "dement" wirken. Ich hatte aber auch echt Streß gerade, das muss man ja auch berücksichtigen!!
Sie hat mich dann gründlich untersucht, und dann gings an Blutabnehmen. Also, das wollte ich nun gar nicht! Und -zack! - gabs ein Mords-Blutbad, alles voll! Auch ich und Marions Hose :pinch: ....sorry.... Den Rest vom Blut haben sie dann von vorne bis hinten untersucht.
Heute kam endlich der noch fehlende Rest des Ergebnisses, und rausgekommen ist - nix!
Mein Herz und das meiste andere ist kerngesund, meine Schilddrüsen-, Leber- und alle sonstigen Werte sind total normal. (Wir hatten ein bisschen auf eine Schilddrüsen-Unterfunktion "gehofft", einfach um die Mattigkeit und das Zunehmen zu erklären...) Außer die Nieren, aber das ist ja schon eine bekannte Baustelle, und die sind ja auch irgendwie für das Wasser verantwortlich :SDas ist nun alles sehr schön, aber leider fehlt immer noch die Erklärung, warum ich soooo müde und träge bin und alles andere.
Jetzt bekomme ich aber eine ganz andere Medizin, damit ich wenigstens nicht mehr umkippe. Und eine Diät soll ich auch machen. Das heißt bestimmt: noch mehr Gemüse.....!
Die Tierärztin sagt, es gäbe schon noch Dinge, die man untersuchen könnte (im Hinblick auf einen Hirnschaden, Tumor....), aber ich hoffe mal nicht, dass Marion mich bis in die Tierklinik schleppt, so wie die Georgia. :sick:Na, mal sehen, was die neue Medizin bringt, die holen wir am Freitag.
....ach so, und als ich endlich vom Tierarzt wieder da und glücklich zuhause war, hat mich eine Wespe gestochen, in die Schnauze! Die ist rundrum ganz dick geworden, und ich musste mich "mein armes Backenhörnchen" nennen lassen :angry: :angry: :ohmy: .....und da war der Tag aber echt für mich gelaufen.

Erstmal liebe Grüße an euch alle!
Euer Wanja

17. Juni 2014

Wanja bekommt nun seit 6 Tagen das neue Medikament, Pexion. Es wird sehr rasch vom Körper aufgenommen und auch die Wirkung setzt nach ganz kurzer Zeit ein, anders als bei z.B. Phenobarbital, was die andere Alternative gewesen wäre.

Gestern hatte Wanja einen guten Tag: er ist beim Spazierengehen schön mitgegangen und hat sogar teilweise das Tempo vorgegeben.

Heute.....ist mir beim gleichen Spaziergang (es war mäßig warm, erträgliches Wanja-Klima, die Runde annähernd die selbe - maximal 20 Minuten) Himmelangst geworden.
Bitte wundert euch nicht darüber, dass ich den Hund fotografiere, wenn es ihm erkennbar nicht gut geht - dazu hat mir die Tierärztin geraten, die sich dadurch ein besseres Bild machen will.

Es fing damit an, dass er den Weg aus dem Hof raus nicht mehr gefunden hat. Wir haben seit einigen Wochen eine Schleuse (sozusagen ein Zaun hinterm Zaun), weil ich vermeiden will, dass die Hunde bei Besuch unkontrolliert zum Tor rennen. Wanja kennt den Weg, aber manchmal versucht er es noch auf die "alte" Tour, quer übern Hof. Meistens steht er dann einen Moment vorm Zaun, guckt verdutzt "Huch! ein Zaun!", dreht sich dann gemächlich um und geht durch das neue Fußgängertörchen (dazu hab ich unten das 1. Foto).
Heute erkannte er den Zaun erst, als die Nase dranstieß, und es gelang mir mit keinem Mittel, ihn wieder auf den rechten Pfad zu führen. Schließlich habe ich seinen Kopf genommen und den ganzen Hund so umgedreht (der Hund an sich geht immer dahin, wo er schaut, ähnlich einem Motorradfahrer, der fährt auch immer dahin, wo der Blick hingeht ;) ), so gelangten wir dann hinaus.
Das hielt ich nun noch für eine kleine Entgleisung. Und wurde etwa in der Mitte des Spazierwegs eines besseren belehrt: Wanja driftet langsam nach links vom Weg ab und steht plötzlich im Graben, vielleicht 30 cm tief.
Es war ihm unmöglich, da alleine bzw an der Leine rauszufinden. Ich bin hin und habe ihn am Geschirr rausgeführt, da merke ich, dass ihm die Beine zittern. (2. Bild)
Langsam weiter - zurück wäre genauso lang wie vorwärts gewesen. Es geht auch, bis ein paar hundert Meter weiter er wieder die Orientierung verliert: die beiden linken Pfoten sind auf dem Seitenstreifen, die beiden rechten Pfoten auf dem Asphalt - Wanja verliert völlig die Koordination. Das geht bestimmt 20 m so. Ich ziehe ihn auf die Straße...nach kurzer Zeit tritt er auf seine Leine, was ihn so irritiert, dass er stehenbleibt und anfängt zu weinen. (Foto 3 & 4). Seine ganze Körperhaltung spricht Bände. Er tut mir unendlich leid.
Den langen abschüssigen Weg zu unserem Haus läuft er sonst immer deutlich schneller als alles andere, so als ob er sich in Sichtweite des Hauses beeilen möchte, wieder heim zu kommen. Heute schleicht er mit pendelndem Kopf dahin, ein Jammer, das zu sehen.
Schweißgebadet komme ich zu Hause an, Tierarzt angerufen. Ich frage nach Vestibularsyndrom und Schlaganfall (da fehlen aber eindeutige Symptome), sie ergänzt noch um Kognitive Dysfunktion, also eine Art Hunde-Alzheimer oder -Demenz. Ausfälle hat er ja öfter, aber nicht so gehäuft wie heute. Dafür spricht auch sein seit einigen Wochen ganz verändertes Ruheverhalten - er schläft tagsüber und ist nachts, wenn das Haus ruhig wird, auf Wanderschaft. Oder eine Art stiller Anfall in Etappen. Eine Nebenwirkung der Tablette (Kreislauf?) schließt sie aus, auch die Dosis soll noch nicht verändert werden, er ist noch bei der minimalen Anfangsdosierung.
Ich mach mir echt Sorgen um unseren großen, *alten* Mann.
Heute abend war er übrigens wieder "normal" - also, so "normal", wie unser etwas verpeilter Wanjabär eben ist.
 

Bei Wanja ist Phenobarbital (=Luminal) wegen seiner anderen Baustellen (Nieren, Blase) kontraindiziert, außerdem nimmt man davon noch mehr zu. Deshalb bekommt er Pexion.
Es verhält sich also so, dass das relativ neue Pexion über den Darm des Hundes verstoffwechselt wird, während die anderen möglichen Mittel über den Urin ausgeschieden werden. Das wäre für Wanja also noch schlechter. Die TÄ sagte, dass sie sämliche Epi-Mittel nur nach sorgfältiger Abwägung verordnet, und auch nur an Hunde mit einem gewissen Gewicht (nicht unter 10 kg, was für einen Beagle ja durchaus zutreffen könnte - Wanja ist aber ja eher so ein Schäferhund-Hund).
Ich denke, die Wahl eines solch eingreifenden Mittels ist so ähnlich wie die zwischen Pest und Cholera :-(Heute Nacht war Wanja so wie immer in letzter Zeit. Jetzt tagsüber ist er wieder in seiner Welt - abwesend und völlig uninteressiert an allem und jeden. Wanja ist mittlerweile ein Hund, den NICHTS vom Hocker haut, da können die anderen toben und zetern, wie sie wollen.
Wir geben das Mittel vormittags, bis maximal am frühen Nachmittag, damit er am Tag wach ist und nachts bitte schläft. Da muss die Wirkung sich wohl erst noch durchsetzen...!
Die Dosierung ist im Moment die geringstmögliche, sie wird nur gesteigert, wenn weitere Anfälle kommen.
Untersucht wurde jetzt über die Zeit alles (auch Röntgen, Ultraschall mit und ohne Kontrastmittel, Herz, Blut, Urin sowieso, unser anderer TA arbeitet ganzheitlich und hat ihn auch schon osteopathisch untersucht....), außer CT/MRT. Aber die Reise in die Tierklinik kann ich mir mit Wanja einfach (noch) nicht vorstellen.
Wir hatten ja ein bisschen auf die Schilddrüse "gesetzt", aber die Werte sind völlig okay, zwar im unteren Bereich, aber eben noch längst nicht krankhaft. So Sachen wie eine ständige Schiefhaltung des Kopfes, oder Schütteln des Kopfes, oder irgendwas anderes, was die Docs auf die richtige Spur hätte bringen können, gibt es ja nicht - man weiß nicht, ob man dafür nun dankbar sein muss oder nicht.
Durchblutungsfördernde Tabletten hat er zuvor auch bekommen, um ihn etwas weniger lethargisch zu machen, aber leider auch ohne sichtbares Resultat.
Wir wollen nach Absprache mit der Praxis (es beruhigt mich, dass sich drei Tierärzte unterschiedlicher "Fachrichtung" sich gemeinsam Gedanken über Wanja machen) nun erstmal mit dem Pexion weitermachen und den Verlauf mindestens noch eine Woche beobachten.
Falls es schlechter wird, werden wir neu überlegen, ob vielleicht weitere Untersuchungen möglich /nötig sind. Idiopathische Epilepsie ist der Begriff für Anfälle, bei denen man keine organische Ursache findet. Wanja hat eine Narbe auf dem Kopf, ich denke immer, dass man schon mal versucht hat, ihm ein Ende zu bereiten, und vielleicht ist das eine Ursache.
Er ist schon ein Unglücksrabe, aber es gab und gibt ja auch ganz tolle Zeiten mit ihm, und die hätten wir gern noch ein wenig ausgedehnt :)

04. Juli 2014

Mitunter gibt es auch mal was Positives zu berichten!
Wanja hat die Anfangsschwierigkeiten mit dem neuen Medi offenbar überwunden!
Nachdem ich kurz nach meinem letzten Beitrag hier mit der Tierärztin darüber sprechen musste, ob sie eventuell die doch recht weite Fahrt (es gibt etliche näher gelegene Tierärzte) zu uns machen würde, falls es Wanja noch schlechter gehen sollte...... :( :( :( .....und sie so schrecklich mitleidig aussah, als ich sagte, er lehnt den Kopf gegen die Wand und steht dann SO DA (sie sagte: "Mein Gott, er hat Kopfschmerzen. Tun Sie ihm das nicht länger an." ...was für ein fürchterliches Gespräch.)...... wurde die Dosis kurzfristig noch mal erhöht, und ab da ging es wieder ein bisschen bergauf mit dem alten Wanja-Bär!
Seit Montag sind wir nun wieder bei der Normaldosierung, kein Anfall seit nun acht Tagen, und er guckt wach!! Wir sind dazu übergegangen, seine Reaktionen zu prüfen (ein Tipp aus der TÄ-Praxis, er soll ja schließlich mit den Medis nicht *ruhiggestellt* werden) ob er meiner Hand mit den Augen folgt z.B.. Zu träge darf er nicht werden.
Er schielt dann erst ein bisschen (erinnert mich an Clarence, den schielenden Löwen, kennt den noch jemand?) , folgt aber dann mit dem Kopf der Hand (oder dem Ball, oder dem Leckerlie....). Das Tempo beim Laufen hat auch wieder etwas zugenommen - wir sind anscheinend auf dem richtigen Weg ;) :)Was mich wirklich freut. Wobei ich natürlich immer so ein bisschen abergläubisch denke, hoffentlich hält der gute Zustand mal eine längere Weile....! Bitte!!

Am 08.09.2012 habe ich Wanja abgeholt. Die ersten Tage hatten wir Angst, dass er uns unter den Händen stirbt.

 

Zwei Jahre später…

…..glaube ich, dass wir es nicht schaffen.

Nicht über diesen Punkt hinaus, an dem wir –Wanja und seine drei-Generationen-Menschen – nun angekommen sind.

Wanja ist noch immer völlig handscheu.

Er ist nicht intelligent. Er ist lernresistent. Das einzige, was er gelernt hat, ist, dem Teller mit dem Essen zu folgen. Manchmal reagiert er auf „komm“, meist nicht. Er ist nicht zu lenken. Er weiß nicht, wie er die geringsten Probleme lösen soll: die Leine wickelt sich um eine Pfote? Andere Hunde heben die Pfote und treten aus der Schlinge heraus. Wanja – fällt um. Oder zieht die Leinenschlinge selbst so fest zu, dass er fiepend stehen bleibt.

Wanja ist gutmütig, aber leider doof. Seine Nase funktioniert nicht. Das Leckerliebröckchen kann direkt neben ihm zu Boden fallen – er findet es nicht. Er weiß anscheinend noch nicht mal, dass er es suchen könnte. Er kann für sich selbst nicht sorgen.

Nicht der vermeintliche Futtermangel in Mornac hatte seinen mehr als schlechten Zustand zu verantworten. Tatsache ist, dass Wanja sich alles wegnehmen lässt – noch aus dem Maul heraus.

Wanja schaut seinem in Verlust geratenen Essen dann jeweils traurig hinterher, kommt aber nicht auf die Idee, irgendetwas zu unternehmen. Selbst die Katze stiehlt sein Futter. Wanja steht dann völlig ratlos daneben und fiept ein wenig.

Georgia hätte die Katze schon zweimal rauf und runter gescheucht.

Ist er draußen und es fängt an zu regnen, bleibt Wanja stoisch stehen. Es fällt ihm nicht ein, Schutz zu suchen, etwa ins Haus zu gehen.

Wanja ist wie ein geistig schwer behindertes Kind – dies wird einigen Lesern sicher sehr sauer aufstoßen, aber einen treffenderen Vergleich finde ich nicht.

 

Mikey ist im Hause ähnlich trottelig und hat vor allen, was Lärm verursacht und/der leicht unheimlich daher kommt, enorme Angst. Aber er knurrt wenigstens mal, falls die anderen sich größere Frechheiten herausnehmen.

Im Gegensatz zu Wanja ist Mikey aber wenigstens draußen richtig auf Zack, da macht ihm keiner was vor, und er zeigt unterwegs auch nicht die Spur von Angst.

 

Treffen wir unterwegs andere Hunde (winzige Hunde: eine 17jährige Dackeldame z.B., den winzigkleinen Yorkie Rudi oder den Langhaardackel Frodo), will Wanja nicht an diesen Monstern vorbeigehen. Er fiept und schaut weg.

Kontaktaufnahme? Gleich Null. Hinlotsen lässt er sich nicht, er stemmt die Pfoten in den Boden und beugt sich in maximaler Schräglage so weit als möglich von der Gefahr weg.

Körpersprachlich ist Wanja ein taubstummer Analphabet. Die Signale anderer Hunde versteht er nicht, und er selbst ist nicht in der Lage, hundegerecht zu kommunizieren.

Man sieht den uns begegnenden Hunden deutlich die vielen Fragezeichen in ihren Gesichtern an: was ist denn mit dem komischen Typen los, und wieso steht er da so seltsam herum?

 

Angst hat Wanja noch immer, reichlich, vor allem vor Menschen. Auch vor uns, meistens. Leider.

Ihn draußen anzuleinen, ist nur möglich, wenn wir ihn einfangen, und das wiederum ist dem zarten Vertrauenspflänzchen so abträglich, dass wir es nicht wollen.

Freiwillig und freudig mit spazieren gehen? Undenkbar. Immerhin kommt er dann mit, wenn man ihn erstmal davon überzeugt hat.

Er geht mit, weil Mikey vorgeht. Wanja tappt hinterher. Gelegentlich bleibt er stehen und schaut sinnierend in die Luft. Wenn wir weitergehen, läuft er weiter. Bleiben wir stehen, bleibt er auch stehen. Immerhin, er achtet ein wenig auf uns. Vielleicht wartet er auch einfach auf einen Hinweis, wie es nun weitergeht – er selbst scheint es nicht zu wissen. Ein einziges Mal hat er draußen an einem Gegenstand geschnuppert. Dabei ist es geblieben – weder schnuppert er an irgendetwas, noch löst er sich außerhalb des Grundstücks.

Würden die Spaziergänge ausfallen, Wanja würde sie nicht vermissen, schon gar nicht einfordern.

Die Spaziergänge führen immer auf denselben kurzen Routen entlang und dauern maximal eine halbe Stunde.

Ich bestehe darauf, auch wenn es mich eine oft nervige Extra-Runde kostet. Immerhin, Mikey genießt sie.

Wenn wir das nicht machen würden, hätte Wanja seit einem Jahr den Hof nicht verlassen (außer zu Fahrten zum Tierarzt). Ich finde, Hunde müssen raus, und ohne Spaziergang wäre Wanja überhaupt nicht gefordert. Es hat etwas mit kognitiver Förderung zu tun, denn wenn wir unterwegs Kühe, Hühner, einen Hund oder ein Pferd sehen, ist Wanja hinterher zufriedener und ein klein wenig heller als sonst.

 

Wanja hat seit letztem Herbst epileptiforme Anfälle, einer davon so schwer und lang andauernd, dass der eiligst herbeigerufeneTierarzt den gefürchteten status epilepticus annehmen musste.

Die hierbei möglicherweise zerstörten Zellstrukturen im Gehirn lassen sich nicht mehr reparieren, und niemand weiß, wieviele stille Anfälle es schon gegeben hat.

Natürlich wissen wir nicht, ob oder wie oft Wanja schon solcherlei Anfälle hatte. Vielleicht ist sein geistiger Zustand auch resultierend aus 5 Jahre wegsperren, eine nicht stattgefundenen Sozialisation, Mangelerfahrungen, Isolierung, Deprivation. Vielleicht ist Wanja auch zu oft geschlagen worden, vielleicht auf den Kopf. Ein Geburtsfehler wäre möglich, oder eine Tumorerkrankung.

Wanja macht mich zugleich traurig und glücklich. Es macht mich traurig, nicht näher an ihn heranzukommen (so wie bei Mikey) und nicht mehr für ihn tun zu können. Besonders schwer zu akzeptieren ist, dass er keine Beziehung zu den Beagles aufbaut, er tritt einfach nicht mit ihnen in Kontakt.

Er betrachtet sie, aber mehr auch nicht. Spielen oder Kuscheln kann Wanja nicht. Raufen schon gar nicht. Wenn Buddy ihm eins überzieht, reagiert er übertrieben gepiesackt, weint kurz und läuft weg. Streicht die penetrante Hilde schnurrend an seinem Bein entlang, schüttelt er es entsetzt und geht weg.

Andererseits glaube ich nicht, dass Wanja etwas anderes möchte als seinen überschaubaren, gut strukturierten Tagesablauf mit den immer gleichen Liegeplätzen und den Gassiwegen, die er schon so gut kennt. Ohne diese Strukturen würde ihm die Sicherheit, die er für sein Leben hier braucht, fehlen.

Glücklich macht es mich, abends für gefühlte drei Minuten mit ihm zu schmusen: seine Ohren zu knuddeln und seine kuschelige Brust. Dann brummt er wohlig und schaut mich einfach nur an. Hat er genug, zeigt er es mir, indem er wegsieht und seine Nase leckt.

 

Über keinen Hund habe ich je so viel nachgedacht wie über Wanja.

Wie gut- oder wie schlecht – geht es ihm? Ich weiß es nicht. Er vermittelt das Bild stillen Duldens, von was auch immer. Ich glaube, in Wanjas Welt gibt es kein Schwarz oder Weiß, nur viele diffuse Grautöne.

Wanja ist wie eines dieser Traumtiere in den Indianersagen. Er ist einfach da, still und präsent.

 

Das einzige, was Wanja von uns einfordert, ist sein tägliches Stückchen Käse.

 

Auch wir wollen immer noch zu viel von ihm. Er gehört auf einen Hof, wo er den lieben langen Tag herumlungern kann. Wo er versorgt wird und trotzdem keiner an ihm herumtüddelt.

Im Sommer geht das bei uns ja auch weitgehend, nur, dass es so wenig zu gucken gibt für ihn. Aber im Winter geht es eben nicht!

Nicht mal ich kriege es auf die Kette, dass er einfach nichts will. Und: dass ich NICHTS bekomme, heute nicht und in zwei Jahren nicht.

 

Andererseits durfte ich neulich seinen Bauch kraulen….

Und als er letztens Luna, die wuselige Cocker-Dame, sah, bekam er einen regelrechten Gefühlsausbruch: nicht zweimal den Schwanz schwingen, sondern richtig 5mal hin und her – also, fast wie wedeln. Vor ein paar Tagen habe ich ihn abends mit einem Markknochen auf die Terasse gestellt, Tür zu, damit die Beaglebande nicht wieder seinen Knochen klaut. Nach über einer Stunde fiel mir ein, dass der Große noch draußen ist – sorry, Wanja, ich hab’s echt vergessen! – und was sehe ich? Er steht noch an der gleichen Stelle, tatenlos, meldet sich nicht (andere Hunde jaulen, bellen oder kratzen an der Tür…) – und der dicke Markknochen liegt auch noch genauso vor ihm….ich kratze etwas Mark heraus und halte es ihm hin. Keine Reaktion: was soll ich mit dem Teil? scheint er zu überlegen.

 

Wanja hat sein angeborenes Erkundungsverhalten anscheinend vergessen. Wie schafft man es, die Neugier in einem Hund zu wecken? Seine Nase aufzuwecken? Ihn zum Schnüffeln zu bringen?

Als ich in Maja Nowaks neuem Buch das Kapitel über Luise las, war ich so aufgeregt wie noch nie. Ich dachte total hibbelig: bitte, bitte, jetzt, die Lösung für Wanja! Leider reagierte Luise ganz anders, als Wanja es je täte. Einmal schnupperte er eine halbe Sekunde an einem gefrorenen Pferdeapfel – juchu!

Die Welt entdecken auf spielerische Weise und dadurch Sicherheit gewinnen, indem die Umwelt entdeckt wird, war der Plan. Wanja hat hier erhebliche Defizite – ihn interessiert das alles nicht die Bohne. Oder weiß nicht, wie er entdecken soll. Offenbar durfte er sein Erkundungsverhalten nicht ausleben. Was gibt es auch zu erkunden in einem 2m²-Zwinger? Zur Einschätzung des mentalen Gesundheitszustandes eines Hundes schauen die Verhaltensbiologen, wie viel Neugier und Erkundungsverhalten der Hund zeigt.

 

Wanjas Ergebnis würde gruselig ausfallen.

 

Wanja zeigt natürlich auch kein unerwünschtes Verhalten. Er macht nie in die Wohnung und nie was kaputt. Mann, ich wünschte echt, der würde mal was anstellen. Außer, dass er an der Straße nicht geradeaus gehen will, fällt mir aber nichts ein.

Aber wie weckt man denn Neugier und Erkundungsverhalten?

Ich habe es mit Limburger und dem Clicker probiert, alle erdenklich Spiele und Spielsachen ausprobiert – Wanja steht vor mir und schaut mit seinem fragenden „hääää?“-Ausdruck milde zu mir hoch.

 

Er lebt wie in einem Kokon. In einer Kapsel. Aber er sieht mich manchmal aufmerksam an, streckt sich, in dem er so lustig nach vorn zusammenklappt und den Kopf in den Nacken wirft, hört, wenn er gerufen wird, schlenkert mit den Beinen beim Laufen, nimmt vorsichtig Essen aus der Hand. Manchmal hüpft er überschwänglich im Kreis vor Freude (oder als Übersprungshandlung). Und er brummt, wenn man ihn krault. Das ist doch was!

 

Was wünsche ich mir auch so vermessene Dinge. Dass er mal richtig rennt, sich auf dem Boden wälzt, wie Georgia oder Mike. Dass er auf Sesseln, Sofas und Betten herumliegt. Dass er am Fenster guckt. Dass er Nähe sucht. Wenn ich ihn anschaue, denke ich, seine Lebensqualität ist nicht besonders groß. Reicht es wirklich, in Sicherheit und nicht vom Hunger bedroht zu sein?

(Es klingt ketzerisch aus der Feder von Tierschutzleuten, aber für den Wanja wäre es vielleicht am humansten gewesen, in der Tötungsstation zu sterben – wobei ich immer hoffe, das die Leute das dort richtig machen und mit dem angemessenen Mittel.)

 

Eigentlich seltsam, dass er sich so exponiert fast mitten ins Zimmer legt. Erst recht, wenn er sich so dreht, dass er den Eingang des Raumes gar nicht im Blick hat.

 

Wegen immer wiederkehrender Ataxien und Apathien war ich mit Wanja bei unserer neuen Tierärztin. Wanja hat oft Ausfälle, läuft gegen Hindernisse, bleibt dann völlig verwirrt stehen und weiß nicht, ob er links oder rechts daran vorbeigehen soll. Er verknickt sich sich Pfote und weiß nicht mehr, wie er sie wieder grade bekommt. Tritt er auf seine Leine, kann er nicht weiterlaufen. Wickelt sich die Leine um eines seiner Beine, fällt er hin. Schon, wenn die Leine auf der falschen Seite des Rückens liegt, ist er irritiert und weiß nicht, wie er das *Problem* lösen soll.

 

Beim Tierarzt hat er unglaublich Streß. Er stemmt den Kopf gegen die bodentiefen Fenster und will raus.

Frau Dr. K. war über Wanjas mentalen Zustand ziemlich erschüttert, sie hält ihn für dement. Vom Körper her ist er 7, seine Optik ist sogar noch besser, aber vom Kopf her ist er viel älter.

Diese Beule auf dem Kopf – ist sie gewachsen? Ist es das Hinterhauptbein, das auch die Anglos haben, ein Überbleibsel aus irgendeiner vor Generationen eingekreuzten Rasse? Oder ist es der Beweis einer Misshandlung, die Wanja so hat werden lassen, wie er ist?

Die Ärztin nahm Blut ab. Ein Ergebnis, das etwas erklären würde, hat es leider nicht gegeben (wir hatten eine leicht behandelbare Schilddrüsen-Unterfunktion „erhofft“).

Idiopathische Epilepsie heißt es, wenn die Ursache nicht feststellbar ist. Man könnte zwar noch CT und MRT machen, um Tumore auszuschließen (oder zu finden), aber ich kann mir nicht vorstellen, den Wanja nach Hofheim zu schaffen. Er bekommt nun Pexion, wir hoffen, dass er damit stabiler und wacher wird. Außerdem arbeiten wir am Gewicht, das vielleicht hauptsächlich aus Wasser besteht, er sollte drei Kilo weniger wiegen, sagt die Tierärztin.

Diese Hürde haben wir geschafft, er hat wieder eine bessere Figur, auch das Medikament zeigt Wirkung, alles hat sich eingespielt.

 

Wanja ist etwas ganz Besonderes, er ist ein Schatz, er ist schön und brav und unschuldig wie ein staunendes Kind. Er hat in seinem ganzen Leben noch nichts falsch gemacht.

Es gibt sie, diese Tage, an denen er uns alle überrascht mit seiner guten Laune, wenn er seine langen Haxen schwingt und auf einmal losplatzt in lauter Lebensfreude.

Okay, die dollen fünf Minuten halten eben auch nicht länger als genau diese Zeit - aber DIE hat er dann halt gehabt und genossen!

Alles, was ich über Angsthunde weiß, habe ich mit und durch Wanja gelernt. Ich mache mir ständig Sorgen um ihn. Aber bereut, ihn abgeholt zu haben, habe ich nie. Ich denke schon, dass er in seinen Möglichkeiten auch ganz zufrieden mit uns ist. 


 

Unser Wanja, der liebste und sanfteste Hund, den ich je kennengelernt habe, ist  am Mittwoch Abend, zwei Monate vor seinem 8. Geburtstag,  gestorben.

 

Wanja (für viele, die ihn kennen, wird er immer Bibi bleiben hatte seit über einem Jahr Krampfanfälle, die keiner Ursache zugeordnet werden konnten. Im Oktober haben wir daher ein CT machen lassen. Die Diagnose war sehr traurig: er hatte wohl in früheren Jahren eine nicht behandelte Gehirnhautentzündung / Meningitis. Dadurch wurde Wanjas Gehirn so geschädigt, dass die entstandenen Hirnzellenverluste durch Wassereinlagerungen ausgeglichen wurden. Wanja wurde zwar gut medikamentös behandelt, aber die Prognose war so, dass die Anfälle weiterhin kommen und dabei immer mehr Hirnsubstanz zerstören, was seine Fähigkeiten immer mehr einschränken würde.
Nun war seit diesem Tierklinik-Besuch kein Grand-Mal-Anfall mehr eingetreten, Wanja war recht gut drauf.
Anfang dieser Woche ging es plötzliich wieder schlechter - er stand völlig abwesend im Raum und schien etwas zu hören und zu sehen, was nur Wanja hören und sehen konnte. Nach einigen dieser Absencen hatte er dann am Mittwoch von morgens um 7 Uhr an und über den Tag fünf Krampfanfälle in Folge, von der bösen Sorte.
Vielleicht ist es tatsächlich so, dass man am Ende einfach weiß, wann es genug ist. Und auch Wanja schien es zu wissen, denn er verhielt sich, in den Krampfpausen, anders als sonst.
In die Tierarztpraxis wollte ich ihn nicht mehr schleppen, Autofahren war ihm doch sowieso zuwider. Dr, Ulli kam nach der Sprechstunde zu uns nach Hause. Der letzte Anfall war grade eine knappe Stunde her, Wanja war noch ganz durcheinander,  die Entscheidung war für den Tierarzt auch ganz eindeutig. Man sieht es kommen, aber möchte doch hören, dass es der einzige Weg ist....Wanja ist in Vickys und meinen Armen ganz schnell, leise und in Würde gestorben.
Wir sind sehr traurig, obwohl wir natürlich auch alle wissen, dass es nur noch schlimmer geworden wäre. Aber leider macht es das noch lange nicht "gut"....
Am Donnerstag wurde er zur Einäscherung abgeholt. Die Asche wollen wir auf dem Platz im Garten begraben, wo er die ersten Tage nach seiner Ankunft verbracht hat.
Ich hoffe, es geht ihm gut, da, wo er jetzt ist. Er war ein ganz besonderer Hund. Ein bisschen tröstlich ist meine Vermutung, dass wir eigentlich alles richtig gemacht haben - jedenfalls, so gut wie möglich.
 
Bibi kam im September 2012 bei uns als ein an Körper und Seele gebrochener Hund an. Wir wussten anhand seiner Beschreibung, dass er ängstlich und körperlich schwach ist - aber nicht, dass er so ängstlich und so geschwächt sein würde. Anfangs war ich noch der Ansicht, man könnte seine Traumatisierung mit allerlei Zuwendung, Geduld und allen möglichen Anwendungen aufbrechen und vielleicht sogar therapieren. Aber es gibt offensichtlich eine Form von Vertrauensverlust, die man nicht wirklich beheben kann. Recht schnell war klar, dass man ihn nicht vermitteln können würde. So hat er bei uns die Zeit verbracht, die ihm gegeben war, und er sich uns mit der Zeit auch geöffnet und an uns gebunden. Trotzdem hatten wir immer den Eindruck, ein Stück von ihm sei in Frankreich geblieben. Ein bisschen war er immer ein Fremder.
Bibi, den wir dann Wanja nannten, war das liebste, sanfteste und leiseste Tier, dessen Leben wir je teilen durften. Ja, er hat auch mal gebellt - ein klares, kräftiges Bellen, das alle anderen auf den Boden der Tatsachen zurückholte - aber häufig blieb er lieber im Schatten, eine Randfigur. Er forderte nichts (außer seinem Frühstück um halb sieben, seinem Wuffiwürstchen nach dem 25-Minuten-Spaziergang, und dem obligatorischen Käsesnack am Abend, er hatte keine  Macken, und er machte Zeit seines Lebens nichts verkehrt - Wanja hat nicht einmal in die Wohnung gepipit, geschweige denn etwas zerstört. Alles, was er wollte, waren seine Decke auf der Matte vor Omas Ofen, und seine *Ballis*. Er liebte seine Bälle, häufig so kleine Katzenspielzeuge, und sprang denen mit seinen langen, unbeholfenen Beinen begeistert hinterher. Er spielte mit Oma, aber auch mal alleine, versunken und voll Freude.
Er konnte auch richtig aufdrehen! Im ersten Jahr haben wir die Reizangel für ihn entdeckt, und dann "half" er der Oma beim Rasenmähen.Schnee begeisterte ihn, den Samojeden-Mix, über alle Maßen. Es gab ausgelassene Runden über die obere Wiese, und er lernte es, zu sitzen und still zu beobachten.
Die kurzen Spaziergänge, die ich von ihm forderte, absolvierte er mit Duldsamkeit, aber ohne große Begeisterung (obwohl er auch hier richtig doll hüpfen konnte, wenn ihm danach war). Er trottete leicht lustlos neben mir her, blieb stehen, wenn man es sagte (oder vor Pfützen, oder vor Matsch. Wanja hatte eine enorme Abneigung gegen Matschepfoten) , und ging weiter, wenn man es ihm sagte "komm, lieber Wanja, wir gehen weiter". Blieb der Spaziergang aber aus irgendwelchen Gründen aus, pflegte er mich mit seinen großen runden Augen anzusehen, als wollte er sagen: und? wieso weichst du von meiner Routine ab?
Saß ich unten im Nähzimmer (der Raum, wo Wanja seine letzte Nacht in unserem Haus auf dem Sofa verbrachte - ich konnte ihn einfach nicht in die kalte Garage legen, das wäre mir herzlos erschienen, so, als ob er ausgeschlossen wäre), schob er manchmal auf unnachahmliche Art seinen seltsam kleinen Kopf um die Tür - zum Schießen komisch, wie er seinen Hals reckte.....
Unglücklich wirkte Wanja, wenn meine Mutter nicht da war. Oma und Wanja haben im Grunde nur immer abend für abend nebeneinandergesessen, aber für Wanja war das der Anker. Oma hat nie etwas von ihm verlangt, ich glaube nicht mal, dass sie ihn besonders oft gestreichelt hat - sie war einfach nur da, und beide waren nicht allein. Er ging mit ihr in den Garten, und oft wurde dann mit einem Balli gespielt. Das war für ihn - und sie - genug. Als meine Mutter 2013 mehrere Wochen im Krankenhaus verbringen musste, hatte ich den Eindruck, Wanja wird immer blasser und weniger. Als sie wieder da war, erholte er sich schnell (obwohl er sie am ersten Tag ihrer Wieder-Anwesenheit mit dem A....nicht anschauen wollte, so beleidigt tat er. Am nächsten Tag war dann alles wie früher).
 
Manchmal stand er einfach da, im Garten, und schaute über das Land. Dann wirkte er sehr stolz und aufrecht, ein schönes, starkes Tier voller Ruhe.
Ja, ich hätte ihn gern öfters fröhlich, ausgelassen und so offensichtlich glücklich gesehen - aber hey, es gibt nun einmal Grenzen des Möglichen. Gemessen an seiner mehr als schlechten Ausgangssituation hat er es toll gemacht (ich hoffe, lieber Gott, Bibi sieht das auch so):
Ich bin sehr froh, sagen zu können, dass er seine Würde zurückbekommen hat. Er ist ein Stück weit geheilt und wurde mit Respekt und großer Zuneigung behandelt. Er lehrte uns Geduld. Das hat er auch verdient, besonders, da wir seinen körperlichen Beeinträchtigungen nur so unzureichend auf die Spur kommen konnten - nicht, dass wir es nicht versucht hätten, aber manchmal sind Dinge eben nicht eindeutig. Wir haben es, so gut es ging, bewerkstelligt.
 
Wanja ließ es zu, dass Hilde ihre Katzenpfoten in seinem Fell wärmte und neben ihm schlief. Mitunter musste er ihr seine Decke überlassen, wenn sie sich allzu breit machte. Bei manchen Besuchern blieb Wanja einfach im Garten, egal, welches Wetter herrschte. Andere Besucher wiederum durften ihm gern beim Schlafen vor dem Ofen zusehen ;-)  Man konnte die Finger in seinem Fell vergraben, so dicht war es.
Er trat, wenn er frühmorgens raus musste, still an das Bett meiner Mutter und wartete einfach ab, bis sie seinen Blick spürte, dann (mitunter seufzend) aufstand und ihn in den Garten ließ. Manchmal hat er genervt mit seiner zögerlichen Vorsicht, seiner Unlenkbarkeit. Aber nur manchmal und immer nur kurz - man musste ihm einfach sofort wieder verzeihen, und wir haben niemals mit ihm geschimpft (aus welchem Anlass denn auch!).
Als die Diagnose aus der Tierklinik feststand, hat Vicky Bibi einen Brief geschrieben, in dem sie ihm den Tod erklärt hat. Kinder finden ganz eigene Worte.
Wanja war dement. Niemand weiß, wie es überhaupt um seine kognitiven Fähigkeiten bestellt war - manchmal fand er den Weg um die nächste Ecke nicht mehr, meistens war er aber ganz gut dran. Aber er hatte Freude, und "Freude ist wie Düngemittel für das Gehirn", wie es in "Honig im Kopf" so richtig heißt.
Obwohl er vielleicht auch gern im Bett genächtigt hätte (ein Wunsch, den ihm Vicky aber noch vor kurzem erfüllt hat) hat er Zeit seines Lebens bei uns nur auf der Matte im Wohnzimmer geschlafen. Und im Sommer draußen auf dem Hundeteppich. Etwas anderes kam für ihn gar nicht in Frage, so als ob Couch, Sessel oder gar Fensterbänke zum Rausgucken nicht existent wären für französische Wanjas.
 
Ich liebte es, ihn zu umarmen, meinen großen Jungen, der sich so ganz anders anfühlte - größer, präsenter, stärker - als die Beagles. Ich nötigte ihm die Umarmung ab, und er ließ es leicht konsterniert ein paar Augenblicke zu. Gemocht hat er, wenn man seinen Kopf und seine Ohren kraulte. Dann brummte er vor sich hin, wie nur er es konnte.
Nicht leiden konnte er, wenn er an Bauch oder den Seiten angefasst wurde. Er war ein Ausbund an Beschwichtigungssignalen, aber seitdem wir sorgfältig auf die achteten (mit Schmusen aufhören, wenn die Nase geleckt wird, z.B.), wuchs sein Zutrauen - millimeterweise. In letzter Zeit hat er sogar gewedelt - auf Wanja-Art, ruhig und bedacht, aber deutlich. Besonders hat er gewedelt, wenn Vicky auftauchte :-)
Sein Gang war federnd, elastisch, und hörte sich ein bisschen an wie der eines Pferdchens. Seine Proportionen waren unmöglich und haben ihm viele fiese Namen eingetragen. Die Leute haben nicht gesehen, wie er wirklich ist - wie auch, wer macht sich schon die Mühe. Oft wurde er aber auch mit Mitleid betrachtet , wie ein behindertes Kind. Wanjas Verhalten anderen Hunden gegenüber war unsicher und steif, aber es gab zwei, drei Hunde bei uns im Ort, die ihn geradezu hinrissen. Dann gab er sich oft ganz anders, so, wie wir ihn kennen, und die Leute waren entzückt.
Wir fanden ihn einfach nur schön. Und besonders.
 
Ich habe an Wanja sehr viel über Angsthunde, traumatisierte Hunde, ängstliche Hunde gelernt. Wenn ich auch das Gefühl habe, dass ich ihm nicht gut genug aus seinem Kokon heraushelfen konnte - es ist ein Gewinn an Erfahrung und Wissen, der vielleicht auch anderen Hunden zugute kommen kann.
Aber: ich bin der festen Überzeugung, dass wir unseren und seinen Möglichkeiten nach das Richtige getan haben - im Leben, wie dann auch im Tod.
Ich weiß, dass er immer Angst hatte, nicht mehr nach Hause zu können. Wir haben ihn bei jeder Abwesenheit von zu Hause versichert, dass er wieder zurück darf - das hat seinen Gang immer beschleunigt und seine Sicherheit vergrößert. Ich weiß, dass er sein ehemaliges Rudel vermisst hat und wir ihm nur einen unzureichenden Ersatz dafür bieten konnten.
 
Und ich bin sicher, dass es stimmt, was man sagt: dass man am Ende den Moment erkennt, wo es nicht mehr weitergeht.
Dieser Zeitpunkt kam für unseren Großen am frühen Abend des 28. Januar, zwei Monate vor seinem 8. Geburtstag.
Es ist nicht mehr zu ertragen, wenn der liebste Hund der Welt sich zum wiederholten Mal an einem Tag in seinen eigenen unkontrollierbaren Ausscheidungen windet, wenn er mit dem Kopf an der Wand in einer Ecke sitzt, die er noch nie zuvor aufgesucht hat, wenn er mit rollendem Blick und völlig durcheinander hilflos zu einem aufsieht - es wäre menschlicher Egoismus, an ihm festhalten zu wollen. Er hat es wohl auch gewusst, denn er schien den Tierarzt zu begrüßen und flüchtete auch nicht aus meinen Armen.
Wir haben ihn geliebt, und ich glaube fest, das er eine gute Zeit bei uns hatte. Und ich weiß, dass er wusste, dass wir es gut mit ihm meinen und nur das Beste für ihn wollen.
Dafür bin ich unendlich dankbar.
 
Lieber Bibi, zu Anfang habe ich dein Leben mit Les Miserables vergliichen. Jetzt, am Ende, bietet sich der Vergleich mit Jean Valjean wieder an: ich glaube, Du hast das Bestmögliche daraus gemacht. Und konntest in Frieden diese Welt, die dir soviel Schlimmes hat widerfahren lassen, verlassen. Ich hoffe und wünsche mir - für dich und für uns - du hast sie da, wo du jetzt bist, wieder: deine Freunde. Ich hoffe, du bist glücklich und frei und blickst manchmal auf uns mit Wohlwollen zurück. Du fehlst uns. Sehr.
Ich hab Dich lieb, Wanja-Bibi. Mach's gut, Großer, wir werden Dich nie vergessen.